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»I Medici«: Die reichen Herren aus Florenz

Reportage • Firenze
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Cosimo de‘ Medici steht am Sterbebett seines Vaters, als er erfährt, dass er als ältester Sohn der Familie die Entscheidungsgewalt über die »Banco Medici« übernehmen soll. Dem besonnenen Cosimo ist sofort bewusst, dass dieses Erbe kein Leichtes ist. Die Familie der Medici steht an einem Scheideweg: Die Mitglieder gelten als politisch unzuverlässig, wirtschaftlich unbedeutend, zerstritten, kriminell und korrupt. Jahrhunderte später wissen wir, dass der bürgerliche Bankierssohn nicht nur die Familie vereinte und die Bank der Medici stark expandierte, sondern auch den Grundstein für eine Dynastie legte, aus der später Adlige, Päpste und Königinnen hervorgehen sollten.

Der clevere Bankier des Papstes

Giovanni di Bicci, Cosimos Vater, ist zum Zeitpunkt seines Todes bereits der zweitreichste Mann in Florenz. Er stammt aus einem eigentlich eher unbedeutenden Zweig der Medici, die dem bürgerlichen Patriziat der Stadt Florenz angehören.

Ortschaft · Firenze

Florenz

Ortschaft Blick auf die Dächer der Florentiner Altstadt
Firenze
Die prächtige Metropole und Landeshauptstadt ist so facettenreich wie stilvoll
von Wolfgang Paulus,  Outdooractive Redaktion

Aber Giovanni ist ein geschickter Mann, der als Bankier des Papstes gute Geschäfte in Rom macht und später in Florenz die »Banco Medici« gründet. Der Bankier ist klug und tritt nur dann politisch in Erscheinung, wenn es absolut notwendig ist. Aber Giovanni erreicht seinen Einfluss nicht nur durch sein Vermögen. Wer sich bei ihm Geld leiht, der schuldet ihm vor allem einen Gefallen. Nach und nach baut sich der Bankier so ein großes Netzwerk aus wirtschaftlichen Abhängigkeiten auf.

Der mächtige Mann im Hintergrund

Cosimo de' Medici (Bronzino)

Sein Sohn Cosimo erbt nicht nur das Vermögen und den Einfluss seines Vaters, sondern vor allem den Argwohn der anderen Patrizierfamilien. Sie stecken nach einem verlustreichen Krieg zwischen Florenz und Lucca in einer tiefen finanziellen Krise und wittern einen Staatsstreich der Medici. Nach einem initiierten Prozess wird Cosimo aus Florenz verbannt. Der clevere Stratege hat das gesamte Vermögen zu diesem Zeitpunkt schon längst nach Venedig transferiert. Erst jetzt macht sich seine wichtigste Tugend bemerkbar: Er wartet geduldig, scheinbar ohne jeglichen Groll und festigt internationale Kontakte. 10 Jahre später, im Jahr 1434, steht Florenz endgültig vor dem finanziellen Ruin und Cosimo darf triumphierend in die Stadt zurückkehren.

Jahrelang hat er auf diesen Moment gewartet und macht sich sofort an die Arbeit. Er verbannt diejenigen, die ihn einst aus Florenz verjagt haben, und besetzt alle wichtigen Ämter mit seinen Verbündeten. Cosimo selbst agiert aus dem Hintergrund und kontrolliert so alle Gremien der Stadt. Florenz ist allem Anschein nach eine Republik, die aber de facto 30 Jahre lang von Cosimo als Patron regiert wird.

Das Zeitalter der Medici

Giovanni di Bicci und Cosimo de‘ Medici sind nur der Anfang eines goldenen florentinischen Zeitalters. Lorenzo de‘ Medici (1449-1492) trägt schon zu Lebzeiten den Beinamen „Il Magnifico“. Der Urenkel Cosimos ist brutaler und obendrein kein geschickter Bankier, fördert aber die schönen Künste und entdeckt den erst 15-jährigen Michelangelo. In den folgenden Jahrzehnten (und trotz eines erneuten Exils) festigen die Medici ihre Macht in Florenz. Mit Leo X., Klemens VII. und Leo XI. besteigen gleich drei Familienmitglieder den Heiligen Stuhl in Rom. Papst Klemens lässt die Stadt Florenz schließlich zurückerobern. Caterina de' Medici (1519-1589) und Maria de' Medici (1575-1642) werden durch ihre Heirat zu Königinnen bzw. Regentinnen von Frankreich ernannt. 

Während Alessandro de‘ Medici in den folgenden Jahrzehnten zum Herzog der Republik Florenz ernannt wird, räumt sein Nachfolger Cosimo I. rücksichtslos auf und wird zum Großherzog der Toskana erhoben. Damit sind die Medici nun vollends die Herrscher der Toskana und regieren diese bis 1737. Sie fördern Künstler, Philosophen und Wissenschaftler wie Leonardo da Vinci, Michelangelo und Galileo Galilei. 

Die Perfektionierung des Mäzenatentums schauen sich jedoch alle Nachfolger bei Cosimo de‘ Medici ab. Durch die öffentliche Unterstützung von Kunst und Wissenschaft, beeinflusst der Patron gezielt die öffentliche Meinung und stärkt dabei spielerisch seine eigene Position. Er und seine zahlreichen Nachkommen bauen Paläste, Akademien, Villen und Klöster. Unter den Medici wird die Toskana zum Kernland der Renaissance und Florenz zu ihrem Zentrum. Die Medici vollbringen damit das Kunststück, dass sie nicht nur den Zeitgenossen im Gedächtnis bleiben, sondern auch der Nachwelt. Auch Jahrhunderte nach der Herrschaft der Medici sind sie unwiderruflich mit Florenz verbunden.


Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion
outdooractive.com User
Autor
Cathrina Maria Beckers
Aktualisierung: 05.02.2019

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