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Fahrradabenteuer auf dem Sydostleden in Skåne

Reisebericht · Skåne
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Es ist 15:30 Uhr an einem Samstagnachmittag. Wir sind unterwegs nach Åhus, einer mittelalterlichen Stadt am Radweg Sydostleden. Ein Kinderspiel mit dem E-Bike – es sei denn, der Akku wird leer.

„Kann ich helfen?“ Ich schiebe mein Rad auf eine Fischerhütte zu. Vielleicht kann ich bei dem Mann meinen Akku aufladen, während ich am Strand Rast mache. Das ist das Schöne am Sydostleden: Das Meer ist nie weit entfernt.

07.06.2017
leicht Etappentour
277,3 km
19:08 h
526 hm
670 hm
von Svenja Rödig,   Visit Sweden GmbH

Der Mann heißt Mats und ist Fischer. Sein Boot ist abfahrbereit und liegt schon am Ufer. Einen Augenblick später kommt ein zweiter Mann, gekleidet mit grünen Wattstiefeln und Schwimmweste. Für einen Moment sehe ich doppelt: Max und Mats sind Zwillinge. Sie fischen seit 60 Jahren zusammen, 20 davon auf hoher See. Mit einem schelmischen Blick fragt Mats: „Willst du mit uns fischen?“ Ich überlege nicht lange, mein Rad liegt ja ohnehin noch lahm: „Na klar! Was fischen wir denn heute?“ Beide sind überrascht: „Aale natürlich.“

Das Gold der Ostsee

Der Sydostleden folgt Schwedens berühmter Aalküste. Seit Jahrhunderten fischen Männer wie Mats und Max hier Aale. Diese schlüpfen in der Sargassosee, wandern in die Ostsee und schwimmen 6000 Kilometer bis vor die schwedische Küste.

In ganz Europa ist der Aalbestand bedroht, deshalb brauchen Fischer eine Erlaubnis, um die schlüpfrige Delikatesse zu fangen. Schweden hat noch strengere Regeln erlassen, um den Fisch zu schützen. Die Anzahl der Genehmigungen ist begrenzt und auch die Zeit: An der Ostküste von Skåne zwischen Åhus und Stenshuvud – der sogenannten Aal-Küste – darf nur drei Monate im Jahr gefischt werden.

Inzwischen bin ich ziemlich gestresst, das Boot ist zu klein für so viele Menschen. Ich hocke mich hin und spüre, wie die Fische sich zwischen meinen nackten Fußgelenken winden: Barsche, Aale, Heringe und auch Quallen. Plötzlich mache ich mir Sorgen: „Quallen brennen doch, oder?“ Max grinst: „Nur die weiblichen.“

Die Fischer Mats und Max Svensson

Wir kehren mit sechs glatten, männlichen Aalen, dem sogenannten Ostsee-Gold, zurück. Wieder an Land stellen die Brüder den Wodka auf den Tisch und erweisen sich als faszinierende Geschichtenerzähler. Wir stoßen an und die Zwillinge beginnen zu singen: „Helan går, Sjung hopp faderallan lallan lej, Helan går“, Schwedens bekanntestes Trinklied. Wir verstehen zwar kein Wort, wohl aber den Sinn: „Auf ex!“

Unterwegs zwischen Äpfeln, Kaffee und Spielzeug

Heute starten wir in Kivik, dem wahrscheinlich altmodischsten kleinen Dorf in Skåne. Jedes einzelne Fachwerkhaus ist wunderschön bemalt, die Stockrosen in den Vorgärten wiegen sich in den Farben von Claude Monet. Der italienische Reisende Edmondo de Amicis schrieb über den Ort: „Ein Städtchen wie aus dem Schaufenster eines Nürnberger Spielzeugladens.“

19.06.2017
leicht Etappe 7
49,4 km
3:28 h
296 hm
339 hm
von Katharina Goldstein,   Visit Sweden GmbH

Mit vollem Akku verlassen wir das Fischerdorf, fahren entlang weitläufiger Getreidefelder, vorbei an alten Bauernhöfen, cremeweißen Kirchen und zahllosen Apfelwiesen, auf denen über 70 verschiedene Apfelsorten wachsen.

