Reiseführer Radrouten

Radfahren

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Radfahren ist eine unglaublich vielseitige Aktivität – denn ein Fahrrad ist Fortbewegungsmittel und Sportgerät in einem. Egal ob ihr einen gemütlichen Ausflug mit dem Tourenrad unternehmt, euch mit dem Rennrad steile Passstraßen hinaufkämpft oder mit dem Mountainbike über flowige Trails und durch unwegsames Gelände brettert.

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Die Geschichte des Radfahrens

Der Vater unserer modernen Fahrräder ist der deutsche Erfinder Karl von Drais. 1817 fertigte er den ersten Prototyp seines zweirädrigen Fortbewegungsmittels an – der nach ihm benannten „Draisine“.

Rund 50 Jahre später entwickelte der Franzose Pierre Michaux das Veloziped, an dessen Vorderrad ein Pedalantrieb angebracht war. Daraufhin folgten zunächst das Hochrad, welches eine große Sturzgefahr barg, und später das Niederrad mit Kettenantrieb am Hinterrad und Luftreifen. 

Laufmaschine nach Karl Drais, 1817
Laufmaschine nach Karl Drais, 1817
Foto: Arnaud 25, CC BY-SA, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26827420

Verschiedene Fahrradtypen – eine Auswahl

  • Tourenräder sind die Allrounder unter den Fahrrädern. Während sich die etwas stabileren Versionen für den Einsatz in der Stadt eignen (Citybikes), sind die leichter gebauten optimal für den Einsatz bei längeren Radtouren (Trekkingbikes). Auf einem Tourenrad sitzt man nahezu aufrecht, der Sattel ist gut gepolstert. Dank des stabilen Gepäckträgers können beidseitig Satteltaschen angebracht werden. Gerade im Stadtverkehr sind auch Körbe auf dem Gepäckträger bzw. am Lenker beliebt.

  • Rennräder überzeugen Sportler durch eine leichte Bauweise und dünne Reifen für weniger Reibungswiderstand. Sie sind nur für den Einsatz auf asphaltierten Wegen geeignet.

  • Mountainbikes sind bestens für den Einsatz im Gelände geeignet. Während Hardtail-Mountainbikes nur über eine gefederte Vordergabel verfügen, sind bei Full-Suspension-Bikes (Fully) beide Reifen gefedert.
Mountainbike Hardtail
Mountainbike Hardtail
Foto: CC0, pixabay.com
  • Das E-Bike kann sowohl mit Muskelkraft als auch mittels eines Elektromotors betrieben werden. Beide Systeme können voneinander unabhängig gebraucht werden. Mit einigen E-Bike-Modellen können Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h erreicht werden, für diese braucht man einen Führerschein. Beim Pedelec wir die Muskelkraft des Radfahrers mit einem leistungsstarken Elektromotor kombiniert. Der Motor springt also im Gegensatz zum E-Bike erst dann an, wenn gleichzeitig in die Pedale getreten wird.

  • Reiseräder sind – wie der Name schon sagt – für längere Reisen konzipiert. Sie stellen hohe Ansprüche an Stabilität und Belastbarkeit, denn auch mit Gepäck jenseits der 50 kg muss noch sicher gefahren und vor allem gebremst werden können.

Der Aufbau eines Fahrrads

Der Aufbau eines modernen Fahrrads
Der Aufbau eines modernen Fahrrads
Foto: CC BY-SA, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3538762

Das optimale Rad für jede Körpergröße

  • 18 Zoll für 112 bis 125 cm Körpergröße
  • 20 Zoll für 125 bis 140 cm Körpergröße
  • 24 Zoll für 140 bis 160 cm Körpergröße
  • 26 Zoll ab 160 cm Körpergröße
  • 28 Zoll ab 170 cm Körpergröße
Kinder auf Fahrrädern
Kinder auf Fahrrädern
Foto: pixabay.com

Die richtige Ausrüstung

Egal, ob man auf seinem Rad zweckmäßig unterwegs ist oder sportlich – einen Ausrüstungsgegenstand sollten alle Fahrradfahrer immer anhaben: ihren Helm. Denn dieser kann im Ernstfall Leben retten. Andere Ausrüstungsgegenstände unterscheiden sich danach, wie und wo man mit seinem Rad unterwegs ist.

