Rodeln

Rodeln

Früher für Transportzwecke genutzt, ist Rodeln heute hauptsächlich Spaßaktivität für alle Laien und Profisport für die Könner. Auf Holzschlitten, Bobs oder Rennrodel geht es rasant bergab – ein Wintersport, der die breite Masse begeistert.


Rodeln, Schlitteln oder Schlitten fahren

Anders als im Profisportbereich, wo die Disziplin weltweit unter „Rodeln“ bekannt ist, unterscheiden sich die Bezeichnungen der winterlichen Freizeitaktivität je nach Region. Während in Österreich und Deutschland von „Rodeln“ gesprochen wird, gehen die Schweizer dagegen „schlitteln“. Entgegen vieler Meinungen wäre die Bezeichnung „die Rodel“ eigentlich korrekt, eingebürgert hat sich aber „der Rodel“.

Geschichte

Pferdeschlitten
Foto: Deutsche Fotothek, commons.wikimedia.org(CC-BY-SA-3.0-DE)
Der Schlitten ist wohl das älteste Gleitgerät, das der Mensch kennt. Schon die Ägypter nutzen die Geräte zum Bau der Pyramiden. Die ältesten noch erhaltenen Schlitten wurden in Norwegen entdeckt. Sie stammen aus der Zeit der Wikinger (etwa 8. Jh. n. Chr.) und wurden von dem Volksstamm ebenfalls als Transportmittel verwendet. Im Mittelalter waren vor allem Pferdeschlitten verbreitet, um schwere Lasten zu bewegen. Bereits gegen Ende dieser Epoche wurden die von Pferden, Hunden oder Rentieren gezogenen Schlitten nicht mehr nur als Arbeitsgerät, sondern auch für vergnügliche Spazierfahrten verwendet. Die ersten rodelnden Personen waren der Überlieferung nach schlesische Bergarbeiter, die mit den Holzgefährten Ende des 17. Jh. bereits zur Arbeit fuhren. Wenig später setzte sich in Russland die Aristokratie ebenfalls auf Schlitten und fuhr zum Vergnügen künstlich angelegte Bahnen hinab. Später, als sich im Laufe des 19. Jh. erste Rodelrennen entwickelten, wurden die einfachen Konstruktionen zunehmend professioneller. Die erste Rodelbahn der Alpen wurde 1879 in Davos in der Schweiz eingeweiht. Vier Jahre später fand auf genau dieser Bahn das erste internationale Wettschlitteln statt, welches zwei Sieger hervorbrachte: einen Schweizer und einen Australier. Die Geburtsstunde eines Profisports, der es bis zur olympischen Disziplin gebracht hat. 

Rodelarten

Auch bei Schlitten gibt es unterschiedliche Typen:
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Foto: Flominator, commons.wikimedia.org
Der traditionelle Hornschlitten: ein schwerer Schlitten mit großer Sitz-/Ladefläche. Er wurde in den Alpen dazu verwendet, im Winter Holz aus den Bergen und Heu von den Almen ins Tal zu transportieren. Heute wird diese Tradition in einigen Orten wiederbelebt: Bei traditionellen Hornschlittenrennen lenken die Besatzungen ihre „Schalenggen“ mit oder ohne Ladung hinab ins Tal.
Foto: Outdooractive Redaktion
Die einfachen Rodel wie Hörnerschlitten und Davoser Holzschlitten bestehen aus starren Konstruktionen, deren Kufen senkrecht zur Bahn stehen. Die Sitzflächen bestehen entweder aus Holzlatten oder aus geflochtenen Gurten. Ähnlich gebaute Schlitten sind heute auch aus Plastik erhältlich. Touren- oder Sportrodel haben dagegen ein flexibleres Grundgerüst als die einfachen Rodel und einen festen Lenkriemen. Die Kufen sind schräg zur Bahn geneigt, außerdem ist die Sitzposition tiefer, um ein Kippen zu verhindern.
Foto: MEINE HEIMAT, flickr.com(CC BY-ND 2.0)
Spaßgeräte: Heute gibt es zahlreiche Varianten, wie man einen schneebedeckten Berg hinabfahren kann. Von Plastikschlitten über einen Zipflbob bis hin zu Schlauchreifen ist alles möglich. Diese Geräte sind jedoch nur für Rodelhänge geeignet, keinesfalls für Rodelbahnen! Wer dennoch mit Schlauchreifen fahren möchte, für den eignen sich speziell darauf ausgerichtete Snowtubing-Bahnen.
Worauf man beim Rodelkauf achten sollte: Für richtige Rodeltouren sind Plastikbobs und -schlitten ungeeignet. Wer einen Holzrodel kauft, sucht sich am besten einen aus Eschenholz aus. Außerdem sind bei hochwertigen Schlitten die Latten stabil und splitterfrei und alle Ecken abgerundet. Die Kufen sollten bis über die Enden verlaufen und die Lenk- bzw. Zugeinrichtung sollte stabil verarbeitet sein. Bei einem kurzen Probeziehen kann festgestellt werden, ob die Kufen parallel laufen.

