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Die Bergputzer von Salzburg

Reportage · Salzburg und Umgebung
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Klettergurt, Seil, Helm und Bergstiefel – das sind die ungewöhnlichen Arbeitsutensilien der Bergputzer von Salzburg. 365 Tage im Jahr sorgt eine kleine Gruppe furchtloser Männer dafür, dass die Bewohner der Stadt in Sicherheit sind.

Arbeiten über den Dächern der Stadt

Über den Dächern Salzburgs

Schon von weitem kann man sie erkennen. Tag für Tag hängen sie am Klettergurt in den steilen Felswänden der Salzburger Hausberge Mönchs-, Kapuziner- und Festungsberg. Doch was machen sie dort oben, hoch über den Dächern der Mozartstadt eigentlich?

Die Bergputzer von Salzburg haben einen außergewöhnlichen, wahrscheinlich sogar weltweit einzigartigen Beruf: Sie befreien die Hausberge der Stadt fein säuberlich von losem Gestein und aufkommendem Wurzelwerk. In Steillagen müssen gefährdete Bäume gefällt sowie Steinfänge errichtet werden. Im Winter werden Stauden an den teilweise begrünten Steilwänden zurückgeschnitten und gefährliche Eiszapfen entfernt. Insgesamt sorgen die Bergputzer jährlich dafür, dass rund 300.000 m² Fels überprüft und dabei zwischen 50 und 80 m³ loses Gestein entfernt werden.

Berufsbildung aus der Not heraus

Aber weshalb besteht in der Mozartstadt überhaupt ein Bedarf an dieser Berufsgruppe? Die Antwort darauf ergibt sich aus der unmittelbaren Nähe Salzburgs zu den Bergen. Die Felswände von Mönchs-, Kapuziner- und Festungsberg ragen in der Altstadt in die Höhe. Sie stellen einen einzigartigen und weitläufigen Grünraum dar, bergen aber auch Gefahren für die Bewohner und Häuser der Stadt.

In voller Montur an der Felswand

1669 wurde Salzburg Opfer einer verheerenden Felssturzkatastrophe. Damals stürzten riesige Felsmassen von den steilen Wänden des Mönchsbergs herunter und begruben die Markuskirche, das „Seminarium Alumnorum“, die Lieb-Frauen-Kapelle und 13 Häuser unter sich. Bei diesem Unglück kamen 230 Menschen ums Leben.

Vor dem Felssturz fanden bereits sporadische Überprüfungen und Säuberungen der Hausberge statt, 1574 wurden die Bergputzer erstmals urkundlich erwähnt. Diese Arbeiten wurden ab dem Jahr 1669 dann stark intensiviert. Erst mehrjährig, nach einem weiteren Felssturz 1778 jedes Jahr und mittlerweile 365 Tage im Jahr werden seither die Hausberge in Salzburg überprüft.

Aus einer anfangs spontan errichteten, wagemutigen Bürgergruppe formte sich so über die Jahrhunderte hinweg eine eigene Berufsgruppe – die Bergputzer. Ein Trupp besteht dabei meist aus zwei Abfahrern, die in den Seilen hängen und den Berg säubern, zwei Seilhaltern, die die Abfahrer sichern und hinablassen, sowie zwei Bodenmännern, die den Arbeitsbereich absperren und die Bodensäuberung übernehmen.

Bergputzer am Mönchsberg

Ein Rundgang durch die Stadt? Aber sicher!

Während die Menschen unten in der Stadt durch die Straßen und Gassen flanieren, hängen die Bergputzer in ihren Klettergurten und Seilen, rufen sich laut ihre Kommandos zu und sorgen dafür, dass das Leben in der Mozartstadt seinen gewohnten Gang gehen kann. Bei Wind und Wetter setzen sie sich zum Schutz der Bewohner und der gesamten Stadt den Gefahren durch herabfallendes Gestein aus. Manch einer wird vermutlich nicht einmal wissen, dass es sie gibt – also haltet bei eurem nächsten Besuch in Salzburg unbedingt die Augen offen. Vielleicht könnt ihr bei eurem Stadtrundgang oder eurer Wanderung auf die Hausberge ja den einen oder anderen Bergputzer entdecken.


Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion 
outdooractive.com User
Autor
Alisa Wiggers
Aktualisierung: 01.07.2019

Kommentare und Bewertungen (2)

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Lena Wiesler
17.07.2015
Schöne Geschichte über eine spannende Berufsgruppe!
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