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Wander-Festival im Nationalpark Berchtesgaden

Reisebericht · Berchtesgadener Land
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Es blitzt, es donnert, es hagelt und eine Gruppe Langzeitwanderer befindet sich genau in der Steilstufe zum Gipfel. Diese beginnt auf ungefähr 2000 m Höhe und führt durch felsdurchsetztes Gelände auf das Hocheck, eine 2651 m hohe Erhebung im Watzmann-Massiv in den Berchtesgadener Alpen.

So schnell sie können, treten die Wanderer den Rückzug an. Dabei müssen sie sich auf jeden Tritt konzentrieren. Ein Ausrutscher wäre fatal, denn der Grat ist schmal, der Fels tückisch und der Abhang steil. Auch über uns bricht das von Bergsteigern am meisten gefürchtete Wetter herein – ein Gewitter mit Blitz und Donner, Hagel und Lawinenabgängen.

Wie bin ich hierher gekommen?

Wanderung Der eindrucksvolle Watzmann hoch über dem Berchtesgadener Land
15.07.2019
schwer
30,1 km
10:00 h
1428 hm
1428 hm
von Sandra Freudenberg,  Outdooractive Redaktion

Um 7:45 Uhr treten rund 50 Wanderer und zwei Hunde ihr kleines Abenteuer im Ortskern von Berchtesgaden an.

Ich gehöre zur Gruppe derer, die zwölf Stunden lang ununterbrochen wandern möchten; zwei andere Gruppen gehen tatsächlich 24 Stunden und überwinden dabei mehr als 2800 Höhenmeter.

Der Startschuss zum Wander-Event von Biolectra & Grassl fällt, die Trittfrequenz ist hoch. „Das ist auf jeden Fall zu schnell für mich“, denke ich irritiert. 

Dass wir uns dem Königsssee und anschließend dem Gebirgsstock des Watzmanns annähern, gefällt mir hingegen sehr. Es ist ja ganz einfach: Wer sich ohne Hilfe seinem Ziel nähert, vollbringt eine größere Leistung. Wie früher die Münchner Bergsteiger, die sich mit dem Radl auf den Weg zu ihren großen Zielen gemacht haben: aus eigener Kraft zum Berg. 

Wandern zwischen Berchtesgaden und dem Königssee

Meine Euphorie erhält bald einen Dämpfer. Denn meine Trinkflasche ist leer – ich habe vergessen, sie aufzufüllen. Beklommen versuche ich, mein Missgeschick zu verbergen und sinne verzweifelt nach Ausreden für einen frühen Ausstieg aus der Tour nach: möglichst am Königssee. Dort könnte ich Boot fahren und im Wasser planschen. Am See angekommen, erhalten wir aber unsere erste Verpflegung und ich lade mir Wasser in den Rucksack. 

Wir erreichen die ersten Steigungen und gehen endlich im Bergsteiger- und nicht mehr im Nordic-Walking-Tempo: schnurgerade bergan, stoisch von Kehre zu Kehre. Der Wald hat die Bäume hier zu hohen Stämmen erzogen, aber deren Schatten spendet keine Kühle. Es ist heiß, dampfig und andauernd steil. Die Gruppe zieht sich auseinander und ich bin jetzt vorne mit dabei, bergauf liegt mir nun mal.

Bewirtschaftete Hütte · Berchtesgadener Alpen

Die Kühroint-Alm am Watzmann

Höhe: 1407 m
Berchtesgadener Land

Auch wenn viele unter uns Läufer sind, das Bergwandern fordert. Die Pause und die Verpflegung auf der Kühroint-Hütte tun gut.

Gerade genießen wir die Sonne, da stürmen die 24-Stunden-Wanderer herbei. Ihr Tempo ist weit höher und ihre Pause reicht nur knapp zum Pinkeln. Uns packt der Ehrgeiz. Denn wir erkennen bereits unseren Wendepunkt, das Watzmannhaus. 

Ludwig Ganghofer ließ sich von den Felswänden des Watzmann-Massivs zu sieben Bergromanen, den „Watzmannkindern“, inspirieren. Über Berchtesgaden schrieb Ganghofer: „Herr, wen du lieb hast, den lässest du fallen in dieses Land“.

Fallen könnte man an einigen Stellen des Steiges, der sich unordentlich windet, wirklich.

Doch welche Vielfalt an Pflanzen und Aromen versüßen uns den Weg! Und wir gehen auch kaum bergauf. Richtig steil und felsig wird es erst beim Aufstieg zur Falzalm. Nonchalant nimmt die gesamte Gruppe die Kletterstellen in Angriff. Überhaupt ist die Stimmung unter uns kameradschaftlich und wohlwollend. 

Bewirtschaftete Hütte · Berchtesgadener Alpen

Das Watzmannhaus

Höhe: 1917 m
Berchtesgadener Land

Es hat sich herausgestellt, dass einige mit dem Veranstalter „24h-Trophy“ schon eine Vielzahl an 12- und 24-Stunden-Wanderungen unternommen haben und sich daher zuversichtlich auf das Erlebnis konzentrieren; sorglos und voller Wertschätzung für die Organisation.

Kein Wettbewerb sorgt für Spannung, im Gegenteil: Das Gefühl von Gemeinschaft ist bei mir so stark wie bei einem Festival-Konzert. Fast möchte ich jubelnd meinen Mitwanderern um den Hals fallen, als wir den höchsten Punkt, das Watzmannhaus auf dem Falzkopf, erreichen. 