Pflege

Auch ein Holzschlitten braucht Pflege:
  • Wartung: Schlitten sollten so wenig wie möglich der prallen Sonne ausgesetzt werden. Außerdem empfiehlt es sich, die Kufen unmittelbar nach der Nutzung abzutrocknen, um einen Rostansatz zu verhindern.
  • Lagerung: Am besten mit gewachsten Schienen und gelockerten Schienenschrauben lagern. Das Gerät sollte an einem trockenen, kühlen Ort liegen oder frei stehen, jedoch nicht beschwert oder einseitig angelehnt werden.
  • Vor der Wintersaison: Zu Beginn der Rodelsaison sollte man die Schienen (am besten mit einem Schleifband, Körnung 50-80) schleifen, mit Wachsentferner reinigen und neu einwachsen. Bei Sport und Rennrodel werden außerdem die Innenkanten geschärft und die Außenkanten gebrochen.

Ausrüstung

Hat man die richtige Ausrüstung dabei, steht einem winterlichen Rodelvergnügen nichts mehr im Wege:
  • Festes Schuhwerk: Rodelschuhe oder Bergschuhe mit fester Sohle bzw. gutem Profil (für Rodelprofis gibt es auch nachträglich einbaubare Bremsplatten für die Schuhsohle).
  • Winter- und wasserfeste Kleidung: Nicht nur warme, sondern zusätzlich wasserabweisende Jacken, Hosen und Handschuhe sind wichtig, vor allem für die Rodelabfahrt. Nach einem anstrengenden Aufstieg empfiehlt es sich außerdem, Wechselbekleidung dabei zu haben.
  • Vor allem auf steilen und kurvigen Strecken, wo häufig gebremst werden muss, landet viel Schnee nicht nur auf dem Körper, sondern auch im Gesicht des Rodlers. In diesem Fall sorgt eine Skibrille für den nötigen Durchblick während der Abfahrten.
  • Eventuell Helm. Kinder sollten immer mit Helm rodeln.
  • Stirn- oder Taschenlampe für Nachtfahrten
  • Sonnencreme an warmen, sonnigen Tagen

Unbedigt beachten

Damit Rodeln für alle Beteiligten zum Erlebnis wird, sollte man Folgendes beachten:
  • Gute Ausrüstung: Festes Schuhwerk, warme und wasserfeste Kleidung, Helm, Skibrille, Handschuhe sowie evtl. eine Taschen- oder Stirnlampe. Einen Rodel mit Riemen zum Lenken. Plastikbobs sind vor allem für Naturrodelbahnen ungeeignet.
  • Die Sitzflächen des Schlittens schneefrei halten.
  • Immer hilfreich: sich beim Aufstieg bereits schwierige und markante Stellen der Rodelbahn einprägen (z. B. scharfe Kurven, Hindernisse…).
  • Gruppen sollten beim Aufstieg immer hintereinander auf einer Wegseite laufen. So werden gefährliche Situationen mit hinabfahrenden Rodlern vermieden.
  • Sowohl abfahrende als auch aufsteigende Schlittenfahrer sollten niemals in einer unübersichtlichen Kurve stehen bleiben.
  • Vorsichtig fahren, vor allem, wenn man den Streckenverlauf nicht kennt. Vereiste Stellen und Pisten mit großer Vorsicht überqueren.
  • Den Witterungsbedingungen entsprechend fahren. Auch Strecken, die als leicht eingestuft sind, können bei Eis o. ä. Gefahren bergen.
  • Auf Rodelbahnen, die von Autos befahren werden, ist besondere Vorsicht geboten! Immer vergewissern, dass die Abfahrt für Rodler freigegeben ist!
  • An unübersichtlichen Stellen durch Rufe auf sich aufmerksam machen.
  • Vor allem bei Nachtrodelfahrten wichtig: an geeigneten Stellen auf die anderen Gruppenmitglieder warten und sich vergewissern, dass die Gruppe vollzählig ist.
  • Nicht vergessen: Alkohol beeinträchtigt das Reaktionsvermögen – auch beim Rodeln.
  • Niemals kopfvoran auf dem Rodel liegend abfahren!