 

Folgendes Werkzeug sollte für den Fall einer Panne immer mit an Bord sein:

  • Minipumpe oder CO2-Pumpe inkl. Kartuschen
  • Flickzeug
  • Ersatzschlauch
  • drei Reifenheber
  • ein Satz Inbusschlüssel
  • Mini-Kettennieter
  • evtl. Pannenspray

 

Ist das Fahrrad im Straßenverkehr unterwegs, muss es laut der deutschen Straßenverkehrszulassungsordnung folgende Kriterien erfüllen:

  • zwei voneinander unabhängige Bremsen
  • eine helltönende Glocke
  • ein weißer Scheinwerfer, ein rotes Schlusslicht (müssen ständig betriebsbereit sein)
  • gelbe Rückstrahler an den Pedalen und Katzenaugen in den Speichen
Das verkehrssichere Fahrrad benötigt eine helltönige Klingel.
Das verkehrssichere Fahrrad benötigt eine helltönige Klingel.
Foto: pixabay.com

Nutzt man sein Fahrrad sportlich, so sind folgende Dinge von Vorteil: 

  • (wetterfeste) Radbekleidung
  • Handschuhe
  • eventuell Klick-Schuhe für Klick-Pedale
  • Trinkflasche und ausreichend Flüssigkeit
  • Werkzeug
  • Handy
  • Erste-Hilfe-Set
  • Rucksack (mit Regenhülle) für weitere Ausrüstung
  • Verpflegung wie Müsli-Riegel, Obst, Schokolade
  • Sonnencreme
  • eventuell GPS-Gerät mit Track, Karte, Kompass
  • eventuelle Extra-Ausrüstung für Mountainbiker bzw. Downhill-Fahrer: Vollvisier-Helm, Ellenbogen-/Knieschützer und Rückenprotektor 

Training für Radfahrer

Radfahren hält fit! Angefangen vom Herz-Kreislaufsystem bis hin zu Muskulatur und Gelenken – Bewegung auf dem Rad ist ein Gesundheits-Rundumpaket.

Regelmäßiges Radfahren verringert das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen um das 20-fache, denn es bringt Blutkreislauf und Schlagleistung auf Trab und lässt das Blutvolumen größer werden. Auch Cholesterin, das unsere Adern verkalkt, wird abgebaut. Gleichzeitig wird die Lunge durch die Bewegung regelmäßig mit frischem Sauerstoff gefüllt und die Atemmuskulatur profitiert ebenfalls.

Für die Gelenke, die bei diesem Sport ohne große Belastung bewegt werden, reichen schon kurze Intervalle, um ihre Knorpel mit Sauerstoff zu versorgen. Und auch die Muskeln danken bereits Fahrten auf kurzen Radrouten. Trainiert werden beim Radeln beinahe alle Muskelpartien: vor allem natürlich die Beinmuskulatur durch das Treten, aber auch Bauch-, Rücken-, Arm- und Schultermuskulatur werden beansprucht.

Regelmäßiges Radfahren verbraucht bis zu fünf Kalorien pro Minute. Für einen positiven Effekt bezüglich des Fettstoffwechsels sind längere Belastungszeiten (ab 45 Minuten im Sattel) effektiver als schnelles Radfahren. Nicht zuletzt stärkt Radfahren die Psyche und mindert das Krebsrisiko.

 

Wie trainiert man richtig?

  • Ausdauer aufbauen: Nicht kurze Runden in schnellem Tempo, sondern längere Etappen fördern die Ausdauer. Dabei sollte man sich nicht an seiner Belastungsgrenze bewegen, sondern zu jeder Zeit in der Lage sein, sich zu unterhalten. Eine Richtlinie ist dabei die Herzfrequenz – bis zu 75 Prozent der maximalen Frequenz sind förderlich, mehr überreizt den Körper.

  • Trittfrequenz: An ihr kann man sich orientieren, um den Körper gleichmäßig zu belasten und so auch positiv auf das Herz-Kreislauf-System einzuwirken. Wer pro Minute auf 80-90 Tritte kommt, radelt am effektivsten.

  • Intensive Intervalle: Diese ein- bis zweiminütigen Einschübe an der persönlichen Belastungsgrenze sind die ideale Ergänzung für das Ausdauertraining.

  • Regelmäßiges Training: Vor allem regelmäßiges Training ist wichtig und bringt die besten Effekte. Drei bis vier Einheiten die Woche, jeweils 60 Minuten, dürften kein Problem darstellen. Wer mehr trainiert, sollte folgende Faustformel beachten: Je härter das Training war, desto länger braucht der Körper für die Regeneration. Danach ist er jedoch über den vorherigen Leistungsstatus hinaus erholt.
Radfahrer auf einer asphaltierten Straße
Radfahrer auf einer asphaltierten Straße
Foto: CC0, pixabay.com

Radgerecht essen und trinken

Während des Trainings sind drei Bausteine besonders wichtig für den Körper: Kohlenhydrate, Wasser und Salz.

