Auf dem Franziskusweg von Florenz nach Assisi

Pilgerweg • Firenze
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Bewertung
Schwierigkeit
schwer
Strecke
245,3 km
Dauer
75:35 h
Aufstieg
7466 hm
Abstieg
7364 hm
Streckentour Etappentour aussichtsreich Einkehrmöglichkeit kulturell / historisch botanische Highlights Geheimtipp

Auf dem Franziskusweg pilgern wir zu den Wirkungsstätten des Heiligen und erleben dabei die Landschaft der Toskana und Umbriens. Ziel unseres Weges ist Assisi, das aufgrund seiner Kirchen, seinem mittelalterlichen Stadtbild und seiner Befestigungsanlage zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Firenze: Beliebter Pilgerweg

Der heilige Franziskus von Assisi hat in ganz Mittelitalien seine Spuren hinterlassen. Die meisten seiner Wirkungsstätten liegen in der malerischen Landschaft der Toskana und Umbriens. Der Franziskusweg verbindet diese Orte und führt dabei meist durch unberührte Natur und abwechslungsreiche Kulturlandschaft auf dem Höhenzug des Apennin entlang. Dabei passieren wir Klöster, kleine Dörfer und Städte mit kulturellen Highlights, die von der langen weltlichen und geistlichen Geschichte der Region zeugen.

In Assisi, dem Geburts- und Sterbeort Franziskus’ beenden wir unseren Pilgerweg. Wer möchte, kann diesen aber auch noch bis Rom fortsetzen. Bisher ist der Franziskusweg nur zwischen Gubbio und Assisi einheitlich ausgeschildert. Zusätzliche Informationsquellen wie gps-track, Wanderkarten oder Reiseführer sind daher unbedingt notwendig. Die Strecke bis Assisi kann in 14 Tagesetappen zurückgelegt werden.

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Schwierigkeit
schwer
Technik
Kondition
Erlebnis
Landschaft
Höhenlage
1360 m
117 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Ausrüstung

Personalausweis/Reisepass, Auslandskrankenschein, festes Schuhwerk zum Wandern, Badeschlappen, Sonnenschutz, Regenschutz, Essens- und Trinkwasservorräte, Schlafsack, Zelt, evtl. Isomatte, Nähzeug, Taschenmesser, Stirn-/Taschenlampe, Reiseapotheke, Handwaschmittel. Der Rucksack sollte nicht mehr als 10 kg bei Männern und 8 kg bei Frauen wiegen.

Start

Bahnhof von Sant'Ellero (117 hm)
Koordinaten:
Geographisch
43.741941, 11.470485
UTM
32T 698928 4846177

Ziel

Bahnhof von Assisi

Wegbeschreibung

Eigentlich startet der Franziskusweg in Florenz an der Kirche Santa Croce, der Kirche der Franziskaner in Florenz. Hier, in einem Armenviertel der Stadt, soll der heilige Franziskus einige Hütten und eine Kapelle errichtet haben. Hinter einer Glasscheibe kann man die braune Kutte bewundern, die der Heilige getragen haben soll. Da die erste Wegstrecke von Florenz bis Sant’Ellero komplett unter Asphalt begraben ist und sich nicht zum Wandern eignet, legen wir sie mit dem Zug zurück und starten am Bahnhof von Sant’Ellero, das etwa 30 Autominuten von Florenz entfernt am Fluss Arno liegt.

 

1. Etappe:

Von dort geht es in westlicher Richtung hinauf in die Berge des Apennins. Unser erstes Etappenziel ist die kleine Ortschaft Consuma auf der gleichnamigen Passhöhe, über die wir im weiteren Wegverlauf das abgelegene und touristisch weitgehend unerschlossene Gebirgstal Casentino erreichen. 500 Jahre lang war die Gegend im Besitz einer großen Adelsfamilie, bis es 1440 an Florenz fiel.

