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Erlebnisreiches Inselhüpfen im Finnischen Schärenmeer

Reisebericht
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Finnland wird oft als „Land der tausend Seen“ bezeichnet. Genauso gut könnte das nordische Land jedoch den Namen „Land der tausend Inseln“ tragen. Denn vor der Süd- und Westküste liegen mehr als 40.000 Inseln und Inselchen im Archipel. Mittelalter- und Militärgeschichte, Seefahrerstation und Tierwelt – die Inseln könnten unterschiedlicher nicht sein und doch werden sie durch eines vereint: die wunderbare Natur und Einsamkeit Finnlands.

Die Küste und das Schärenmeer sind zwar nicht der Teil des Landes, den ich als typisch finnisch bezeichnen würde – das wäre eher das Seenland im Westen und die unberührte Natur im nördlichen Lappland. Nichtsdestotrotz hat dieses Gebiet viel zu bieten: Geschichte und Kultur können hier erlebt werden. Alte Festungsmauern, Leuchttürme und Museen, einzigartige Vogelwelten und Naturhighlights sowie natürlich die Menschen, die seit jeher die Inseln bewohnen und das Leben an der Küste prägen, ziehen mehr und mehr die Touristen an. Eine erlebnisreiche Reise beginnt.

Bengtskär Leuchtturm

Inselhüpfen mit dem Rad

Für einen Besuch dieser Regionen des Landes eignet sich besonders das Inselhüpfen. Bekannt als Reiseform auf den griechischen, kanarischen oder karibischen Inseln, kann auch die finnische Küstenlandschaft in dieser Form bereist werden. Wer nur einen kurzen Trip plant, kann mit dem Auto von Insel zu Insel fahren und an einigen Highlights stoppen.

Schöner finde ich es jedoch, die Gegend mit dem Fahrrad zu erkunden. Zahlreiche Radwege entlang der Küste und über die Inseln – verbunden durch Brücken und Fähren – locken vor allem mit wenigen Höhenmetern und abwechslungsreichen Erlebnissen. Ob auf Archipelago Trail, King’s Road oder einer namenlosen Tour: So macht Reisen Spaß.

Ich bin vor allem vom Archipelago Trail begeistert. Von Turku aus führt er als „Große Schärenringstraße” in die Inselwelt des Schärenmeers. Anstrengend ist es nur, wenn der Wind zu stark bläst, Höhenmeter gibt es kaum. Und die Fähren, die mich von einer Insel zur nächsten bringen, sorgen zusätzlich für eine Pause. Auf diesem Radweg lasse ich mir Zeit. Es gibt zu viel zu sehen, um zu rasen. Die wunderbare Natur, die roten Häuser, Kirchen, Museen oder Kunstgalerien laden mich immer wieder zu einem Zwischenstopp ein. Und eins ist sicher: Den Alltag vergesse ich in der ruhigen Abgeschiedenheit vollkommen.

Auf dem Archipelago Trail

Thematisches Inselhüpfen

Beim Inselhüpfen in der finnischen Küstenregion bietet sich neben einem Radweg auch eine thematische Reise an. Wie wäre es mit der Erkundung der kriegerischen Geschichte oder der Entdeckung des traditionellen Insellebens im Schärenmeer? Ich mache mich gleich auf den Weg!

Inselfestungen Finnlands

Kriegerische Angriffe wurden zu früheren Zeiten oft über das Meer geführt. So ist es nicht verwunderlich, dass auf den Inseln vor der Süd- und Westküste Finnlands heute noch die Ruinen verschiedener Mauern und Festungsanlagen zu entdecken sind. Mich haben diese grauen Bauwerke schon in meiner Kindheit fasziniert, als ich noch davon träumte, selbst auf einer Burg zu leben.

Die bekannteste Festungsinsel ist wahrscheinlich Suomenlinna direkt vor den Toren der Hauptstadt. Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden die Befestigungswälle und Türme zum Schutz des Landes. Auch die Insel Vallisaari beherbergt alte Festungsanlagen und Lonna, die „kleine Schwester von Suomenlinna“ wurde einst als Militärbasis für Minenräumboote genutzt. Weiter östlich befindet sich die ebenfalls bekannte Svartholma Seefestung in der Loviisa-Bucht.

Auf Örö, ganz im Südwesten vor Käsnäs wurden im 1. Weltkrieg russische Festungsanlagen erbaut. An der Westküste bei Rauma findet sich die Festungsinsel Kuuskajaskari, die mit Überwachungstürmen, Schützengräben, Schießanlagen und vier Kanonen besonders viel zu bieten hat. Eine der Kanonen ist sogar noch funktionstüchtig, also Vorsicht bei der Entdeckungstour!

Suomenlinna

Inselleben im Schärenmeer

Das Leben auf den Inseln ist bestimmt nicht immer einfach. Von den Wetterverhältnissen abhängig und teilweise durch Eis vom Festland abgeschnitten, ist besonders der Winter hart – oder die Übergangszeit, wenn das Eis noch nicht oder nicht mehr dick genug ist, um es zu betreten, aber zu dick, um mit dem Boot zu fahren.

Auf Kaunisaari bei Kotka erfahre ich in einem Museum mehr über die Lebensweise der Inselbewohner und betrachtete einheimische Werke an Handarbeitsständen und in Kunstgalerien. Nahe Porvoo liegen die Pellinge-Inseln, die schon seit dem 16. Jahrhundert bewohnt sind und daher viel zu erzählen haben. Im Sommer finden hier zahlreiche unterschiedliche Events statt, von einem Mittsommer-Festival über Bootsrennen bis zu landwirtschaftlichen Flohmärkten.

Auch auf der Insel Pentala, zwischen Helsinki und Espoo gelegen, kann ich ein Schärenmeer-Museum besichtigen. Etwa 15 historische Gebäude geben hier einen Einblick in alte Traditionen. Auf der großen Insel Jussarö kann ich die Stimmung des Schärenmeers besonders gut einfangen. Als wichtiger Stützpunkt in der Navigation der Seefahrer wurde 1891 ein Leuchtturm auf der Insel errichtet.

Nicht zu vergessen sind natürlich die Åland-Inseln: Die Lage zwischen Schweden und Finnland hat die Inselgruppe seit jeher mit einer Sonderstellung bedacht. Die schwedischsprachigen Einwohner wohnen vor allem in der Hauptstadt Mariehamn. Hier herrscht ein mildes Küstenklima und es soll die meisten Sonnenstunden in den nordischen Ländern geben.

Ich habe viel entdeckt und werde mit Sicherheit für eine weitere Reise über die Inseln des Finnischen Schärenmeers zurückkehren. Denn zum Beispiel eine Kajaktour zu abgelegenen Inseln und eine Übernachtung in der Wildnis habe ich dieses Mal nicht geschafft.

Also worauf wartet ihr noch? Auf geht’s zum Inselhüpfen nach Finnland.


Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion 
outdooractive.com User
Autor
Wiebke Hillen 
Aktualisierung: 17.06.2019

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