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Kutschfahrten

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Was heute eher als Touristenattraktion gilt, war vor nicht allzu langer Zeit noch ein weit verbreitetes Transportmittel: die Pferdekutsche. Wer die sanften Vierbeiner liebt, muss nicht gleich reiten lernen, um ihnen nahe zu sein. Auf Entdeckungstour durch historische Stadtzentren oder eine romantische Ausfahrt in die Natur? Kutschfahrten sind unglaublich facettenreich.

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Historisches: vom Fuhrwerk zur modernen Kutsche

Sie sind die Urgroßväter, Großväter und Väter unserer heutigen Fahrzeuge. Schon die Römer benutzten von Pferden gezogene Reisewagen, um sich in ihrem riesigen Reich fortzubewegen. Erst ab dem 15. Jahrhundert waren die meisten Fuhrwerke gefedert – davor war eine Fahrt über Stock und Stein noch alles andere als bequem für Mensch und Tier.

Bei der Besiedlung des amerikanischen Westens kommt dem Planwagen eine besondere Rolle zu. Familien legten im sogenannten "Prairie Schooner" oft mehrere tausend Kilometer zurück. Auch bei der Feldarbeit setzte man in der Vergangenheit Pferdewagen ein, um Heu, Feldfrüchte oder andere Lasten zu transportieren.

Historische Ansicht von Belfast
Historische Ansicht von Belfast
Foto: CC0

Im Postwesen beförderten Postkutschen Güter und Fernreisende und waren für über zwei Jahrhunderte das wichtigste öffentliche Transportmittel Europas und Amerikas. 

Die Kutsche, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich aus Droschken und Fiakern, die im 18. und 19. Jahrhundert ein Fortbewegungsmittel für Reiche und Mächtige darstellten. Die Anschaffung und Instandhaltung einer handgefertigten Kutsche und die Haltung von Zugpferden war eine kostspielige Angelegenheit und die Kutsche damit ein echtes Statussymbol.

Die Equipage: Wagentypen, Geschirr und Arten der Anspannung

Grundsätzlich werden alle Wagentypen – abhängig von der Anzahl Wagenräder – in Einachser (zwei Räder) und Zweiachser (vier Räder) unterteilt. Die nächste Unterscheidung erfolgt dann nach Anzahl der angeschirrten Pferde (Einspänner, Zweispänner, Vierspänner etc.). Auch eine Einteilung nach Art des Anschirrens ist möglich.

Haflingergespann mit Kumt
Haflingergespann mit Kumt
Foto: CC0

Das Pferdegeschirr besteht – je nach Wagen- und Anspannungsart – aus unterschiedlichen Elementen. Für schwere Kutschen wird meist ein Kumt verwendet, ein stabiles Oval, das den Tieren um den Hals gelegt wird und die Last gleichmäßig auf Brust, Schultern und Widerrist verteilt. Für Arbeitseinsätze wurden früher Spitzkummets gebraucht.

Das Brustblattgeschirr eignet sich für leichte Wagen und kleinere Lasten. Es besteht nur aus einem breiten Lederstück, das über die Brust des Tieres gespannt wird. Im Freizeitsport wird heute gern das leichte Brustblattgeschirr verwendet.

Verschiedene Wagentypen im Überblick

Je nach Epoche und beabsichtigter Verwendung wurden im Laufe der Geschichte zahlreiche verschiedenen Pferdewagen entworfen. Nachfolgend einige Beispiele:

Von Haflingern gezogener Landauer
Von Haflingern gezogener Landauer
Foto: CC0
  • Berline: zwei- oder viersitziger, voll durchgefederter Reisewagen mit festem Dach
  • Coupé: vierrädrige Kutsche mit zwei Sitzplätzen in einer Kabine
  • Kremser: geräumiger, gefederter Planwagen mit Längsbänken an beiden Seiten
  • Landauer: vollgefederter Reisewagen mit zwei gegenüberliegenden, zum Kutschbock parallelen Sitzbänken und Verdeck
  • Marathonwagen: geländegängiger Wagen für den Fahrsport
  • Omnibus: großer Wagen mit Federung und Verdeck, oft Doppeldecker
  • Phaeton: kleine, zweiachsige Kutsche, vom Herrn oder der Dame selbst gefahren
  • Postkutsche: zur Beförderung von Postsendungen und zahlenden Fahrgästen
  • Sulky: einachsiger Wagen in Leichtbauweise für Trabrennen
  • Wagonette: offener, gefederter Wagen mit zwei gegenüberliegenden Bänken, parallel zur Fahrtrichtung

Das Fahrsport-Turnier: Dressur-, Gelände- und Hindernisfahren

Fahrsport-Turniere werden in drei Disziplinen abgenommen: 

  • Dem Dressurreiten ähnlich, müssen auch beim Dressurfahren verschiedene Hufschlagfiguren in verschiedenen Gangarten gezeigt werden. 
  • Das Geländefahren ("Marathon") umfasst das Über- oder Umfahren verschiedener Hindernisse im Gelände – unter anderem Wassergräben.
  • Beim Hindernisfahren ("Kegelfahren") muss ein auf dem Fahrplatz mit Kegeln abgesteckter Parcours innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe gemeistert werden. Die auf den Kegeln liegenden Bälle dürfen nicht heruntergestoßen werden.
Geländeprüfung bei einem Fahr-Turnier (Brustblatt-Geschirr)
Geländeprüfung bei einem Fahr-Turnier (Brustblatt-Geschirr)
Foto: CC0

Bevorzugte Rassen für den Fahrsport

So unterschiedlich wie die verschiedenen Disziplinen im Fahrsport sind auch die dafür geeigneten Rassen. Bei Turnieren sieht man meist europäische Warmblutrassen wie Holsteiner, Geldenburger oder Oldenburger – oder aber Friesen und Fahrponys wie Welsh Cob oder Haflinger. Für das Hindernisfahren eignen sich besonders schnelle und wendige Rassen.

Für Arbeitseinsätze in der Landwirtschaft und im Güterverkehr wurden in der Regel Kaltblüter wie Percheron, Süddeutsches Kaltblut und Schwarzwälder Fuchs verwendet. Heute kann man die mächtigen Pferde noch bei Schaufahren bestaunen, wenn sie beispielsweise für traditionelle Umzüge vor tonnenschwere Brauereiwagen gespannt werden.

Angeschirrte Brauereipferde (Kumt-Geschirr)
Angeschirrte Brauereipferde (Kumt-Geschirr)
Foto: CC0

Wo kann man Kutsche fahren?

Um auf öffentlichen Straßen mit der Kutsche fahren zu dürfen, benötigt man einen Führerschein. Selbst die Zügel in der Hand halten kann man also nur nach erfolgreich abgeschlossenen Lehrgängen und Prüfungen.

Aber natürlich ist es genauso schön, sich ganz entspannt durch die Landschaft ziehen zu lassen. Viele Betriebe bieten Touristen Ausfahrten mit ihren Pferden an. An touristisch besonders interessanten Orten, beispielsweise dem Schloss Neuschwanstein, können festgelegte Strecken auch spontan mit der Kutsche zurückgelegt werden.

Wer sich für Kutschen interessiert, dem sei ein Besuch der Stadt Wien nahegelegt. Die traditionellen Fiaker prägen dort noch heute das Stadtbild.

 


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