 2. Etappe:

In wechselndem Auf und ab geht es heute ins mittelalterliche Städtchen Stia, das von tiefen Wäldern umgeben an den Hängen des Monte Falterone liegt und bis ins 19. Jahrhundert für seine Wollspinnerei bekannt war. In den letzten Jahren fand eine Rückbesinnung auf die lange Tuchmachertradition statt. Verfallene Fabrikgebäude werden restauriert, die typischen Stoffe wieder produziert und als Kleidung oder Accessoires verkauft. Im Hauptgebäude der Fabrik ist ein kleines Museum untergebracht. Im Zentrum von Stia können wir außerdem schöne alte Bauwerke sowie die reich ausgestattete, romanische Kirche Santa Maria Assunta sehen.

3. Etappe:

Auf unserem weiteren Weg durch den Nationalpark Foreste Casentinese, der neben dem Casentino auch die umliegenden Gebirgszüge umfasst, gelangen wir nach Camaldoli. Die Siedlung besteht aus einem Kloster, zwei Herbergen, dem Infozentrum der Nationalparkverwaltung und einem Campingplatz. Nicht weit entfernt befindet sich eine Einsiedelei. In dem Kloster, das 1024/25 vom heiligen Romuald, einem Benediktinermönch, gegründet wurde, soll sich der heilige Franziskus über einen Monat aufgehalten haben. Neben der barocken Klosterkirche ist die alte Apotheke sehenswert, in der die Mönche studierten und Medizin für die Kranken des Klosterhospizes herstellten.

4. Etappe:

Am nächsten Tag wandern wir an der Grenze zwischen der Toskana und der Emilia Romagna entlang durch den alten Bergwald ins malerische Badia Prataglia im Herzen des Casentino. Mit seinen schmucken Häusern, die ein wenig alpenländisch anmuten, ist der Ort zum bekanntesten Bergkurort der Provinz Arezzo, in der wir uns befinden, geworden. Die romanische Kirche von Badia Prataglia ist das letzte Überbleibsel eines Benediktinerklosters aus dem 10. Jahrhundert.

5. Etappe: 

Die Gemeinde Chiusi della Verna am südlichen Rand des Nationalparks, die wir am Ende dieses Teilstücks erreichen, zählt zu den spirituellen Höhepunkten auf unserem Weg. In einer Höhle im Tafelberg Monte Penna oberhalb des kleinen Ortes soll der heilige Franziskus seit 1214 gelebt und gewirkt haben. Im Jahr 1224 empfing er hier die Stigmata, die Wundmale Jesu. Heute steht hier das Franziskanerkloster La Verna, eine beliebte Wallfahrtstätte. Für die älteste Kirche des Klosterkomplexes, Santa Maria degli Angeli, soll der heilige Franziskus 1216 selbst den Grundstein gelegt haben. In der Kapelle der Basilika Santa Maria Assunta, die zwischen 1348 und 1509 erbaut wurde, werden Reliquien des Heiligen aufbewahrt - eine Geißel, ein Teil des Knotenstricks und des Stabes sowie ein blutgetränktes Stück Stoff.

6. Etappe:

Von den waldreichen Höhen des Apennins steigen wir gemächlich hinab in das Tal des Tiber, des drittlängsten Flusses Italiens. An seinem Ufer liegt Pieve Santo Stefano, unser heutiges Ziel.

7. Etappe:

Dem Verlauf des Tiber folgen wir nun in südliche Richtung, überqueren den Monte Fungaia und erreichen an seinem Fuße den Stausee Lago di Montedoglio, der die umliegenden Dörfer mit aufgestautem Tiberwasser versorgt. Weiter dem Tiber nach Süden folgend, kommen wir bald nach Santa Fiora, wo wir den Fluss erneut queren. So gelangen wir nach Sansepolcro  - „heiliges Grab“ – das um das Jahr 1000 von zwei Pilgern, Arcanus und Ägidius, auf deren Heimweg aus dem Heiligen Land gegründet worden sein soll. Die erste urkundliche Nennung der Benediktinerabtei von Sansepolcro fand wenig später statt. Die Stadtpaläste und die Kathedrale zeugen noch von der großen Bedeutung, die die Stadt als Station auf dem Weg nach Rom hatte. Sehenswert ist auch das Museo Civico.

