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Reportage

Wie der Metzenarsch zur Köllenspitze wurde

4 von Tabea Götze • 16.11.2017 • Reportage • Tannheimer Tal
  • Blick vom Gimpel auf die Köllenspitze
    Blick vom Gimpel auf die Köllenspitze
    Foto: Hartmut Wimmer, Outdooractive Redaktion

Als „Köllenspitze“ ist einer der höchsten Tannheimer Berge heute in allen Karten verzeichnet. So hieß der Berg allerdings nicht immer – vor dem Jahre 1854 war er als „Metzenarsch“ bekannt. Wie es zu der Namensänderung kam? Nur so viel: Die Hauptrollen in der Geschichte spielen ein abgestürzter Bergsteiger, eine Königin und ein peinlich berührter Kammerherr.



Die Eroberung der Berge

Holen wir aber zunächst einmal etwas weiter aus. Warum haben Berge überhaupt Namen? Und wer hat sie ihnen gegeben? Alte Bergnamen liefern uns heute oft faszinierende Einblicke in die Geschichte einer Region. In ihnen spiegelt sich die große Bedeutung wider, die die markantesten Punkte in der Landschaft seit jeher für die Alpenbewohner haben.

Einst vermuteten die Menschen in den Bergen böse Geister, dunkle Mächte und vielerlei Gefahren. Benannt wurden damals – wenn überhaupt – nur Passübergänge und Landschaften in Talnähe. Erst im Mittelalter, als die Täler nicht mehr zur Versorgung ihrer Bewohner genügten, überwanden diese ihre Furcht und eroberten nach und nach auch die höheren Lagen der Alpen. Sie benannten die Berge und Weideflächen nach ihren Besitzern, nach geologischen Eigenarten oder nach markanten Landschaftsmerkmalen. Die meisten Bergnamen entstanden also ganz natürlich aus dem alltäglichen Sprachgebrauch der einfachen, bäuerlichen Bevölkerung.

Rote Flüh und Gimpel, unten der Haldensee im Tannheimer Tal
Berggipfel · Tannheimer Tal

Köllenspitze (2238 m)

Berggipfel Köllenspitze (2238 m)
Tannheimer Tal
Die Köllenspitze ist der höchste der Tannheimer Berge. Es wird vermutet, dass ihr ...
von Patrick Schmidt,  Outdooractive Redaktion

Und damit zurück zum „Metzenarsch“ im Tannheimer Tal: Aus einer bestimmten Richtung betrachtet, erinnerte die Form seines Gipfels wohl jemanden an das Hinterteil einer „Matz“, also einer Prostituierten. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts blieb dieser Name erhalten. Denn damals, als das Bergsteigen zum Modesport wurde, erkannten immer mehr Alpenbewohner das touristische Potential der Berge. So auch im Tannheimer Tal.

Zu den begeisterten Alpinisten der Zeit gehörte sogar Königin Marie von Bayern, die Mutter des Märchenkönigs Ludwig II. Sie verbrachte den Sommer gerne in Elbigenalp im Lechtal und ließ sich dort regelmäßig über alle Vorkommnisse an den umliegenden Bergen unterrichten.

Die Legende vom Metzenarsch

Als im Sommer 1854 dann ein Münchner Bergsteiger am felsigen Gipfelaufbau des Metzenarsches abstürzte, stand der Legende nach der Kammerherr der Königin vor einem Dilemma. Wie sollte er der hohen Frau denn das Unglück schildern, ohne den vulgären Namen des Berges auszusprechen? In seiner Not setzte er sich sofort mit dem topografischen Büro in München in Verbindung und befahl die schnellstmögliche Umbenennung des Berges. Jedoch bereits am nächsten Tag sollte er gemeinsam mit dem örtlichen Förster bei der Königin Bericht erstatten. Bis dahin war der Kurier mit dem neu gewählten Bergnamen leider noch nicht eingetroffen.

Bergtour · Tannheimer Tal

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So versuchte der Kammerherr dann mit hochrotem Kopf, den Fragen der neugierigen Monarchin nach der Unglücksstelle auszuweichen. Diese ließ sich aber nicht beirren und forderte eine Antwort, bis der bodenständige Förster schließlich einwarf:

„Ja, Majeschtät, so gewissen Namen sein halt für die feina Herra gar so schwer zum aussprechen. Der Herr Tourist, wo gestern abgestürzt ist, der is am Tag vorher aufm ,Hochscheißer‘ gwesa, ganz guat isses ihm da ganga; na hat er auf da Alm gschlafe und isch in der Früh aufn ,Hundsarsch‘ ganga und nachher runter ins Tal und drübe hinauf auf den ,Metzenarsch‘, und da hats ihn halt derwischt.“

Trotz des traurigen Inhalts des Berichtes brach die Königin sogleich in ein herzhaftes Lachen aus, das so ansteckend war, dass sogar der Kammerherr mit einstimmen musste. Zum Tadel für seine Schamhaftigkeit rief sie ihm zu: „Gimpel!“. Doch der Förster wusste auch darauf eine schlagkräftige Antwort: „Na, Majeschtät, der Gimpel, das ist der Berg daneben!“.

Der Gimpel, von der Judenscharte aus gesehen
Berggipfel · Naturparkregion Reutte

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Beim Verlassen der königlichen Sommerresidenz kam dem Kammerherrn schließlich der lang ersehnte Kurier mit dem Schreiben des topografischen Büros entgegen. Man hatte den Metzenarsch ganz offiziell in „Köllenspitze“ umgetauft, nach der Senke „In der Kölle“ an seinem Fuße. Unter diesem Namen ist der Berg im Tannheimer Tal auch heute noch bekannt und lockt an schönen Sommertagen viele trittsichere Bergsteiger und Kletterer an. Dem Hundsarsch erging es übrigens ganz ähnlich, er ist heute als „Vilser Kegel“ in den Wanderkarten vermerkt. Nur das unterhalb liegende „Hundsarschjoch“ zeugt noch von seinem alten, anrüchigen Namen.


outdooractive.com User
Autor
Tabea Götze
Aktualisierung: 16.11.2017

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 Kommentar
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Andreas Meisner
Gestern
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christine Beer
24.11.2017
Interessante Geschichte! Man lernt immer was neues dazu!
Bewertung

Hans Lichnowski
24.11.2017
Unterhalb (östlich) des Hundsarschjoches gibt es auch noch die Hundsarschalpe.
Bewertung

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Karte / Wie der Metzenarsch zur Köllenspitze wurde

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