Reiseführer Wandern Pilgerwege
Pilger bei ihrer Ankunft in Santiago de Compostela

Pilgerwege

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Wallfahrt und Pilgerschaft sind die wohl ursprünglichste Form des Wanderns. Lange bevor Menschen gezielt Wanderungen unternahmen oder ihre Freizeit in der Natur verbrachten, suchten sie weit entfernte religiöse Orte auf – um zu danken, zu büßen oder Hilfe zu erbitten. Gerade in säkularisierten Gesellschaften wird Pilgern heute eher als eine Art Wandern verstanden und liegt spätestens seit dem Erscheinen des Buches „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling stark im Trend.

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Was bedeutet „pilgern”?

Was unterscheidet einen Fernwanderweg von einem Pilgerweg? Eigentlich ist die Antwort auf diese Frage recht simpel.

Am Ende der Strecke wartet auf die Pilger ein religiöser Ort, wie zum Beispiel eine Kirche, ein Tempel, eine Opferstätte oder eine Reliquie. Und nicht nur das Ziel ist von Bedeutung, auch der Weg dorthin wird durch Gebete und das Tragen religiöser Zeichen zelebriert.

Bei vielen Pilgern stehen auch heute noch religiöse Gründe im Vordergrund. Doch die Zahl derer, die sich Zeit und Raum für sich selbst nehmen, neue Kulturen entdecken und Menschen kennenlernen möchten oder einfach auf der Suche nach einem fordernden Outdoorerlebnis sind, steigt gleichzeitig immer mehr an.

Eines der bekanntesten Pilgerziele: Santiago de Compostela
Foto: CC0, pixabay.com

Die Geschichte des Pilgerns…

…ist wohl genauso lang wie die Geschichte der Menschheit selbst. Schon in der Antike pilgerten die Menschen zu heiligen Stätten wie dem Orakel von Delphi oder dem Tempel der Artemis.

Die frühen Christen machten sich etwa ab dem 4. Jahrhundert auf nach Jerusalem, wo angeblich die Kreuzreliquien gefunden wurden und wenig später auch nach Rom zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus.

Im Mittelalter war Santiago de Compostela das vornehmliche Pilgerziel Europas, nachdem man dort um 820 das vermeintliche Grab des Heiligen Jakob gefunden hatte.

Und auch die Route nach Jerusalem weitete sich immer weiter aus, als die Kreuzfahrer – die sich als bewaffnete Pilger verstanden – ins Heilige Land zogen.

Als Pilger der etwas anderen Art kann man die englischen Puritaner („Pilgerväter“) bezeichnen, die im Jahre 1620 nach Amerika segelten, um dort eine Kolonie zu gründen, in der sie endlich die ersehnte Glaubensfreiheit praktizieren konnten.

Pilgern im Christentum

Die Pilgerschaft im Christentum kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Dementsprechend groß ist auch die Zahl an Bräuchen rund um die Wallfahrt.

Zu Beginn steht meistens ein Aussendungsgottesdienst, in dem die Pilger den Segen für die bevorstehende Reise empfangen. Bis zum 13. Jahrhundert wurde die Pilgerreise nach Santiago de Compostela durch eine Muschel beglaubigt, die fortan am Hut getragen wurde.

Heutzutage erhalten die Pilger am Ziel eine Urkunde – die Pilgermuschel gilt aber weiterhin als Erkennungszeichen.

Jakobspilgerin mit Muschel am Rucksack
Foto: CC0, pixabay.com

Pilgern in anderen Religionen

Pilgerwege gibt es eigentlich in fast jeder religiösen Glaubensrichtung – auch wenn viele kaum touristisch erschlossen sind und fast ausschließlich von Geistlichen und einheimischen Pilgern begangen werden. So kommen zum Beispiel jeden Sommer bei Vollmond dutzende Schamanen auf dem 3800 m hohen Kalinchok zusammen, um die Rückkehr der Götter zu feiern und ihnen Tieropfer darzubringen.

Wesentlich bekannter sind die großen Pilgerziele des Islams: Mekka und Medina. Eine der fünf Säulen, auf denen die Religion basiert, ist der Haddsch, demzufolge ein gläubiger Muslim einmal in seinem Leben zur Kaaba in Mekka pilgern muss. Die Reise wird oft mit der Wallfahrt zum Grab Mohammeds in Medina verbunden.

Im Buddhismus gibt es vier heilige Stätten, die alle mit dem Leben und Wirken Buddhas in Verbindung stehen.

Juden pilgerten in der Antike zum Tempel von Jerusalem, bis dieser 70 n. Chr. zerstört wurde. Übrig ist nur die Klagemauer, deren Besuch aber nicht im eigentlichen Sinne als Wallfahrt oder Pilgerreise gewertet wird.