8. Etappe:

Nun führt uns der Weg links in ein Seitental hinein und dann rechts ansteigend, bis wir das Kloster Montecasale erreichen. Dieses ist von 12:00-15:30 Uhr geschlossen, ansonsten ist eine Führung durch die Anlage möglich. Das steinerne Bettlager, auf dem der Mönch geschlafen haben soll, ist heute noch zu sehen, ebenso eine Madonnenstatue, die noch aus der Zeit Franziskus’ stammt und die er angeblich bei der Zerstörung einer früheren Burg auf dem Montecasale gerettet hat. Hier soll der heilige auch drei Räuber zum Glauben bekehrt haben. Auf dem Bergrücken verläuft die Grenze zwischen der Toskana und Umbrien, die wir nun überschreiten und wieder ins Tibertal hinabsteigen zum heutigen Ziel Lama.

9. Etappe:

Wir wandern am Fuß der Berge entlang nach Città di Castello. Città di Castello blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Die Stadt umbrischen oder etruskischen Ursprungs, die seit dem Jahr 89 v. Chr. römisch war, wurde im 6. Jahrhundert durch die Ostgoten verwüstet. Nach ihrem Wiederaufbau stand die Stadt unter der Herrschaft verschiedener Familien, bis Cesare Borgia die Stadt für Papst Alexander VI. – seinen Vater – dem Kirchenstaat einverleibte. 1860 wurde Città di Castello erobert und Teil des vereinigten Italiens. Interessante Museen, schöne Palazzi sowie die Kirche San Domenico aus dem 15. Jahrhundert dokumentieren die Geschichte der Stadt. Die traditionsreiche Weberei Tela Umbra ist das Aushängeschild von Città di Castello. Gemeinsam mit der bekannten Pädagogin Maria Montessori setzte sich die Amerikanerin Alice Hallgarten-Franchetti für die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Weberinnen ein, die zwar kostbare Stoffe produzierten, selbst aber kaum genug zum Leben hatten. Unter anderem gründete sie für die Kinder der Weberinnen eine Schule und einen Kindergarten nach den Prinzipien Montessoris. Die Lernmittel aus dieser Zeit sind ebenso wie Produkte der Weberei Tela Umbra in einem kleinen Museum ausgestellt. Eine weitere Sehenswürdigkeit in Città di Castello ist die Sammlung Burri. Im Palazzo Albizzini und in einigen ehemaligen Tabaktrockenhallen sind Werke Alberto Burris, einem der  größten zeitgenössischen Künstler, ausgestellt. Weiter geht es noch ein kurzes Stück nach Sasso.

10. Etappe:

Auf dem Weg in Richtung Gubbio passieren wir die Provinzstadt Pietralunga. Mit ihrer intakten Stadtmauer und dem fünfeckigen lombardischen Turm aus dem 8. Jahrhundert mutet sie mittelalterlich an. Archäologische Funde der Etrusker und römische Hinterlassenschaften wie das prächtige römische Portal an der Kirche Santa Maria weisen jedoch auf eine viel frühere Besiedlung hin.

11. Etappe:

Unser nächstes Ziel ist Gubbio mit seinen weißen Mauern und Türmen. Die steil an den Monte Ingino gebauten Häuser, Palazzi und Kirchen aus Kalkstein wurden nach dem schweren Erdbeben von 1997 wiederaufgebaut. Auch Gubbio geht auf die Etrusker zurück und war einst ein wichtiges Zentrum der Umbrer. Im Palazzo dei Consoli, dem Priorenpalast, werden die einzigen erhaltenen Gesetzestafeln dieser Kultur, die Eugibinischen Tafeln, aufbewahrt. Auch der Palast selbst ist sehenswert. Die extreme Hanglage Gubbios hat den damaligen Architekten wahre Meisterleistungen abverlangt. Diese können wir nicht nur am Priorenpalast von 1332, sondern auch am Dom aus dem 13. Jahrhundert bewundern. Zudem besitzt Gubbio das zweitgrößte römische Theater weltweit.