Kohlenhydrate sind der Energielieferant Nummer eins. Sie stecken in belegten Brötchen, in bestimmten Früchten (z. B. Bananen, Datteln) oder in Müsliriegeln. Der maximale Wert für die Aufnahme von Kohlenhydraten ist 80 g pro Stunde – mehr kann der Körper nicht verwerten. 

Wasser sorgt dafür, dass die aus den Kohlenhydraten gewonnenen Nährstoffe schnell in die Körperzellen gelangen. Außerdem fördert Wasser die Schweißproduktion und kühlt damit den Körper. Salz hilft dem Körper, Flüssigkeit zu binden und Krämpfen vorzubeugen.

Die im Sport weit verbreiteten isotonischen Getränke vereinen Kohlenhydrate, Wasser und Salz in einem Drink. Sie sind jedoch vor allem für Leistungssportler geeignet – im Freizeitbereich sind Wasser und stark verdünnte Fruchtsäfte die bessere Alternative. Um den körpereigenen Speicher nach der Trainingseinheit wieder aufzufüllen, kann man außerdem zu einem Glas Kakao greifen: Das liefert Eiweiß, Kohlenhydrate und die wichtigsten Aminosäuren.

Radfahrer an einem Marktstand
Radfahrer an einem Marktstand
Foto: Outdooractive Redaktion

Radfahren mit Hund

Ein Hund am Rad braucht Übung.
Ein Hund am Rad braucht Übung.
Foto: Parker Knight, CC BY, flickr.com

Wer nicht nur sich, sondern auch seinen Vierbeiner fit halten möchte, kann das Ausgehen mit dem Hund nicht nur mit Sportarten wie Joggen oder Wandern kombinieren, sondern auch mit dem Radfahren. Werden dabei einige Aspekte beachtet, haben sowohl Herrchen als auch Hund viel Spaß an ihren gemeinsamen Ausflügen.

Das Gelenk- und Knochengerüst der Tiere muss ausgewachsen und damit voll belastbar sein. Das ist – je nach Rasse – etwa in einem Alter von eineinhalb bis zwei Jahren der Fall. Zu alte Hunde und Hunde mit Gelenkproblemen sollten ebenfalls nicht auf Radtouren mitgenommen werden. 

Der Untergrund sollte möglichst nicht aus Asphalt oder Kies besteht, denn das schadet den Pfoten der Tiere. Außerdem sollte man Straßen meiden, denn die Abgase erschweren den Vierbeinern das Atmen.

Die ersten Runden mit Hund und Rad sollten nicht zu lang sein und nicht zu schnell gefahren werden, denn Hunde überschätzen sich gern. Wie sein Herrchen muss auch der Hund erst einmal eine gewisse Kondition aufbauen, um längere Strecken neben dem Bike ohne Probleme durchhalten zu können. 

Außerdem müssen die vierbeinigen Fahrrad-Neulinge langsam an das Sportgerät an ihrer Seite gewöhnt werden. Am besten nimmt man das Rad beim Gassi-Gehen zunächst ein paar Mal mit und schiebt es nebenher. So gewöhnt sich der Hund daran und nach ein paar Übungsrunden sollte die erste Fahrt kein Problem mehr darstellen. Am besten ist das Rad-Hund-Gespann ausgestattet, wenn der Hund kein Halsband, sondern ein Brustgeschirr trägt. Die Leine kann mit einem sogenannten „Dogrunner“ am Fahrradrahmen befestigt werden, damit der Radfahrer beide Hände frei hat.

Verkehrsregeln für Radfahrer

Obwohl man zum Radfahren keinen Führerschein benötigt, muss man sich dennoch an die gültigen Verkehrsregeln halten – andernfalls drohen Bußgelder und sogar Punkte in Flensburg.

Kennzeichnung eines Radwegs
Kennzeichnung eines Radwegs
Foto: CC0, pixabay.com

Auf dem Gehweg, auf dem Radweg oder auf der Straße?

Entscheidend für die Antwort auf diese Frage ist die sogenannte Radwegebenutzungspflicht. Sie besagt, dass Radfahrer einen vorhandenen Radweg nutzen müssen, sobald dieser mit einem Schild gekennzeichnet ist, das ein weißes Rad auf blauem Grund zeigt.

