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Der Streit um das Mount Rushmore National Memorial

Reportage
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In den Black Hills, den Bergen in South Dakota, blicken die riesigen Köpfe von vier US-Präsidenten auf die Menschen herab. Als Touristenattraktion geplant, zieht das Mount Rushmore National Memorial viel Kritik auf sich.

An dem Mount Rushmore in den Black Hills von South Dakota wurde in den Jahren 1927 bis 1941 das Mount Rushmore National Memorial erbaut. Die Köpfe der vier Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln wurden auf 1800 Metern Höhe 18 Meter hoch in den Fels gesprengt, gemeißelt und gehauen. Knapp drei Millionen Besucher kommen jedes Jahr, um das enorme Felsbild zu betrachten.

Idee und Auswahl der Präsidenten

Die Idee zu einem Monument berühmter Persönlichkeiten stammt von dem Historiker Doane Robinson. Er wollte damit den Tourismus im US-Bundesstaat South Dakota ankurbeln, der von Touristen nur wenig besucht wurde. Robinson dachte allerdings nicht an Präsidenten, sondern an bekannte Gestalten des Westens wie die Entdecker Lewis und Clark, den Indianer-Häuptling Red Cloud oder den Bisonjäger Buffalo Bill.

Berggipfel · South Dakota

Mount Rushmore

Berggipfel
South Dakota
von Hartmut Wimmer,  Outdooractive Redaktion
Themenweg · South Dakota

Presidential Trail Mt. Rushmore

Themenweg Mount Rushmore
04.09.2013
mittel
1,4 km
0:30 h
45 hm
45 hm
von Hartmut Wimmer,  Outdooractive Redaktion

Als Bildhauer wurde John Gutzon de la Mothe Borglum engagiert, der den ursprünglichen Ort für das Monument an den sogenannten „Needles” ablehnte, da die Qualität des Granits für die Arbeiten nicht gut genug war. Die spitzen Felszacken boten auch nicht genügend Platz für vier große steinerne Köpfe. Bei seiner Suche stieß der Bildhauer schließlich auf den Mount Rushmore. Borglum war es auch, der die Idee für die Präsidenten hatte. Er wählte diese vier aus, da sie die ersten 130 Jahre der amerikanischen Geschichte repräsentierten und sich für die Erhaltung der Republik sowie die Erweiterung des Gebiets einsetzten.

Der Bau des Monuments

Nach 14 langen Sommern, in denen beinahe 400 Arbeiter und Helfer am Bau beteiligt waren und etwa 410.000 Tonnen Fels abgesprengt wurden, waren die vier riesigen Köpfe an der Südostseite des Mount Rushmore fertig. Dass keiner der Arbeiter während des Baus starb, ist für ein Projekt derartiger Größe ungewöhnlich. Borglum selbst erlebte die Eröffnung seines Werkes nicht, da er kurz zuvor verstarb. Die Arbeiten wurden in den letzten Monaten von seinem Sohn Lincoln Borglum geleitet. Das Monument wurde nie komplett vollendet – geplant war eigentlich der Ausbau der Präsidenten bis zur Taille. Wegen Geldmangels wurde das Projekt jedoch eingestellt und gleichzeitig für vollendet erklärt.

Mount Rushmore

Kritik der Lakota-Indianer

Das auch als „Shrine of Democracy” bezeichnete Monument stößt nicht nur auf Zuspruch. Anhänger des Indianer-Stamms der Lakota-Sioux sehen in dem National Memorial eine Entweihung ihres heiligen Berges sowie einen Vertragsbruch. Das Gebiet der Black Hills war Bestandteil des Vertrages von Fort Laramie, der die Bergkette zusammen mit einem größeren Gebiet den Indianern zusprach. 1877 brachen die Vereinigten Staaten den Vertrag, weil in den Black Hills Gold gefunden wurde. Den Lakota wurde zwar 1980 eine finanzielle Entschädigung geboten, die Indianer verweigerten jedoch die Annahme, da sie ihr Land zurück haben wollten.

Das Monument in ihren heiligen Bergen sehen die Lakota als Provokation. Vor allem die Abbildung des Präsidenten Abraham Lincoln ist problematisch: Dieser verfügte 1862 die größte Massenhinrichtung der US-Geschichte, bei der 38 Lakota-Indianer gehängt wurden. Die Lakota besetzten zwischenzeitlich das Monument und errichteten auf dem Gipfel des Berges eine Gebetsstätte. Auch der Bau des Crazy Horse Memorials einige Kilometer südwestlich des Mount Rushmore gilt als Antwort der Indianer auf das Monument der Präsidentenköpfe.

Die Antwort der Lakota-Indianer: das Crazy Horse Memorial

Seit 1948 wird an einem Monument des Indianer-Häuptlings Crazy Horse gearbeitet. Wenn es fertig ist, soll das Memorial fast zehnmal so groß sein wie die Präsidentenköpfe am Mount Rushmore. 195 Meter lang und 172 Meter hoch wird Crazy Horse auf seinem Pferd sitzend und mit dem Arm nach Osten weisend in den Fels geschlagen.

Crazy Horse Memorial

Der damalige Lakota-Häuptling Henry Standing Bear lud Korczak Ziolkowski ein, das Indianer-Monument zu bauen. Der Bildhauer hatte bereits am Mount Rushmore National Memorial mitgearbeitet. Mittlerweile ist schon die dritte Generation der Familie an dem Bau beteiligt und die Arbeiten gehen langsam voran.

Die riesige Statue des Lakota-Anführers stößt bei den Indianern nicht nur auf Zuspruch. Viele sind gegen eine weitere Bearbeitung der wunderschönen Natur und wollen sich nicht mit den Amerikanern auf eine Stufe stellen. Außerdem wird kritisiert, dass Crazy Horse sich nie fotografieren lassen wollte – also wollte er wohl auch kein riesiges Steinmonument seiner selbst. Durch fehlende Abbildungen des Häuptlings ist zudem unsicher, ob die Skulptur wirklich Crazy Horse darstellt.

Crazy Horse Memorial bigger than Mount Rushmore

Wer in South Dakota unterwegs ist, sollte sich jedenfalls beide Monumente nicht entgehen lassen. Denn beeindruckend sind die riesigen, in Stein gehauenen Skulpturen auf jeden Fall – egal ob Indianer-Häuptling oder Präsidenten.


Verantwortlich für diesen Inhalt
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outdooractive.com User
Autor
Wiebke Hillen 
Aktualisierung: 13.05.2019

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