12. Etappe:

Dem apenninischen Höhenzug weiter nach Süden folgend, wandern wir nun durch eine idyllische Hügellandschaft östlich von Mengara. Dort gibt es mehrere Möglichkeiten zur Übernachtung.

13. Etappe:

Heute geht es weiter nach Valfabricca. Der Ort hat sich um das von Benediktinermönchen aus Nonantola in der Emilia Romagna gegründete Kloster Santa Maria entwickelt und besitzt neben Resten der mittelalterlichen Befestigungsanlage und zwei Türmen eine sehenswerte romanische Kirche mit Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Wie Città di Castello war auch Valfabbrica im Laufe seiner Geschichte Teil des Vatikan.

14. Etappe:

Nach zweiwöchigem Fußmarsch bricht der Apennin vor uns ab und wir blicken in das breite Tal des Topino. Unter uns, terrassenförmig an den Hängen des Monte Subasio erbaut, liegt unser Ziel: die Stadt Assisi. Die imposante Lage am Rand der Ebene, die mittelalterliche Struktur der Stadt mit ihren Kirchen sowie ihrer Befestigungsanlage und nicht zuletzt ihre religiöse Bedeutung als Geburts- und Sterbeort des heiligen Franziskus beeindrucken jeden Besucher. Mit großem Aufwand wurden auch hier die Schäden des schweren Erdbebens von 1997 beseitigt und die Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, erstrahlt wieder in altem Glanz. Obwohl die Stadt im 6. Jahrhundert von den Ostgoten weitgehend zerstört wurde, finden wir auch heute noch Reste römischer Architektur in Assisi: die Stadtmauern, den Marktplatz (oder Piazza del Comune), das Theater und das Amphitheater. Der Tempel der Minerva, der später zur Kirche Santa Maria sopra Minerva umgebaut wurde, stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Am Ende des Bergsporns im Westen der Stadt liegt die mächtige Doppelkirche San Francesco aus dem 13. Jahrhundert. Die Kirche, in der seit 1230 die Gebeine des Heiligen Franziskus begraben sind, gehört zu den sieben ranghöchsten katholischen Gotteshäusern. Die einmalig schönen Fresken in der Ober- und Unterkirche können wir nach ihrer Restaurierung in Folge des Erdbebens heute wieder bewundern. An die Doppelkirche schließt sich das Sacro Konvento, das Mutterhaus aller Franziskanerklöster an. Eine weitere wichtige Kirche in der Altstadt Assisis ist die Kirche Santa Chiara, die die sterblichen Überreste der heiligen Klara birgt. Die Kirche sowie das angrenzende Klarissinenkloster wurden in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet. Wir verlassen das alte Zentrum Assisis und gehen ein kurzes Stück durch die Ebene in den neueren Stadtteil Santa Maria degli Angeli, der sich um die gleichnamige Kathedrale gebildet hat. Der siebtgrößte Kirchenbau der Welt wurde zwischen 1569 und 1679 um die kleine Portiunkula-Kapelle herumgebaut, in der der Heilige Franziskus im Jahr 1226 starb. Die Kapelle ist heute noch im Kirchenraum der Kathedrale zu sehen. Nicht weit davon entfernt liegt der Bahnhof, von dem wir zurück zu unserem Startpunkt in Sant’Ellero fahren können.