Profisport

Rodeln wird nicht nur als winterliche Freizeitbeschäftigung betrieben, sondern auch als anspruchsvoller Profisport.

Die Entdeckung dieser Sportart war eher zufällig. Anfang des 18. Jh. war der Schlitten das Hauptverkehrsmittel der Wald- und Bergbauarbeiter und auch die Kinder nutzten ihn, um von den Bergen in die Schule zu gelangen. Dadurch, dass auf diesen Wegen gleichzeitig Holz mit den Schlitten ins Tal gebracht wurde, ergab es sich, dass die Wände der tief verschneiten Waldwege stetig fester und stabiler wurden. Das wurde von den Rodlern voll ausgenutzt, die vor den Kurven nun nicht mehr abbremsen mussten. Später begann man dann damit,  die Wände zusätzlich mit Wasser zu vereisen. 1910 wurde in Reichenberg (heutiges Tschechien) die erste vollständig vereiste Wettkampfbahn präpariert – die Kunstbahn war geboren.

1913 gründeten die Schweiz, Österreich und Deutschland den Internationalen Schlittensportverband, der 1914 die erste Europameisterschaft auf der Bahn in Reichenberg veranstaltete. Nach den beiden Weltkriegen wurden die ersten Rodel-Weltmeisterschaften 1955 in Olso ausgetragen. Eine Trennung zwischen Kunst- und Naturbahnrodeln fand schließlich 1964 statt, als das Kunstbahnrodeln zur Winterolympiade in Innsbruck als olympische Disziplin aufgenommen wurde.

Beim Kunstbahnrodeln liegt der Sportler flach auf dem Rodel, das Lenken erfolgt über die Körperneigung. Durch die Körperhaltung, die Fliehkräfte und die Abfahrt auf der sogenannten Ideallinie ist der Rodler einer ungeheuren körperlichen Belastung ausgesetzt. Zudem erreicht er eine enorme Geschwindigkeit: Auf einer Bahn in Salt Lake City können Athleten beispielsweise bis zu 145 km/h schnell werden.

Eine Abfahrt durch die Eisbahn, Rennrodelweltcup Königssee 2013

Schlittenfahren mit Kind und Hund

Wer sich mit Kindern oder Hunden zu einer Rodeltour aufmacht, sollte einige Dinge beachten. Denn vor allem dann, wenn man über den Abfahrtsweg gleichzeitig aufsteigt, kann es zu riskanten Situationen kommen. Daher:
Foto: Allie_Caulfield, flickr.com(CC BY 2.0)
  • Den Hund unbedingt an die Leine nehmen. Frei umherlaufende Hunde sind sich oft unschlüssig, in welche Richtung sie abfahrenden Rodlern ausweichen sollen und werden so zum Risikofaktor auf der Rodelbahn. Gleichzeitig können sie abfahrenden Personen Angst machen, da vor allem große Hunde all denen, die auf einem Schlitten sitzen, auf Augenhöhe begegnen.
  • Auch Kinder wissen häufig nicht, wie sie auf entgegenfahrende Rodler reagieren sollen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Kinder notfalls an die Hand zu nehmen und vor dem Aufstieg die Verhaltensregeln zu besprechen. Wichtige Regeln sollten sein: Augen immer nach oben, zusammen auf eine Seite ausweichen und Schlitten hinter sich an den Rand ziehen, sobald jemand entgegenkommt.
  • Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass Kinder beim Rodeln leicht auskühlen können, vor allem, wenn die Kleinen hinten auf dem Schlitten sitzend den Berg hinaufgezogen werden. Hier hilft eine Decke.
  • Ist man mit Kindern unterwegs und bemerkt beim Aufstieg, dass die Bahn sehr viele Eisflächen aufweist, sollte man sich sicherheitshalber für eine andere Strecke entscheiden. Eisflächen können Kinder schnell überfordern und so zu gefährlichen Situationen führen.

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