Muslimische Pilger umrunden die Kaaba in Mekka.
Foto: pixabay.com

Pilgern auf dem Jakobsweg

Der Spanische Jakobsweg (Camino de Santiago oder auch Camino Francés) führt in seiner klassischen Variante von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela. Er ist knapp 800 km lang und wird üblicherweise in 32 Tagesetappen aufgeteilt.

Daneben gibt es schon in Spanien zahlreiche Alternativrouten, sowie einen portugiesischen Jakobsweg, der von Lissabon oder wahlweise von Porto nach Santiago führt.

Auch in zahlreichen anderen Europäischen Regionen gibt es Verbindungen des Jakobsweges, beispielsweise der Abschniss Saar-Blies-Mosel im Saarland oder der Kunigundenweg im Fränkischen Weinland. 

Nichtreligiöse Ziele

Seit dem 18. Jahrhundert werden zunehmend Pilgerreisen zu weltlichen Zielen unternommen. Im Zeitalter der Romantik unternahmen Kunstliebhaber beispielsweise Reisen zum Schaffensort gefeierter Künstler. In der heutigen Zeit spricht man zeitweise sogar vom „Pilgern“, wenn sich Millionen Fans zum Wohnort ihres prominenten Vorbilds aufmachen.

Nennenswert ist an dieser Stelle auch der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit, eine Bewegung, mit der 2015 etwa 7000 Menschen zum Klimagipfel nach Paris „pilgerten“, um ein Zeichen für ein weitreichendes und verbindliches Klimaabkommen zu setzen.

Wo übernachten Pilger?

Schon im Mittelalter entstanden entlang der meistbegangenen Pilgerstrecken die bis heute bekannten Herbergen, wo Pilger zu einem günstigen Preis – manchmal sogar umsonst – nächtigen konnten. Auch Klöster am Wegesrand nahmen in der Regel Pilger auf. Mit der fortschreitenden Säkularisation musste die Beherberung der Gläubigen aber in öffentliche oder private Hand übergehen.

Heute können Pilger zwischen mehreren Arten der Übernachtung wählen. Anders als beim Fernwandern ist das Camping eher unüblich – die meisten Pilger übernachten in Herbergen, Pensionen und Privatunterkünften. Die etwas gehobenere Variante schließt die Übernachtung in Hotels ein.

Sofern möglich sollten Übernachtungsmöglichkeiten im Voraus gebucht werden. Gerade in Herbergen gilt aber das Prinzip „first come first serve”. Wer zuerst eintrifft, bekommt sicher ein Bett und muss nicht ins Notlager ausweichen.

Mittelalterlicher Schlafsaal
Foto: CC0, pixabay.com

Die Ausrüstung eines Pilgers

Früher waren Pilger traditionell mit einem langen Mantel, einem breitkrempigen Hut und einem Pilgerstab ausgestattet, heute wandern die meisten in praktischer Outdoorkleidung.

Wie beim Fernwandern sollte man auch beim Pilgern darauf achten, nicht zu viel einzupacken. Nachdem man in den meisten Fällen von Herberge zu Herberge unterwegs ist, ist ein Rucksack von bis zu 8 kg normal. 

Was auf jeden Fall zu einem Pilger gehört, ist der Pilgerausweis. In ihm stehen Name, Ziel und manchmal die Fortbewegungsart und es wird um Hilfe und Unterstützung seines Anliegens gebeten. Der Pilgerausweis dient dem Nachweis der erfolgreichen Pilgerschaft und gilt gleichzeitig als Nachweis für Herbergen.

Pilgerrucksäcke an einer Mauer, die mit dem Kreuz des Heiligen Jakobs geschmückt ist
Foto: pixabay.com

Kleidung

  • 2 T-shirts (eins zum Laufen, eins für die Übernachtung)
  • 1 Longsleeve/Midlayer/Fleece
  • 1 lange und 1 kurze Hose (oder eine Zipperhose)
  • 2 Paar Socken (eins zum Laufen, eins für abends)
  • Mütze und dünne Handschuhe 
  • Regenjacke und -hose
  • geeignetes Schuhwerk

 

Hardware

  • Trinkflasche
  • Taschenmesser und Feuerzeug
  • Sonnenbrille und Sonnencreme
  • Alpenvereins-Ausweis (wichtig für Hüttenübernachtungen und ggf. Bergrettung per Helikopter)
  • Wanderkarten (mindestens im Maßstab 1:50.000, noch besser 1:25.000)
  • Erste-Hilfe-Set
  • Handy (vorher Notfallnummern notieren und einspeichern)
  • Stirnlampe
  • Hygieneartikel (kleines Handtuch, z. B. aus Mikrofaser, Zahnputzzeug, Seife)
  • Pilgerausweis

 


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