Öffentliche Verkehrsmittel

Mit dem Zug nach Sant'Ellero

 

Anfahrt

A1 bis Ausfahrt Incisa, weiter nach Sant’Ellero

 

Parken

In Sant'Ellero

 

Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad
Verantwortlich für diesen Inhalt
Outdooractive Redaktion
outdooractive.com User
Autor
Joern Perschbacher
Aktualisierung: 16.04.2018

Zum Reiseführer: Pilgerwege in Firenze

Kommentare und Bewertungen (83)

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hermann schratz
05.01.2019
Für diejenigen, die im Dezember den Franziskusweg gehen wollen War vom 07.12. bis zum 21.12.2018 auf dem Franziskusweg unterwegs. Als Vorbereiter und Wegbegleiter hatte ich den „Franziskusweg - Pilgerführer“ vom Verlag amac/Obergriesbach dabei. Ohne vorherigen Abgleich mit anderen Wanderführern (z. B. Outdoor, Rother, Tyrolia) hatte ich mich für den Pilgerführer von amac entschieden, da bei amac auch ein Pilger-Ausweis erworben werden kann (vergleichbar dem „Credential“ für den Jakobsweg). Was ich später herausfand: die von amac beschriebene/vorgeschlagene Route weicht von Outdoor, Rother oder Tyrolia ab: _ Andere Etappen-Aufteilung einschl. Unterkunft. _ Outdoor beginnt direkt in Florenz, amac startet in Sant Ellero (wobei ich auf „eigene Faust“ am ersten Tag von Florenz nach Sant Ellero gelaufen bin). _ Rother- und Tyrolia-Weg führen über Citta di Castello. Der Tau-Stempel “Leben atmen“ für diesen Pilgerausweis ist wohl ein eigens kreiertes Label von amac, welcher von den von amac empfohlenen Unterkünften verwendet wird (der Stempel wird über amac bezogen, die weiteren Hintergründe habe ich nicht nachgefragt). Hin- und Rückreise von Darmstadt nach Florenz über Nacht mit Bus (statt alternativ Nachtzug). War, von einem zeitweise steifen Nacken abgesehen, überraschend komfortabel, ruhig und pünktlich. Versuche soweit es möglich ist, Kurzstreckenflüge in Europa aus ökologischen Gründen („ökologischer Fußabdruck“) zu vermeiden. Auf Vorreservierungen und GPS-Daten während meiner Wanderung habe ich verzichtet (ist eine ganz persönliche Einstellung von mir, nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen). Meine bleibenden Eindrücke und Erfahrungen, die möglicherweise auch durch die Winterzeit „eingefärbt“ worden sind: _ war in dieser Zeit wohl als einziger Rucksackträger zu Fuß unterwegs, schon ein kleines Abenteuer (bei vielen Italienern habe ich Verwunderung und Kopfschütteln ausgelöst). _ im Dezember nur von ca. 8 Uhr bis ca. 16 Uhr „Tageslicht“. _ den Franziskusweg empfand ich wegen seiner topografischen Gegebenheiten als sehr anstrengend/anspruchsvoll - anstrengender/anspruchsvoller als die Jakobswege, die ich in den letzten Jahren in Frankreich, Spanien und Portugal gelaufen bin. _ Ein ständiges Auf und Ab, schwer erkennbare, manchmal verwirrende Wegkennzeichnung. _ In dieser Jahreszeit immer wieder Wetterwechsel zwischen sonnig/bewölkt, Nieselregen, Schneefall, frostige Nächte. _ Auf den Höhenwegen die Wegzeichen vom Schnee verschluckt, in den Wäldern die Wege unterm fußhohen Laub verschwunden. _ Bin mindestens drei-, viermal vom Weg abgekommen - mal 6 km mehr, mal 2 Stunden länger (Tja, das Ding mit dem GPS.) _ Das "Atmosphärische" des Weges gefällt mir in Spanien/Portugal besser als in Italien. Liegt es an der längeren, ursprünglicheren Tradition des Jakobswegs als Pilgerweg? Liegt es an dem ausgeprägteren, dichteren Netz von „typischen“ Pilger-Herbergen? _ Die in den Weilern und kleinen Dörfern auffällige Landflucht – wie auch in Spanien und Portugal deutlich sichtbar: halbverlassene, überalterte Dörfer. _ abgeriegelte Sommersitz-Landvillen, einsam liegende Bauernhöfe. _ menschengroße Presepi (Krippen) ohne oder mit verdecktem Kind. _ Ausnahme Florenz: scheinbar an 365 Tagen im Jahr ergießen sich die Besucherströme durch den Corso, bestimmt der Konsum (ob Kunst, Kaufen oder Genießen) die Pulsfrequenz der Stadt. Dennoch: _ großartige Landschaftspanoramen. _ urwaldliche Buchen- und Eichenwälder. _ geschichtsträchtige Orte (Sansepolcro, Gubbio, Assisi). _ malerische Dörfer (Stia, Pietralunga). _ beeindruckende Klosteranlagen (La Verna, Montecasale, Assisi). _ und vor allem immer wieder sympathische, hilfsbereite Menschen. Mit den Übernachtungen hatte ich ausgesprochenes Glück (wie gesagt: keine Vorreservierungen getätigt, im