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Reportage

Die Entstehung des Thüringer Meeres

von Wiebke Hillen • 12.04.2018 • Reportage • Thüringer Wald
  • Foto: Tourismusverbund Rennsteig-Saaleland e.V., Tourismusverbund Rennsteig-Saaleland e.V.

Fünf künstlich aufgestaute Seen prägen seit den 1930er Jahren das Landschaftsbild des Thüringer Waldes. Dort, wo Camper und Wassersportler sich heute erholen und vergnügen, standen zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch Häuser und lebten Menschen.



Aktivurlaub im Erholungsgebiet

Waldreiche Hügel, steile Felsen und riesige Talsperren – das Thüringer Meer ist weithin als Erholungsgebiet und Treffpunkt für Wassersport-Freunde aller Art bekannt. Inmitten des Thüringer Waldes bietet die größte Stauseeregion Deutschlands Möglichkeiten für Segler, Angler, Surfer, Gleitschirmflieger und Taucher. Boote befahren die Saale und ihre Stauseen, Camper erholen sich an den Ufern und Wanderer betrachten die idyllisch gelegenen Gewässer von den Hügeln oberhalb der Staumauern. Dabei kommen sie in geschichtsträchtige Orte wie Hohenwarte, informieren sich über den Untergang des Ortes Preßwitz und besuchen das Schloss Burgk, das majestätisch oberhalb der Talsperre Burgkhammer thront. Beliebte Verkehrsmittel vor Ort sind die Mühlenfähre – Thüringens einzige Autofähre – und die Fahrgastschifffahrt auf dem Hohenwarte-Stausee.

Bau der Stauseen

Die Landschaft der oberen Saale sah jedoch nicht immer so aus wie heute. In den 1920er und 1930er Jahren wurde die Saale künstlich aufgestaut, um die Schifffahrt auf der Elbe auch bei niedrigem Wasserstand zu garantieren. Auch der Hochwasserschutz und die Energiegewinnung zählten zu den Gründen für den Bau der Saalekaskade. Über fünf Talsperren fällt der Fluss nun auf seinem Weg durch die Landschaft hinab.

Der Bau der Staumauern erforderte viel Zeit und zahlreiche Arbeitskräfte. Bei der Errichtung der größten Talsperre Deutschlands, der Bleilochtalsperre, wurden über einen Zeitraum von sechs Jahren durchgehend rund 1000 Arbeiter beschäftigt. Im Jahr 1927 kam es zu einem Massenstreik, an dem 600 Arbeiter teilnahmen. Im Jahr zuvor war nämlich der Stundenlohn von 70 auf 64 Pfennige gesenkt worden. Nach acht Tagen konnten die Arbeiter eine Erhöhung des Stundenlohnes um 7 Pfennige erzwingen.

Auch für die Gemeinde Hohenwarte brachte der Ausbau des deutschen Wasserkraftnetzes erhebliche Veränderungen mit sich. Durch den Bau der gleichnamigen Talsperre ab 1936 und der Pumpspeicherkraftwerke erlangte der Ort Bekanntheit.

Umsiedlung der Menschen

Stausee Hohenwarte

Der Bau der Stauseen und Talsperren brachte jedoch nicht für alle Anwohner im Saaletal positive Neuigkeiten. Zahlreiche Menschen mussten den Staumauern und den neu entstehenden Seen weichen und umgesiedelt werden. Die Gemeinde Preßwitz, eine Nachbargemeinde von Hohenwarte, lag früher dort, wo sich heute der Hohenwarte-Stausee befindet. Die Einwohner wurden enteignet und in die Gemeinde Hohenwarte umgesiedelt. Die Menschen mussten ihre Häuser und ihre Heimat aufgeben: Der Ort mit 27 Häusern, davon einige Bauernhöfe und kleinere Landwirtschaften sowie eine Kirche und ein Schulhaus, wurde nach Bau der Staumauer und nach der Umsiedlung aller 125 Einwohner geflutet. In die Kirche von Hohenwarte wurden einige sakrale Gegenstände aus der Preßwitzer Kirche überführt. Ansonsten erinnert nur noch die „Preßwitzer Spitze“, eine nach dem Ort benannte und aus dem Stausee aufragende Halbinsel, an das Opfer, das die Bewohner von Preßwitz damals bringen mussten.


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Wiebke Hillen
Aktualisierung: 12.04.2018

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