Fehlt dieses Schild – oder ist die Benutzung des Radwegs durch parkende Fahrzeuge, Schnee, etc. eingeschränkt – dürfen Radfahrer auf die Straße ausweichen. In vielen Fällen ist das Fahren auf der Straße sogar sinnvoll, weil Radfahrer dort besser gesehen werden. Deswegen verzichten viele Städte und Gemeinden mittlerweile auf die Radwegebenutzungspflicht.

Radfahrer benutzen immer die rechte Fahrbahnseite – und damit auch den rechts von der Fahrbahn verlaufenden Radweg. Vorsicht: innerhalb von Städten dürfen Radwege meist nur einseitig befahren werden.

Auf dem Gehweg dürfen nur Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr fahren. Beim Überqueren einer Straße – egal ob an der Ampel oder am Zebrastreifen – müssen sie absteigen. Manche Gehwege sind für die Benutzung durch Radfahrer freigegeben. Aber Achtung: Radfahrer müssen sich dort an die Geschwindigkeit der Fußgänger anpassen, Fußgänger haben Vorfahrt.

Fahrradstraße

Fahrradstraßen sind – wie der Name schon sagt – speziell für Radfahrer konstruierte Verkehrswege in einer Stadt. Im Gegensatz zum restlichen Verkehrsnetz gelten auf Fahrradstraßen besondere Bedingungen für Radfahrer, sogar nebeneinander zu fahren ist dort erlaubt.

Fahrradstraßen sind zwar teilweise für den motorisierten Verkehr freigegeben, dennoch haben Radfahrer dort stets Vorrang. Kraftfahrzeuge müssen sich deren Geschwindigkeit anpassen.

In der Kolonne dürfen Radfahrer nebeneinander fahren.
In der Kolonne dürfen Radfahrer nebeneinander fahren.
Foto: CC0, pixabay.com

Dürfen Radfahrer nebeneinander fahren?

Ja – solange sie andere Verkehrsteilnehmer damit nicht behindern. Dies ist beispielsweise in verkehrsberuhigten Bereichen meist der Fall, da Autofahrer ohnehin nicht schneller fahren dürften.

Liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung einer Straße bei über 30 km/h muss es überholenden und entgegenkommenden Kraftfahrzeugen möglich sein, einen Abstand von mindestens 1,50 m zu den Radfahrern zu wahren. Kann dieser Abstand aufgrund der Fahrbahnbreite nicht eingehalten werden, müssen Radfahrer hintereinander fahren. Auch wenn es sich um eine viel befahrene Straße handelt, würden nebeneinander fahrende Radfahrer den Verkehr unnötig behindern.

Ausnahme von dieser Regel bildet der sogenannte „geschlossene Verband“. In einer Gruppe von mehr als 15 Radfahren darf jeweils zu zweit nebeneinander gefahren werden. Eine zweite Ausnahme bilden die Fahrradstraßen.

Schneller unterwegs mit Carbon & Co.?

Der Mythos, dass ein leichterer Radfahrer auf einem leichten Rad schneller unterwegs ist, stimmt nur teilweise. Es ist richtig, dass das Gewicht die Fahrleistung beeinflusst. Aber es kommt immer darauf an, ob man bergauf, bergab oder auf einer Strecke ohne Steigung radelt.

Bergab ist ein größeres Gewicht sogar von Vorteil, weil es dem Luftwiderstand, der den Fahrer bremst, mehr entgegensetzen kann. Im Flachen fungiert der Luftwiderstand ebenfalls als Bremse. Dabei hängt es von der Angriffsfläche des Radlers und dessen Bike ab, wie stark er gebremst wird. Hier hilft ein leichtes Rad zwar wenig, aber eine schmalere Körperform kann ein paar Sekunden gut machen. Auf eine wirklich relevante Zeitersparnis kann man aber mit einem ultraleichten Rad oder weniger Kilos Körpergewicht nicht hoffen. Laut einer Studie machen 3 kg weniger auf eine flache Strecke von 40 km zwischen 5 und 25 Sekunden aus.

Erst am Berg bemerkt man die Kilos deutlicher, denn hier muss gegen das Gewicht in die Pedale getreten werden, das nach unten zieht. Hier kann ein Sportler auf einer 20 km Strecke mit einer dreiprozentigen Steigung bis zu 94 Sekunden Zeitgewinn gegenüber einem drei Kilo schwereren Gegner herausholen.