Dezember ist „tote Hose“ in der Hotelerie). Im Reiseführer von amac im Gegensatz zu Rother und Outdoor leider nur wenige, da ausgesuchte Unterkünfte (siehe hierzu Anmerkung oben): _ in Rignagno fand ein junger Barkeeper eine B&B-Adresse für mich heraus: Mamma Sara – ein freundliches Rentner-Ehepaar öffnete die Tür. https://www.bed-and-breakfast.it/it/toscana/damammasara-affittacamere-rignano-sull-arno/20270 (Erst später erfuhr ich, dass die Familie, die in der Eisenbahn-Station Sant Ellero wohnt, eine Übernachtungsmöglichkeit für „Peregrinos“ anbietet.) _ in Consuma sprachen mich im örtlichen Cafe eine Gruppe italienischer Tageswanderer an und verwiesen mich an das Hotel Miramonti. Das Hotel-Zimmer wurde für mich aufgeheizt. http://www.hotelmiramonti-ar.com/de/index.html _ der alte, ein wenig deutsch sprechende Hotelier vom Miramonti organisierte für mich meine nächste B&B-Unterkunft in Stia bei Federica am Markplatz - eine anheimelnde Einraum-Wohnung in ihrem Haus. https://www.booking.com/hotel/it/la-guardia-b-amp-b-stia.it.html _ in Badia Prataglia wiederum heizte das alte Hotel-Ehepaar ein Zimmer für mich in ihrer Albergo Giardino auf. https://ilovecasentino.it/il-giardino-badia-prataglia.php _ im Kloster La Verna allein im Pilgerschlafsaal . (Im Übrigen eine beeindruckende Klosteranlage, sehr nette Bekanntschaft mit der deutschen Klarissin Schwester Angela gemacht.) http://www.laverna.it/ _ In Sansepolcro frage ich in einem Cafe den Kaffeehausbesitzer nach einer preiswerten Unterkunft. Er tauscht sich mit seinen Gästen aus. Eine Kundin begleitet mich auf halbem Weg zur Albergo Taverna außerhalb der Altstadt. Auch hier – von drei Schwestern geführtes Hotel - wird ein Zimmer für mich aufgeheizt. https://www.albergotaverna.com/ (Im Kloster Montecasale, ca. 1 Gehstunde nach Sansepolcro, soll man auch im Kloster übernachten können.) https://www.visittuscany.com/en/attractions/montecasale-hermitage-sansepolcro/ _ Im Hotel La Rotonda in San Giustino Lama wird auch ein Zimmer für mich „aktiviert“. (In der dazugehörigen Pizzeria ohne Übertreibung eine klasse Pizza „Originale Napoli“.) https://www.hotelrotonda.it/ _ In der Bar „Del la Cima“ (ein Biker-Treff) von Bocca Serriola fand ich nach langer, mühsamer Schnee-Wanderung eine warmherzige Aufnahme inklusive offenem Kaminfeuer (das benachbarte Refugio war geschlossen). http://www.riquadro.com/ritratto/index.php?personaggioid=0&localeid=213&pagebreak=1 https://www.marcheweekend.it/articoli/itinerari-moto-marche-bocca-serriola/ _ In Pietralunga sah mich ein junger Mann, wie ich an einem verschlossenem B&B-Haus klingelte. Er sprach mich an und zeigte auf ein Haus schräg über die Straße, in dem die Hausbesitzer wohnten (wie ich dann verstand). Auf diese Weise fand ich Unterkunft im B&B Luna – von einem sehr freundlichen alten Mann betrieben, der sich selbst für den Franziskusweg begeistert. http://www.turismo.pietralunga.it/bed-and-breakfast/luna/ (Zuvor war ich von einem B&B-Betreiber, der sich selbst sogar als freundliche Pilger-Unterkunft bewirbt, abgewiesen und an das örtliche Hotel verwiesen worden.) In Pietralunga entschied ich mich dann auch wegen des wieder einsetzenden Schneefalls mit dem lokalen Bus nach Gubbio zu fahren, da ich mich sowohl in Gubbio als auch in Assisi jeweils zwei Tage aufhalten wollte und mein Rückreisetag festgelegt war. _ In Gubbio erhält man im Touristen-Informationszentrum eine lange Liste von Hotels, Pensionen, privaten B&B und kirchlichen Unterkünften. Hier fand ich Aufnahme im „Istituto Maestre Pie Filippini“. http://www.viaggispirituali.it/strutture-turismo-religioso/umbria/istituto-maestre-pie-filippini_847/ _ Auch in Assisi hält das Touristen-Informationszentrum eine umfängliche Liste von Hotels, Pensionen, privaten B&B und kirchlichen Unterkünften bereit. Mir wurde empfohlen das Casa Papa Giovanni. https://www.monasterystays.com/?d=Italy/Umbria/Assisi//UMA121-accommodation http://www.diocesiassisi.it/casa-papa-giovanni-xxiii/ Gubbio und Assisi sind zwei grandiose Orte. Lage, Stadtgestalt und Architektur lassen sich wohl gerade in dieser „Menschen-armen“ Jahreszeit ungestört erleben. Ein Tip: Auf GoogleEarth kann man den Weg vor- bzw. nachverfolgen aus der Vogel-Perspektive (heute heißt es wohl eher „Drohnen-Perspektive“).
Gemacht am
07.12.2018