Unsere Mittagspause wollen wir heute in der Kaffestugan Alunbruket in Andrarum machen, deshalb fahren wir einen weiten Bogen ins Landesinnere. Genau wie Kivik sieht dieser Ort aus wie ein antikes Dorf aus einem nostalgischen Spielzeugladen. Das Café wurde in den 1930er Jahren eröffnet und wird von Johan Carlsson, dem Urenkel der ursprünglichen Besitzerin, betrieben.

Er erzählt uns von Andrarum: Früher wohnten hier hunderte von Fabrikarbeitern, die Alaun, ein Beizmittel für die Ledergerbung, herstellten. Damals hatte das Dorf eigene Schulen und sogar eine eigene Währung. Der Kontrast zwischen damals und heute könnte nicht größer sein: Früher hing eine gelbe Schwefelwolke über der Stadt, heute haben wir das Gefühl, durch ein perfektes Hobbit-Dorf zu radeln.

Kaffestugan Alunbruket

Die „Kirche” von Åhus

„Ist es noch weit?“ Wir sitzen schon eine Weile im Sattel, als wir merken, dass sich der Akku in Mats‘ und Max‘ Fischerhütte doch nicht vollständig aufgeladen hat. Wir fahren auf einem Schotterweg durch den Wald, wo sich Hügel an Hügel reiht – Skåne ist gar nicht so flach, wie ich anfangs dachte.

12.11.2019
leicht Etappe 6
52,5 km
5:00 h
78 hm
27 hm
von Wiebke Hillen,   Visit Sweden GmbH

Aus der Ferne sehen wir die sogenannte „Kirche von Åhus”, die Absolut-Wodkafabrik, am Ufer des Helge å. Wir überqueren eine Brücke und erreichen unser Hotel mit schöner Aussicht auf die Häuser der Reichen und Berühmten. Jedes Haus hat einen eigenen Anleger und natürlich auch ein Boot dazu. Åhus ist die am besten erhaltene mittelalterliche Stadt Schwedens, die früher für ihre drei Laster berühmt war: Aale, Schnupftabak und Schnaps. Sie alle werden in dieser kleinen Stadt hergestellt. Wir wollen die Fabrik besuchen, in der seit 1906 Absolut Wodka hergestellt wird. Auf dem Weg dorthin höre ich mich summen: „Helan går …“

Åhus

Im Sumpfgebiet

Am nächsten Tag radeln wir nach Kristianstad, nur 18 Kilometer von Åhus entfernt, also diesmal keine Akku-Probleme. Die Strecke ist zwar weniger attraktiv, aber unser Ziel ist es wert: Eine Renaissancestadt, die 1614 von Christian IV. von Dänemark gegründet wurde. Die ganze Stadt ist von Wasser umgeben und konnte sich lange gegen die Schweden verteidigen. Skåne war bis 1658 dänisch, die Spuren finden sich noch heute in der Region. Man hört es zum Beispiel an der Sprache. Kristianstad gehört zu Schweden, aber man merkt, dass sie immer noch durch und durch dänisch ist.

Unterwegs auf dem Sydostleden

Die Hassliebe von Kristianstad mit dem Wasser spiegelt sich heute im Besucherzentrum neben dem Bahnhof wider, das ein wenig nach Guggenheim aussieht. Hier kann man eine Bootsfahrt unternehmen oder die Otter beim Schwimmen beobachten. Außerdem erfährt man mehr über das UNESCO-Biosphärengebiet und den ursprünglichen Plan, aus dem Sumpf dieses Naturschutzgebiet zu gestalten. Das Naturum Vattenriket ist ein Ort, an dem man mehrere Stunden zubringen kann, während man Silberreiher, Eisvögel und Welse entdeckt, aber leider müssen wir weiter – zurück auf den Sydostleden.


Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion 
outdooractive.com User
Autor
Nicolline van der Spek
Aktualisierung: 03.03.2020

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