Magnesium von Biolectra

Endlich oben angekommen nehme ich ein Magnesium von Biolectra ein. Denn ich möchte im Abstieg keine Wadenkrämpfe bekommen. Diese Praxis habe ich mir bereits während der Vorbereitungszeit angewöhnt.

Da ich eigentlich die Teilnahme an der 24-Stunden-Wanderung plante, wanderte ich Umfänge von zunächst vier, dann neun und später auch zwölf Stunden. Pro Woche kamen so zehn bis 14 Stunden Wandern zusammen. Als ich kurz vor der 24-Stunden-Wanderung eine Erkältung bekam, entschied ich mich aber, auf zwölf Stunden zu reduzieren.

Als wir nach einer Stärkung im Watzmannhaus wieder starten, sorgen Blitz und Donner über dem Gipfel des Hocheck für fetzige Stimmung. Mit beiden Händen klammere ich mich an das Drahtseil am Fels, unser Weg hat sich in einen stürzenden Bach verwandelt.

 

Zum Glück mit guter Regenausrüstung

Erneut gleißt ein Blitz auf und es donnert zugleich. Verstohlen sehe ich mich nach jemandem um, der größer ist als ich – um ihn als Blitzableiter benutzen zu können. Zwei Frauen aus Cottbus erfüllen das Kriterium eindeutig. Ich pirsche mich an und verhalte mich unauffällig.

Die Mädels aus Cottbus tragen schöne Tätowierungen an den Waden, Kopftücher und einen großen Rucksack. Später wird sich zeigen: Es befindet sich Dosenbier darin. Die beiden singen: „Wandern, wandern im Rehegen!“

Seelenruhe an Abgründen

Ihre Unerschütterlichkeit und ihre Freude am Erlebnis vertreiben meine Sorgen. Der Himmel lässt ein letztes Donnerwetter über uns einhergehen; ein Schneefeld bricht tosend über den Fels ins Watzmannkar. Dann zieht das Gewitter ab, der Regen bleibt.

Als wir an der Mitterkaseralm ankommen, stelle ich mir die Behaglichkeit darin vor. Doch ich muss gehen. Wir sind eine Gemeinschaft, die wandert, und ich fühle mich wohl, dabei zu sein. Es macht einfach Freude, die Eindrücke mit anderen zu teilen.

Im Nationalpark Berchtesgaden darf die Natur wild sein – nicht nur schön. Der Wald hier an der Koppenwand ist dicht, voller Gestrüpp und Unterholz. Er wirkt auf mich geheimnisvoll und ich stelle mir vor, dass mich aus seinen Tiefen viele Tiere beobachten.

Wie der Wille, so der Weg

Wenn ich an Laufwettbewerben teilnehme, möchte ich mich selbst überbieten und erst recht die Konkurrenz. Das trägt nicht gerade zu Gelassenheit und innerem Frieden bei. 

Bei der „Biolectra 24h-Trophy“ ist die Atmosphäre anders. Es geht einzig und allein um das gemeinsame Wandern. Irgendwann im Laufe der zwölf Stunden komme ich an den Punkt, wo ich einfach nur noch laufe. Ich denke an nichts und verfolge keine besondere Absicht. Ich spüre einfach mal die Leere. Meinen Weggefährten geht es ähnlich. Schweigend erreichen wir die letzte Verpflegungsstelle, die uns mit Sekt und Schokoladenkeksen aus unserer Trance reißt.

 

Herrliche Kulisse am Watzmann

Der „Mann mit dem Hammer“ – also der Moment, in dem auf einen Schlag Körper und Geist schlappmachen – wartet nun auf mich. Der letzte Streckenabschnitt entlang der Ramsauer Ache scheint mir so lang wie ein Meeting mit 25 Individualisten. Ich will jetzt nur noch ankommen. Da bremst uns unser Guide tatsächlich aus: an der letzten roten Ampel in Berchtesgaden. Ich könnte ausflippen und überlege, jetzt hier abzubiegen. Meine Unterkunft, die Dusche und meine Schlappen befinden sich nur 100 m von mir entfernt.

Dann aber trifft die zweite Truppe 12-Stunden-Wanderer auf uns. Musik schallt vom Weihnachtsschützenplatz herüber. Wir werden gefeiert wie die Schützenkönige! Es ist herrlich! Wir werden noch gemeinsam essen, tanzen und singen und unsere Freude am Wandern feiern. Eine Wanderung kann ein Event sein, so wie ein Konzert. Manchmal hören wir die Musik alleine, und manchmal hören wir sie gern in Gemeinschaft. So ist das auch mit dem Wandern.

Über die Biolectra Trophy

Wer das ultimative Wandererlebnis selbst ausprobieren möchte, findet noch 2019 eine Reihe von weiteren Veranstaltungen in den Alpen und den Mittelgebirgen. 2020 wird die 24h-Trophy zum 10. Mal nach Berchtesgaden zurückkehren und sicher ein ganz besonderes Erlebnis werden.

Einzigartiges Wandererlebnis bei der „Biolectra 24h Trophy“

Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion 
outdooractive.com User
Autor
Sandra Freudenberg
Aktualisierung: 18.07.2019

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