karl Busch
23.12.2018
Hallo Monika, ich habe letztes und vorletztes Jahr mit einer größeren Gruppe als Wanderführer den Weg gemacht und habe sehr positive Erfahrungen damit gemacht, den Weg in Teilstrecken aufzuteilen. So sind wir vor 2 Jahren vom Ellero nach Sansepolcro gelaufen und nun dies Jahr von Sansepolcro nach Assisi und nächste Jahr geht es weiter in Richtung Rom. Wenn ich dir einen Rat geben darf, wenn man als Pilger unters ist, dann muß man die Herrausforderung annehmen und das Ziel d.h. den ganzen Weg vor Augen haben. Gerade das Neue und das Unbekannte macht den Reiz einer Pilgertour. Deshalb der Rat, beginne in Florenz, mache dort eine umfangreiche Stadtbesichtigung und, wenn du dir den Weg durch die Stadt und das Industriegebiet ersparen willst, dann fahre mit dem Zug nach Ellero und mache die erste Tagesetappe zum Consuma Pass und von hier über La Verna soweit du die Zeit und die Lust hast. Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen. Liebe Grüsse Karl

Monika aUER
19.12.2018
Hallo ihr Lieben, ich bin noch völlig Pilger-unerfahren. Mir scheit aber der spanische Camino zu überlaufen zu sein und deshalb möchte ich erst mal 2 Wochen auf dem Franziskusweg pilgern und evlt. ein Jahr später die ganze Route laufen. Ich habe mir vorgestellt von La Verna aus zu starten. Dann würde ich über Assisi gehen bis ca Terni. Meint ihr, das ist so zu empfehlen? Wie kann ich von Florenz aus nach La Verna kommen? Mit Zug/Bus/Taxi? (Würdezunächst mit dem Zug bis nach Florenz fahren.) Grüße, Momo

0 500 1000 1500 m km 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 220 Consuma-Pass Kloster Camaldoli La Verna Lago di Montedoglio Convento Montecasale Città di Castello Gubbio