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Reportage

Flößerei im Schwarzwald

(1) von Lena Wiesler • 05.07.2017 • Reportage • Mittlerer Schwarzwald
  • Schwarzwälder Tannen wurden jahrhundetelang über Bäche in die Kinzig und von dort zum Rhein geflößt
    Schwarzwälder Tannen wurden jahrhundetelang über Bäche in die Kinzig und von dort zum Rhein geflößt
    Foto: Tourst Info Schiltach

Holz war bis ins 19. Jahrhundert nicht nur der wichtigste Energielieferant, sondern neben Stein auch der bedeutendste Baustoff. Das Gewölbe des Freiburger Münsters wurde mithilfe von Rüstbogen aus Holz errichtet, Boote und Wagen wurden aus Holz gebaut und sogar Teile Amsterdams stehen auf Schwarzwälder Tannen. Doch wie wurde das Holz in die ganze Welt transportiert? Man entschied sich für das schnellste und günstigste Transportmittel – die Flüsse.



Die Helden der Flüsse Enz, Nagold, Murg und Kinzig

Die Helden der Flüsse Enz, Nagold, Murg und Kinzig

 

Mit der steigenden Nachfrage nach Holz drangen die Holzhauer immer tiefer in die Wälder ein. Sie machten den Wald begehbar und legten Verbindungswege an, durch die die Baumstämme ins Tal gelassen wurden. Jeder, der Holz lieferte, hatte sein eigenes Zeichen, mit dem die Stämme markiert wurden. So konnte schlechtes Holz zurückverfolgt und die Lieferanten haftbar gemacht werden.

Park Flößerpark Wolfach

Park Park • Schwarzwald
Schwarzwald
Informationstafeln geben einen Einblick in Geschichte und Hintergründe der Flößerei und ein kleines ...
von Sonja Wälde,  Kinzigtal

Die Flüsse Enz, Nagold, Murg und Kinzig wurden für die langen Flöße ausgebaut. Um auf dem wenigen Wasser der Flüsse vom Schwarzwald bis an den Rhein zu gelangen, bedienten sich die Flößer eines Tricks: Sie ließen Wasser aus den Staubecken entlang des Flusses und fuhren auf dem so entstanden Schwall Wasser. Die Flößer waren einst ausgesuchte, tapfere und zuverlässige Leute. Stolz trugen sie ihre Trachten: dunkle Lederhosen, helle Gewänder aus Leinen, einen schwarzen Hut und lange Stulpenstiefel. Der Zollstab aus Messing blitzte wie ein Ehrenzeichen aus der Tasche hervor. Doch nur verheiratete Männer durften zur damaligen Zeit auf Reisen gehen. Zu Ehren der mutigen Männer hat man am Zusammenfluss der Wolf und der Kinzig einen Flößerpark errichtet, der Einblicke in die Geschichte und Hintergründe der Flößerei gibt

Harte und gefährliche Arbeit der Flößer

Harte und gefährliche Arbeit der Flößer

 

Die Arbeit auf dem Floß war hart, gefährlich und verantwortungsvoll: Die Flöße mit mehreren aneinander gehängten Gefährten konnten selbst auf kleinen Bächen bereits bis zu 300 m lang werden und wurden von nur wenigen Männern gefahren. Die mit bis zu 200 Baumstämmen beladenen Flöße mussten mit riesiger Geschwindigkeit um Felsen herum und über Steine hinweg gelenkt werden. Nicht selten wurden dabei Gliedmaßen zerquetscht, die Wirbelsäule gebrochen und Männer kamen durch Ertrinken ums Leben.

Das Leben auf dem Fluss

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Schwarzwälder Bote

Doch wie haben die Flößer einst gelebt und gearbeitet? Die Reise vom Schwarzwald bis an den Rhein und weiter in den hohen Norden dauerte meist mehrere Wochen. Um auf der langen Strecke bei Kräften zu bleiben und die harte Arbeit zu bewältigen, wurde die Mannschaft gut versorgt. Neben den üblichen Handelswaren aus landwirtschaftlichen und handwerklichen Produkten wie Wein, Töpferei und Textilien wurden für die Männer zahlreiche lebende Schweine und Ochsen mitgenommen, die unterwegs geschlachtet und gebraten wurden. Zudem wurden Tonnen an Brot und je nach Mannschaftsgröße literweise Bier transportiert. Wer die Tradition und Geschichte der Flößer erleben will, wandert am besten auf deren Spuren zwischen Wolfach und Schiltach.

Geschichte erleben

 

Wer tiefer in die Zeit der Flößerei eintauchen möchte, findet im Schwarzwald Museen, Feste und Wanderpfade, die an den über 700 Jahre lang wichtigsten Wirtschaftszweig erinnern. Vor allem im Kinzigtal lässt sich der Alltag eines Flößers anschaulich erleben: Ein 32 km langer Themenweg informiert über die Flößer und bei der Kinzigtäler Flößerwoche lässt sich miterleben, wie die Menschen im mittleren Schwarzwald gelebt und gearbeitet haben.

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Immenser Reichtum

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von Jens Teufel,  Genussregion Freudenstadt - Loßburg

Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte die Flößerei im Schwarzwald ihren Höhepunkt: Die Niederländer dehnten ihr Kolonialreich aus, bauten Flotten und Häfen und vergrößerten Amsterdam und Rotterdam. Das wertvolle Schwarzwälder Holz brachte den Holzhändlern immensen Reichtum und den unerschrockenen Flößern hohes Ansehen.

Die Entwicklung aber führte in den Flößerdörfern zu sozialen Spaltungen, wie sie woanders erst mit der Industrialisierung entstand. Mitte des 19. Jahrhunderts war vor allem der Nordschwarzwald weitgehend kahl und wurde so mit schnell wachsenden Nadelbäumen aufgeforstet.


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Autor
Lena Wiesler
Aktualisierung: 05.07.2017

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