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Wie Arminius die Römer im Teutoburger Wald besiegte

Reportage
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„Als die Römer frech geworden, zogen sie in Deutschlands Norden” – einigen ist der Text dieses satirischen Volksliedes bestimmt noch geläufig. Die römischen Truppen zogen im Laufe ihrer Eroberungen auch im heutigen Norden Deutschlands ein, um diese Regionen in ihren Besitz zu bringen. Doch einen Verteidiger hatten sie nicht einberechnet: Arminius.

Die Schlacht im Teutoburger Wald

Im Jahr 9 n. Chr. kamen drei römische Legionen unter der Führung von Publius Quinctilius Varus in Deutschlands Norden. Varus sollte im Auftrag des Kaisers Augustus die germanischen Stämme unterwerfen und Tribute von ihnen einfordern. Während viele Bewohner der Gegend dem neuen Befehlshaber feindlich gegenüber standen, hatte er auch einige Verbündete unter den Germanen. Arminius der Cherusker zählte jedoch nicht dazu. Er lockte die römischen Legionen in einen Hinterhalt. Die zahlenmäßig weit unterlegenen Germanen nutzten ihre Kenntnisse der Gegend aus, bauten Schutzwälle und nutzten den Überraschungsmoment. Die Römer wurden in die tiefen, dichten Wälder und Moorlandschaften geführt und konnten ihre gewohnten Formationen nicht einhalten. So waren sie dem Feind schutzlos ausgeliefert und wurden beinahe komplett vernichtet. Varus nahm sich selbst das Leben, um einer Gefangenschaft zu entgehen.

Heino - Als die Römer frech geworden (HQ)

Jahrelange Suche nach dem wahren Ort der Schlacht

Kalkriese bei Bramsche im Osnabrücker Land gilt heute als der Ort, an dem die Varusschlacht oder Schlacht im Teutoburger Wald vor über 2000 Jahren stattfand. Eine große Parkanlage mit Museum, Themenpavillons, angelegten Wegen und zahlreichen Ausstellungen sowie Veranstaltungen bringt Besuchern die Geschehnisse der Schlacht nahe.

Historische Stätte Die Varus-Schlacht: Alle zwei Jahre finden die Römer- und Germanentage statt
Osnabrücker Land
geöffnet
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von Sabine Böhme,  Natur- und Geopark TERRA.vita

Über Jahrhunderte hinweg war jedoch unklar, wo der Kampf stattgefunden hatte. Zahlreiche Theorien wurden aufgestellt und wieder verworfen. Bereits im 11. Jahrhundert wurden die ersten Versuche unternommen, den Ort der legendären Schlacht zwischen Römern und Germanen ausfindig zu machen. Für einige Zeit wurde die Region um Augsburg als „Tatort” gehandelt. Auch Frankfurt und Mainz waren kurz im Gespräch, wurden jedoch schnell als falsches Gebiet abgetan.

Mit der Wiederentdeckung der Schriften des Tacitus im 16. Jahrhundert, wurde der Ort der Schlacht als „saltus teutoburgiensis”, also Teutoburger Wald benannt. Eine genauere Lokalisierung war jedoch nicht gegeben. Ab dem 17. Jahrhundert wurden im Osnabrücker Raum vermehrt römische Münzen gefunden, aber es blieben weiterhin nur Theorien, die die Schlacht auf den einen oder anderen Punkt festlegten.

Erst in den 1980er Jahren entdeckte der Engländer Tony Clunn mithilfe eines Metalldetektors neben Silbermünzen auch römische Schleuderbeile bei Kalkriese. Diese Fundstücke waren der erste Beleg für den Aufenthalt römischer Truppen in diesem Gebiet. Schon bald begannen die Ausgrabungen am Kalkrieser Berg und werden bis heute fortgeführt. Immer neue Funde bringen etwas mehr Licht in die Begebenheiten der antiken Schlacht.

Der Held Arminius

Arminius, der germanische Held der Schlacht im Teutoburger Wald, gibt Forschern bis heute Rätsel auf. Denn viel ist nicht bekannt über den Cheruskerfürsten. Seine Jugendjahre verbrachte er in Rom, erhielt eine Ausbildung im römischen Militär und nahm wahrscheinlich auch an Feldzügen teil. Dies war auch der Grund, warum es ihm gelang, die Römer zu schlagen: Er kannte ihre Stärken und Schwächen und konnte dieses Wissen gegen sie verwenden. Warum Arminius, der jahrelang Seite an Seite mit den Römern gekämpft und gelebt hatte, sich letztendlich wieder gegen sie wandte, ist nicht bekannt. Nach seiner Rückkehr nach Germanien gewann er allerdings schnell das Vertrauen des befehlshabenden Varus, der wiederum alle Warnungen vor einem germanischen Aufstand ignorierte, und konnte ihn deshalb leicht in einen Hinterhalt locken.

Denkmal · Teutoburger Wald

Hermannsdenkmal

Denkmal Hermannsdenkmal
Teutoburger Wald
Das Wahrzeichen des Teutoburger Waldes
Stadt Detmold Tourist Information

Im Laufe der Geschichte wurde Arminius – der wahrscheinlich von Martin Luther als Hermann benannt wurde – zu einem Helden stilisiert und als Befreier von fremder Herrschaft betrachtet. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ihm ein Denkmal gesetzt, das sich seitdem mit über 50 Metern auf der Grotenburg in Hiddesen erhebt. Als Ausdruck eines erstarkenden nationalen Bewusstseins errichtet, wird das Hermannsdenkmal bei Detmold jährlich von mehreren hunderttausend Besuchern bestaunt.

Übrigens: Deutsche Auswanderer bauten das Hermannsdenkmal in New Ulm, Minnesota nach. Mit dem Ziel, die deutsche Sprache und Kultur auch in Amerika zu erhalten, wurde der „kleine Bruder” des großen Denkmals in Detmold Ende des 19. Jahrhunderts eingeweiht.


Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion
outdooractive.com User
Autor
Wiebke Hillen 
Aktualisierung: 08.01.2019

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