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Roadtrip in den Hohen Norden – mit dem Wohnmobil durch Norwegen

Reisebericht · Norwegen
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Das Schöne am Reisen mit dem Wohnmobil ist die große Flexibilität. Man lebt einfach in den Tag hinein und macht dort Station, wo es einem gefällt. Die ganz Spontanen legen nicht mal eine Route fest, sondern entscheiden täglich aufs Neue, wohin sie fahren. Uns hatte es die norwegische Küste angetan – und wir sind losgefahren, obwohl die Wettervorhersage pünktlich zu unserer Abreise vom Jahrhundertsommer zu dicken Regenwolken wechselte.

„Du musst auf jeden Fall alle Türdichtungen mit Autan einschmieren“, beteuerte mein Arbeitskollege Kilian, der bereits mehrere Wohnmobil-Reisen nach Skandinavien unternommen hatte, „sonst fressen dich die Mücken auf“.

„In Norwegen regnet es mindestens einmal am Tag“, sagten andere. Das Wetter scheint in den nordischen Ländern häufig Probleme zu machen. Aber wir wollten ja flexibel sein – und Flexibilität bedeutet in diesem Fall auch, eine gute Regenausrüstung dabei zu haben.

Unsere Reiseroute

Wer weite Strecken zurücklegen möchte, muss das Fahren bewusst als Teil des Reiseerlebnisses begreifen. Sich auf großen Straßen zu bewegen ist nur dann ratsam, wenn man innerhalb kurzer Zeit Kilometer machen muss. Ansonsten entscheidet man sich besser für schmale Nebenstraßen und genießt stundenlang einfach nur die Landschaft. Ein guter Tipp für Norwegen-Reisende sind die „Nasjonale Turistveger“, also die speziell ausgezeichneten Landschaftsrouten. 

Auf unserer Fahrt haben wir die verschiedenen Gegenden Norwegens kennengelernt. Im Landesinneren erstrecken sich weite Hochebenen mit Nationalparks und Seenlandschaften. Dort kann man sich in eine unberührte Wildnis begeben, wie sie in unserer modernen Zeit leider selten geworden ist.

Die Südküste versprüht ein mondänes und entspanntes Flair. Wir fanden dort überraschend viele militärische Stellungen aus dem Zweiten Weltkrieg vor, die an die Besetzung durch die deutsche Wehrmacht erinnerten. Viele alte und museal aufbereitete Leuchttürme lohnen einen Besuch. Diesen kann man meist mit einer kleinen Wanderung verbinden. 

 

An der wilden Westküste bestaunten wir tausende kleine Inseln und natürlich das beeindruckende Fjordland. Die „Must Visit“-Plätze waren unerträglich überfüllt, obwohl wir bewusst nicht zur Hauptreisezeit im Juli und August unterwegs waren.

Den schier unerträglichen Touristen-Massen setzten wir uns nur selten aus: einmal am Preikestolen und einmal beim Besuch der Geirangerfjords. Zum Glück gab es jede Menge unbekanntere – und nicht minder schöne – Plätze, die man ansteuern konnte.

Über das Reisen mit dem Wohnmobil

Norwegen ist definitiv ein Wohnmobilland. Die Norweger machen selbst gerne Urlaub „on the road“. Dementsprechend ist das Land bestens auf diese Art von Tourismus eingerichtet – ähnlich wie die USA und Kanada.

Der Verkehr ist aufgrund Mentalität und Tempolimit sehr entspannt. Es gibt meist gute Parkmöglichkeiten, selbst in den Städten. Die vielen Fjorde werden problemlos und schnell mit der Fähre überquert – ein Umfahren lohnt sich kaum.

Dank des in Norwegen geltenden „Jedermannsrechts“, kann man auf nahezu jedem schönen Rastplatz über Nacht bleiben. Entlang vieler Straßen gibt es Dump-Möglichkeiten, wo man sein Abwasser leeren und Frischwasser sowie Trinkwasser nachfüllen kann.

Wenn man also keinen besonderen Wert auf sanitäre Anlagen und Strom legt, braucht man in Norwegen keinen Campingplatz. Das Geld kann man sich sparen – und dafür in Maut, Tanken, Einkaufen und Restaurants investieren: Es ist schlicht und einfach alles sauteuer. Die Stadt Bergen werden wir unter anderem deswegen in Erinnerung behalten, weil wir dort die zweifellos beste, aber auch teuerste Schalenfischplatte unseres Lebens gegessen haben.

Kontakt mit den Einheimischen und Verständigung

Die Menschen in Norwegen sind ruhig und zurückhaltend, aber unglaublich nett und hilfsbereit. Das haben wir vor allem dann zu schätzen gelernt, als wir mit unserem Wohnmobil an einem recht einsamen See zu weit in den Sand hineingefahren waren.

Nachdem wir das schwere Teil trotz Einsatz aller Kräfte nicht einen Zentimeter bewegt hatten, waren wir heilfroh, dass das erste vorbeifahrende Auto sofort anhielt und uns Hilfe anbot. Die Dame konnte uns mit ihrem Kleinwagen zwar nicht abschleppen, ihr Nachbar kam aber prompt mit dem Traktor vorbei.

Alle zusammen sind geblieben, bis wir wieder komplett fahrbereit waren – obwohl es Sonntag war und nach 10 Uhr abends. Geld wollten sie für ihre Hilfeleistung partout nicht nehmen. Sie meinten, für uns sei das Reisen in ihrem Land schon teuer genug.

Die Verständigung war übrigens gar kein Problem. Es ist wirklich beeindruckend, wie gut alle Skandinavier Englisch können. Sogar die ältere Generation, die nicht mit der Sprache aufgewachsen ist.

Auch das nahezu durchgängige Bezahlen mit Kreditkarte ist eine Sache, um die ich die Norweger beneide. Jeder Parkscheinautomat nimmt die Kreditkarte und kommuniziert ganz selbstverständlich in Englisch.   

Das Fazit unseres Norwegen-Roadtrips könnte besser nicht sein:

Die Mücken haben uns wider Erwarten nicht aufgefressen. Und das, obwohl wir weder die Türdichtung noch uns selbst mit Autan eingeschmiert haben. Auch das mit dem täglichen Regen können wir ganz klar als Gerücht abtun. Nur auf große Temperaturschwankungen muss man vorbereitet sein – in unserem Fall bewegten wir uns zwischen 8 °C und 31 °C.

Was uns von unserem Urlaub bleibt, sind eine Menge unvergesslicher Momente. Denn jede einzelne Region des hohen Nordens ist einzigartig und hinterlässt andere Bilder im Kopf (und auf der Festplatte).


Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion 
outdooractive.com User
Autor
Hartmut Wimmer 
Aktualisierung: 10.02.2020

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