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Frische Luft, alte Wälder und wilde Wasser – unterwegs in Finnisch-Lappland

Reisebericht · Lappland
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Unendliche Weiten – daran denkt man, wenn man an Lappland denkt. Die Region im Norden Finnlands ist für ihre atemberaubende Naturlandschaft und wilde Einsamkeit bekannt. Hier kann man tagelang unterwegs sein und trifft nur wenige Menschen: Massentourismus gibt es nicht. Absolute Entschleunigung habe ich gesucht – und gefunden.

Verantwortungsvoller Umgang mit der Natur

Die Nationalparks in Finnland dienen natürlich dem Schutz der Natur, der Erhaltung der Biodiversität, aber auch dazu, Besuchern die Möglichkeit zu geben, die Natur zu entdecken und genießen. Wer sich wie ich auf den Weg in die finnischen Nationalparks macht, sollte sich im Voraus informieren, was dort erlaubt und was verboten ist. Denn ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur ist sehr wichtig – schließlich wollen wir noch lange das Privileg genießen, uns in die Wälder zurückzuziehen, die Moore zu durchstreifen, im See zu schwimmen oder die Aussicht von einem Fjell in uns aufzunehmen.

Luosto Natur-Trail

Auf den Spuren der frischen Luft im Pallas-Yllästunturi Nationalpark

Für meine Reise durch Lappland habe ich mir drei Nationalparks ausgesucht, die mich jeder auf seine ganz eigene Weise beeindruckt haben.

Meine erste Station war der Pallas-Yllästunturi Nationalpark im Nordwesten Lapplands. Hier atmet man – wissenschaftlich erwiesen – die sauberste Luft Europas ein. Ich nahm einen tiefen Zug und vergaß sofort die lange Anreise. Uns ist meist gar nicht bewusst, wie verschmutzt die Luft ist, die wir – besonders in Großstädten – tagtäglich einatmen. Bis wir an einen Ort wie diesen kommen und die klare, frische Luft genießen dürfen.

Wanderwege in Pallas
Lappland
Herzlich willkommen im Naturzentrum Kellokas von Yllästunturi! Sie erhalten bei uns Informationen ...
von Juuso Ritari,   Parks & Wildlife Finland

Besonders beeindruckt war ich außerdem von dem nächtlichen Sternenhimmel – Millionen kleine Lichter leuchteten auf mich herab und ich kam mir plötzlich ganz klein vor. Tagsüber streifte ich durch die unberührte Naturlandschaft, ich erklomm die baumlosen Fjells und blickte über die Wälder und Seen Lapplands hinweg – meistens ohne Menschen oder gar ein Auto zu sehen. In Pallas-Yllästunturi verläuft eine beinahe 100 Kilometer lange Fjell-Kette. Die immergrünen Wälder wachsen an den Hängen bis auf 500 Meter Seehöhe, darüber können sich nur wenige sture Gewächse halten.

Zwischen uralten Bergketten und Bäumen im Pyhä-Luosto Nationalpark

Weiter ging es mitten durch Lappland zum Pyhä-Luosto Nationalpark. Hier verläuft eine der ältesten Bergketten der Erde, die das flache Umland überragt. Ich machte mich an die Aufstiege zum Noitatunturi und zum Ukko-Luosto, den beiden höchsten Gipfeln im Nationalpark. Fjellgipfel und tiefe Schluchten bilden die atemberaubende Silhouette der Fjellkette zwischen Pyhä und Luosto. Auch die tiefste Schlucht im Pyhä-Luosto ließ ich mir nicht entgehen, Isokuru ist immerhin eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region.

Auf meinen Wanderungen durchstreifte ich besonders gern die uralten Wälder des Nationalparks. In absoluter Ruhe bewegte ich mich zwischen den Stämmen entlang und meinte sogar, die Bäume reden zu hören. Die Blätter raschelten im Wind, die alten Äste knarzten und ich fühlte mich einfach pudelwohl. Die Baumgrenze ist hier recht niedrig, die Fjellgipfel sind felsig und weisen nur wenig Vegetation auf. Weiter unten geht es durch die Aapa-Moore, hier wachsen viele verschiedene Pflanzen, die von den Quellen der Region gespeist werden.

Isokuru-Schlucht

Immer dem Wasser nach im Oulanka Nationalpark

Das Ende meiner Reise beschloss ich an der russischen Grenze im Oulanka Nationalpark. Schon bei der Urlaubsplanung hatte ich mich auf den Abschluss gefreut, denn Oulanka ist der Nationalpark des fließenden Wassers. Die Stromschnellen stellte ich mir beeindruckend vor und so war es dann auch: Staunend stand ich am Ufer des Oulankajoki und des Kitkajoki und sah zu, wie das Wasser über die Steine preschte und sich seinen Weg vorbei an Wurzeln und Felsen bahnte. Und natürlich machte ich auch eine Kanutour auf dem Oulankajoki – allerdings die leichtere Strecke, die schwierige traute ich mir noch nicht zu. Vielleicht beim nächsten Mal. Ein eindrucksvolles Erlebnis war es dennoch.

Oulankajoki-Fluss

Als echte Wanderin ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, auf dem Karhunkierros Trail, der Bärenrunde, zu wandern. Für die Gesamtstrecke fehlte mir leider die Zeit und so suchte ich mir einen Abschnitt für eine Tagestour aus. Die Natur entlang des Weges ist so eindrucksvoll, dass ich alle paar Meter hätte anhalten können – um ein Foto zu machen, um zu genießen. Bald möchte ich zurückkehren, um den gesamten Weg zu wandern. Vielleicht ja auch inklusive Bärenbegegnung.

Lappland ist natürlich viel zu groß, um es auf einer einzigen Reise zu erkunden. Dafür bräuchte man mehrere Wochen. Aber schon einen Teil dieser Ausnahmeregion zu bereisen und kennenzulernen hat in mir eine unglaubliche Zufriedenheit und innere Ruhe geweckt.

Kitkajoki-Fluss

Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion 
outdooractive.com User
Autor
Wiebke Hillen 
Aktualisierung: 31.05.2019

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