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Reportage

Vom Trümmerhaufen zum Spionagezentrum: Die bewegte Geschichte des Teufelsbergs bei Berlin

von Johanna Scheffer • 25.04.2018 • Reportage • Berlin
  • Oben auf dem Teufelsberg an den ehemaligen Radarkuppeln
    Oben auf dem Teufelsberg an den ehemaligen Radarkuppeln
    Foto: Johanna Scheffer, Outdooractive Redaktion

Die fünf Radarkuppeln der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg sind weithin sichtbar. Von hier aus spionierten Amerikaner und Briten während des Kalten Krieges den Ostblock aus. Der Ort hat etwas von seiner geheimnisvollen Atmosphäre behalten, obwohl aus dem zeitweise verlassenen Gelände ein Ausflugsziel mit Eintrittsgebühr geschaffen wurde.



Ein Berg entsteht aus Weltkriegstrümmern

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von Johanna Scheffer,  Outdooractive Redaktion

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich an der Stelle des heutigen Teufelsberges nichts als Wald und Moor. In den 1930er Jahren planten die Nationalsozialisten hier eine Wehrtechnische Fakultät. Die nie ganz fertig gestellte Anlage wurde nach dem Krieg gesprengt. Dann begann die schrittweise Verwandlung des Ortes in Berlins zweithöchsten Berg: Über 20 Jahre lang wurde hier täglich Schutt aus dem kriegszerstörten Berlin abgeladen. Bis zum Jahr 1972 summierte sich das zu rund 26 Millionen Kubikmetern Weltkriegstrümmern. Mit Sand und Erde gestaltet und rund einer Million Bäumen bepflanzt, entstand der 120 Meter hohe Teufelsberg, der seinen Namen dem nahegelegen Teufelssee verdankt.

Futuristisch anmutende Kuppeln

Blick von den Kuppeln über den Grunewald

Der begrünte Hügel wurde dann bald mit futuristisch anmutenden Kuppeln bebaut, den fünf Randomen der neuen Abhörstation, die den Berg bis heute prägen. Bereits seit den 1960er Jahren versuchten Amerikaner und Briten hier mithilfe von Antennen, den Osten auszuspionieren. Später entstand eine feste Flugüberwachungs- und Abhörstation. Die Anlage wurde vorwiegend von der NSA betrieben und daneben von verschiedenen britischen Geheimdiensten genutzt und war Teil des internationalen Spionagenetzwerks Echelon.

Abhören im Dreischichtbetrieb

Fast der gesamte Ostblock wurde über Satelliten-Antennen abgehört, vom Zentralkomitee der SED bis hin zu Sowjetischen Militär-Einrichtungen: Gespräche auf Deutsch, Tschechisch, Russisch und Polnisch. Rund um die Uhr arbeiteten hier bis zu 1500 Leute im Dreischichtbetrieb. Jeden Tag wurden rund zwei Tonnen Papier mit nicht verwertbaren Informationen geschreddert und später verbrannt. Obwohl Briten und Amerikaner hier nebeneinander arbeiteten, deutet einiges darauf hin, dass sie sich dabei nicht notwendigerweise auch zuarbeiteten, Informationen wurden meist nicht ausgetauscht. Bis heute ist über die Details der Spionage-Tätigkeiten wenig bekannt, die US-Akten sollen erst im Jahr 2022 freigegeben werden.

Und nach dem Kalten Krieg ...

Street Art an den zunehmend verfallenden Gebäuden

Auf der sogenannten Field Station drehten sich die Satellitenschüsseln bis 1989. Mit dem Abzug der Amerikaner wurden die elektronischen Einrichtungen demontiert, die Anlage selbst aber noch bis 1999 zur Überwachung des zivilen Luftverkehrs genutzt. Nachdem die Stadt Berlin das Areal verkauft hatte, plante eine Investorengemeinschaft ein riesiges Freizeitgelände, das jedoch an juristischen Einwänden und am Widerstand von Umweltschützern scheiterte. Eine Zeit lang wurde der Teufelsberg zu einem verlassenen Ort, zum „Lost Place“, bis er im Jahr 2010 gepachtet, und eine organisierte Struktur geschaffen wurde.

Bis heute ein spannender Ort

Die maroden Gebäude und vor allem die imposanten Radarkuppeln der ehemaligen Station verleihen dem Ort eine geheimnisumwitterte, schauerliche Atmosphäre. Auf dem Gelände befindet sich eine der größten Street-Art Galerien Europas, geschaffen von internationalen Künstlern. Der Hügel wird gern von Mountainbikern, Spaziergängern und Ausflüglern genutzt. Die Straße dient Longboardern als Downhill-Strecke, die hier eine für Berlin rasante Abfahrt vorfinden. Gegen eine Eintrittsgebühr kann der geschichtsträchtige Ort begangen werden und auch Führungen sind möglich.

Der Teufelsberg in Berlin | Euromaxx


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Autor
Johanna Scheffer
Aktualisierung: 25.04.2018

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