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Reportage

Die Edelweiß-Räuber an der Höfats

(1) von Lena Wiesler • 14.09.2015 • Reportage • Allgäu
  • Edelweiß an der Höfats
    Edelweiß an der Höfats
    Foto: Immanuel Rapp Photography
Sie kraxeln über die rutschigen Grashänge empor, klettern über schroffe Felsen und haben dabei nur eines im Sinn: Edelweiß. Klammheimlich sind sie unterwegs in der alpinen Pflanzenwelt an den steilen, mit Gras bewachsenen Flanken des Wahrzeichens der Allgäuer Alpen – die Edelweiß-Räuber.

Edelweiß-Räuber auf Tour

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Edelweiß an der Höfats beinahe vollständig ausgerottet. Nicht nur Bergsteiger, Wanderer und Pflanzenliebhaber pflückten das Edelweiß, auch Einheimische sammelten büschelweise die streng geschützte Gebirgsblume, verkauften sie an Touristen und verdienten sich so ein Zubrot. Nicht selten sah man am Oberstdorfer Bahnhof Touristen mit Edelweiß-Sträußen in den Zug steigen. Doch dadurch reduzierte sich der Edelweißbestand an der Höfats rapide – bis Mitte der 1920er Jahre betrug er nur noch 10 % des Bestandes von 1900. Der sogenannte „Oberstdorfer Bergwachtkrieg“ flammte auf: Zusammen mit der Polizei riegelte die Bergwacht einmal mit 50 Mann das gesamte Höfatsgebiet ab und nahm alle Edelweiß-Räuber fest, worüber die einheimische Bevölkerung furchtbar empört war. Die Gemüter beruhigten sich nach und nach wieder, aber die „Edelweiß-Bewachung“ wurde fester Bestandteil der Allgäuer Bergwacht.
Foto: Immanuel Rapp Photography

Bergwachtposten an der Höfats

Biwak Biwakschachtel an der Höfats

Die Biwakschachtel der Bergwacht an der Höfats
Biwak Biwak • Allgäuer Alpen
Schlafplätze  keine
Höhe: 1.918 m
von Lena Wiesler,  Outdooractive Redaktion
Die räuberische Entwicklung veranlasste die Allgäuer Bergwacht, ab 1935 einen Zeltposten einzurichten. Auf einer waagrechten, schmalen Felsrippe unterhalb der Höfatsgufel auf 1996 m wurde ein kleines Zweimannzelt aufgestellt. Sommer für Sommer bewachten die Edelweißposten der Bergwacht die steilen Flanken der Höfats, stellten den Räubern nach und legten ihnen das Handwerk. Da aber der Aufenthalt für die Bergwächtler bei Regen, Gewitter oder sommerlichen Wintereinbrüchen im Zelt alles andere als angenehm war, reifte in den 1960er Jahren die Idee einer Biwakschachtel heran. Gesagt, getan. 1969 wurde mit dem Hubschrauber eine 6 m² große wetterfeste Biwakschachtel hinauf geflogen, die für so manches Bergwachtmitglied zur zweiten Heimat wurde.

Dank der Bergwacht konnte nicht nur das Edelweiß vor der Ausrottung bewahrt werden, auch die Zahl der tödlichen Abstürze an der Höfats ging rapide zurück. Das steigende Umwelt- und Naturbewusstsein der Menschen führte dazu, dass sich die Edelweißbestände in den letzten Jahren wieder gut erholt haben und eine permanente Überwachung des Gebietes nicht mehr notwendig ist. Seit 2007 ist die Biwakschachtel deshalb nicht mehr besetzt, dient aber weiterhin als Notunterkunft für Wanderer und Bergsteiger.

