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Reportage

Wie Cäsar Ritz die Hotels der Welt eroberte

von Rosa Rietzler • 04.12.2017 • Reportage • Wallis
  • Niederwald
    Niederwald
    Foto: Obergoms Tourismus AG

Niederwald, 1850: Als Cäsar, Sohn der einfachen Bergbauernfamilie Ritz, zur Welt kam, mochte noch niemand ahnen, dass dieser einst als „König der Hoteliers und Hotelier der Könige“ die Hotellerie und Gastronomie auf der ganzen Welt nachhaltig prägen sollte. Reichtum, Luxus und Glamour dürften in den Ohren des Jungen zu dieser Zeit noch fremd geklungen haben. Das Bedürfnis, seine Oberwalliser Heimat zu verlassen und in die Welt hinauszuziehen, soll er jedoch schon recht früh verspürt haben…



Ortschaft · Wallis

Niederwald

Ortschaft Niederwald
Wallis
Es freut mich, dass ich mich dir vorstellen darf. Unter uns: Du darfst mich, wie meine Bewohner, ...
von Obergoms Tourismus AG,  Obergoms Tourismus AG

Cäsar Ritz wurde am 23. Februar 1850 in Niederwald im Goms geboren. Das kleine Bergdorf im Herzen der Schweizer Alpen zählte zu dieser Zeit kaum mehr als 100 Einwohner. Im Winter besuchte Cäsar die Dorfschule, im Sommer war er Ziegenhirt. Im Alter von 14 Jahren verließ er seine Heimat Niederwald zum ersten Mal und besuchte im Walliser Hauptort Sitten ein französischsprachiges Kollegium. Wenig später nahm sein Vater Cäsar wieder von der Schule und ließ ihn im „Hotel Couronne et Post“ in Brig eine Kellnerlehre antreten, aus der er jedoch von seinem Patron wegen angeblich mangelnden Talentes alsbald entlassen wurde.

Die Karriere des „César le rapide“ in Paris

Es war die Eröffnung der Weltausstellung, die Ritz 1867 nach Paris lockte. Dort machte er sich bald einen Namen als „César le rapide“. Ambitioniert stieg er vom Hilfskellner zum Oberkellner auf und wechselte vom einfachen Gasthaus in gehobenere Etablissements. Den süßen Duft des Glamours und der noblen Gesellschaft lernte Ritz erstmals mit 19 Jahren im erstklassigen Hotel „Voisin“ kennen, wo er als Lehrling das Metier von der Pike auf erlernte. Hier machte er zudem Bekanntschaft mit dem berühmten Meisterkoch Auguste Escoffier, der künftig zu einem wichtigen Berater und Freund für ihn werden sollte.

An der Spitze der nobelsten Hotels Europas

Mit 23 Jahren zog es Ritz zur Weltausstellung nach Wien, wo er im Restaurant „Les Trois Frères Provençeaux“ Kontakt zur High Society Europas knüpfte. Darunter befand sich auch der Prinz von Wales, späterer König Edward VII., der Cäsars Person wesentlich prägen sollte. Er war es auch, der ihn am Höhepunkt seiner Karriere als „König der Hoteliers und Hotelier der Könige“ betitelte. Ritz setzte seine Laufbahn in namhaften Hotels wie dem „Grand Hôtel“ in Nizza und dem „Rigi-Kulm“ fort, wo er erstmals als Direktor arbeitete. Das „National“ in Luzern führte er mit Maximilian Pfyffer und Auguste Escoffier so erfolgreich, dass Prominenz aus aller Welt herbeiströmte.

Im Alter von 38 Jahren heiratete Ritz die Elsässerin Marie-Louise Beck, die seine zwei Söhne Charles und René zur Welt brachte. In den kommenden Jahren reiste Ritz ständig zwischen Luzern, Monte Carlo, Cannes, Baden-Baden, London, Paris und Rom umher und unterhielt erfolgreich einige der bekanntesten Hotels seiner Zeit, wie das „Savoy“ und das „Carlton“ in London oder das „Grand-Hôtel in Rom“. Auch als Fachmann und Berater war er international anerkannt.