Die Höfats

Berggipfel Höfats (2258 m)

Höfats
Berggipfel Berggipfel • Allgäu
Allgäu
Die Höfats ist mit ihren 2259 m der wohl markanteste Berg in den Allgäuer Alpen. ...
Outdooractive Redaktion
Die 2259 m hohe Höfats ist mit ihren sehr steilen Flanken wohl der markanteste Allgäuer Grasberg und einzigartig in den Ostalpen. Es sind traumhafte Ausblicke, die sich von dort oben tief im Herzen einbrennen. Doch die Höfats ist nicht allein wegen ihres charakteristischen Aussehens über das Allgäu hinaus bekannt: Die extrem steilen Grashänge des Berges sind ideales Gelände für Edelweiß, das nur in einer solchen speziellen Umgebung wie der Höfats wächst. Heutzutage gibt es wieder deutlich mehr Edelweiß als in den 1920er Jahren, dennoch sind die Gebirgsblumen noch immer streng geschützt.

Aufgrund des Kieselgehalts der Hornsteine und der Aptychenkalke sind an der Höfats noch weitere botanische Kostbarkeiten zu finden: Neben Anemone, Aurikel und Enzian findet man hier auch die seltene Edelraute und Federgras. Die Höfats ist ein einzigartiger Blumenberg mit üppigen Beständen an alpiner Flora.

Nahe Oberstdorf gelegen, trennt die Höfats gemeinsam mit dem Rauheck und weiteren kleinen Gipfeln das Oytal vom Dietersbachtal. Der Gipfelaufbau der Höfats besteht von Nordwesten nach Südosten aus vier Einzelgipfeln: Westgipfel (2257 m), Zweiter Gipfel (2258 m), Mittelgipfel (2257 m) und Ostgipfel (2259 m). Die vier Gipfel teilen sich in zwei Gipfelpaare auf, die durch die Höfatsscharte (2207 m) voneinander getrennt sind.

Überschreitung der Höfats

Bergtour Höfats Überschreitung

Höfats von Osten
10.02.15
Bergtour Bergtour • Allgäu
schwer
13,2 km
7:00 Std.
1.045 m
940 m
(3)
von Hartmut Wimmer,  Outdooractive Redaktion
Für absolut erfahrene Bergsteiger ist die Überschreitung der Höfats – dem Allgäuer Wahrzeichen – ein unvergessliches Erlebnis. Der Weg führt vom Christlessee durch das langgezogene Dietersbachtal entlang des Dietersbachs und über schmal gewunden Pfade hinauf zu den vier nahezu gleich hohen Gipfeln der Höfats, die dem Berg sein charakteristisches und einzigartiges Aussehen verleihen. Steile Gras- und Schrofenhänge machen die Tour sehr anspruchsvoll, zumal Sicherungen nicht oder nur unzureichend vorhanden sind. Doch eine üppige alpine Flora mit seltenen Pflanzen und eine fantastische Aussicht von hoch oben belohnen für die Herausforderung. Absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Erfahrung im hochalpinen Gelände sind Voraussetzung.

outdooractive.com User
Autor
Lena Wiesler
Aktualisierung: 14.09.2015

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 Kommentar
outdooractive.com User
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Hartmut Wimmer
14.10.2015
Auf der Höfats gibt es echt die schönsten Edelweiß. Gottseidank hat sich das Schützen gelohnt.
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Schlagwörter

Top-Story Sommer
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Bergtour Höfats Überschreitung

Höfats von Osten
10.02.15
Bergtour Bergtour • Allgäu
schwer
13,2 km
7:00 Std.
1.045 m
940 m
(3)
von Hartmut Wimmer,  Outdooractive Redaktion

Biwak Biwakschachtel an der Höfats

Die Biwakschachtel der Bergwacht an der Höfats
Biwak Biwak • Allgäuer Alpen
Schlafplätze  keine
Höhe: 1.918 m
von Lena Wiesler,  Outdooractive Redaktion

Berggipfel Höfats (2258 m)

Höfats
Berggipfel Berggipfel • Allgäu
Allgäu
Die Höfats ist mit ihren 2259 m der wohl markanteste Berg in den Allgäuer Alpen. ...
Outdooractive Redaktion
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