Das Erfolgsrezept: wahre Gastfreundschaft

Speisekarte, musikalische Abendgestaltung, Einrichtung der Zimmer – Cäsar Ritz verstand es schon früh, die Gewohnheiten und Vorlieben seiner wohlhabenden Gäste akribisch unter die Lupe zu nehmen und ganz individuell darauf einzugehen. Sein Gespür sagte ihm, dass die zahlungskräftige Kundschaft der europäischen Hotels mehr Komfort und Luxus erwünschte als bisher als Standard etabliert war. 1898 ging endlich der langersehnte Traum in Erfüllung: Unter Anwesenheit berühmter Persönlichkeiten aus aller Welt konnte Ritz feierlich sein eigenes Hotel, das „Ritz“ an der Pariser Place de Vendôme, eröffnen. Im ersten Hotel, das seinen Namen trug, konnte Ritz nun all das verwirklichen, was seiner Philosophie entsprach: Raffinierte Architektur, luxuriöseste Einrichtung und Escoffiers Meisterküche paarte er mit erstklassigem Service und dem uneingeschränkten Erfüllen jedes Gästewunsches. Auf die Eröffnung des Ritz Paris folgten die Gründungen der Ritz-Hotels in London und Madrid.

Das Vermächtnis

Kurz nachdem er den Höhepunkt seiner Karriere erreicht hatte, begann Cäsar, unter Zusammenbrüchen und schweren Depressionen zu leiden. Die kommenden 16 Jahre verbrachte er zurückgezogen in der Innerschweiz. Eine leichte Besserung seines Zustandes erlaubte ihm, um 1912 noch einmal in sein Heimatdorf Niederwald zu reisen. Mit 68 Jahren verstarb Cäsar Ritz in Küssnacht am Rigi. Seine Arbeit führte Ehefrau Marie-Louise Ritz mit Sohn Charles fort. Im Auftrag von Marie-Louise gründete Albert Keller in den USA die „Ritz-Carlton Investing Company“ und erwarb damit die Namensrechte „Ritz-Carlton“. Im Jahr 1927 wurde das „The Ritz-Carlton, Boston” eröffnet, das bis heute weltweit als Maßstab für die Häuser der Hotelgruppe gilt.

Mit seinen Ideen und Visionen hat Cäsar Ritz die Luxushotellerie und -gastronomie maßgeblich geprägt und das Verständnis von Gastfreundschaft revolutioniert. Sein Name ziert heute nicht nur die Fassaden der weltbekannten Ritz-Carlton-Hotels, sondern auch innerhalb der erstklassigen Häuser sind sein Geist und seine Ideologie noch immer spürbar. Auch viele Gastronomie-Betriebe in seiner Gommer Heimat tragen die „Ritz-Philosophie“ weiter: Mit ihren kreativen Ritz-Menüs machen sie diese für den Gast erfahrbar und interpretieren sein kulinarisches Erbe neu.

Obwohl ihm die ganze Welt offen stand, lag Cäsar seine Heimat sein Leben lang am Herzen. Immer wieder kam er nach Niederwald zu Besuch, um es einige Tage später voller Tatendrang und neuer Ideen wieder zu verlassen. Für sein Heimatdorf schmiedete er große Pläne: Er war es, der von einem Dorfbrunnen, elektrischem Licht, fließend Wasser sowie sauberen Wegen und Gassen sprach. Zum Teil wurden die Vorhaben von seiner Frau Marie-Louise umgesetzt und mitfinanziert. Die Cäsar Ritz Stiftung Niederwald unterstützt noch heute die Jugendlichen des Ortes in ihrer Ausbildung.

Unterwegs auf dem Lebensweg des Pioniers

Themenweg · Wallis

Lebensweg Cäsar Ritz

Themenweg
14.07.2016
leicht
5,5 km
2:00 Std
233 m
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Obergoms Tourismus AG

In Niederwald können wir nicht nur das Geburtshaus von Cäsar Ritz, sondern auch sein Denkmal und seine letzte Ruhestätte, die er mit seiner Frau und seinem Sohn René teilt, besuchen. Auf dem „Lebensweg Cäsar Ritz“ können wir die Umgebung des Dorfes erwandern und die Lebensgeschichte des Hotelpioniers hautnah nacherleben. Nicht nur die sechs Tafeln des Themenweges, sondern auch der Wegverlauf zeigen uns die Höhen und Tiefen seines Lebens auf und bringen uns die Person Cäsar Ritz nahe.


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Autor
Rosa Rietzler
Aktualisierung: 04.12.2017

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