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Reiseziel 90° 0′ 0″ N – Urlaub am Nordpol

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Packeisschollen in der Arktis. Foto: Armin Wirth

Wofür Forscher wie Andreé, Nansen, Cook oder Peary in den letzten 200 Jahren ihr Leben riskiert und einige auch gelassen haben, ist im 21. Jahrhundert ein nahezu unbeschwertes Urlaubsvergnügen – eine Reise zum nördlichsten Punkt der Erde, dem geographischen Nordpol. Für den geneigten Hobby-Polarforscher stehen heutzutage zahlreiche Angebote von unterschiedlichen Reiseanbietern zur Verfügung. Ob man die 90° nördliche Breite mit dem Hundeschlitten, einem russischen Atomeisbrecher oder dem Flugzeug erreicht, bleibt jedem selbst überlassen. Doch eines hat sich in den letzten 200 Jahren nicht geändert: Ganz billig ist eine Expedition zum Nordpol auch heute nicht.

Das Wettrennen zum Nordpol
1897 startete der Schwede Salomon Andreé mit dem Gasballon von Spitzbergen in Richtung Nordpol. Nachdem der Ballon bei 83° nördlicher Breite abstürzte, mussten Andreé und seine zwei Begleiter sich zu Fuß zurück nach Spitzbergen durchschlagen, starben dort jedoch an verseuchtem Eisbärenfleisch, das sie auf ihrer Expedition zu sich genommen hatten. Der Norweger Fridtjof Nansen segelte 1893 mit seinem Schiff „Fram“ gen Norden und versuchte, mit drei Schlitten, 28 Hunden und zwei Kajaks zu Fuß zum Nordpol zu gelangen. Er erreichte sein Ziel nie und musste bei 86° 4′ nördlicher Breite umkehren. Ähnlich erging es dem US-Amerikaner Robert Edwin Peary 1905/1906. Er scheiterte bei 87°6′ Nord und verlor acht Zehen durch Erfrierung. Trotzdem brach er wenig später erneut in die Kälte auf und erklärte nach seiner Rückkehr, am 6. April 1909 den Nordpol betreten zu haben – Beweise dafür gibt es allerdings keine. Einer behauptete, vor Peary dort gewesen zu sein: Frederick Albert Cook. Die Entdeckung des Pols wurde ihm aber bereits 1910 nach Prüfung seiner Aufzeichnungen wieder aberkannt und er selbst des Betrugs bezichtigt. So gilt bis heute offiziell Robert Peary als erster Mensch am Nordpol. Dabei geht die Wissenschaft mittlerweile davon aus, dass dieser erst viele Jahre später zum ersten Mal betreten wurde – von Sir Walter William Herbert. Seine Expedition, die mit Hilfe von Flugzeugen aus der Luft versorgt wurde, erreichte am 6. April 1969 zu Fuß den Nordpol.

Eine Kreuzfahrt auf dem Atomeisbrecher
Heute ist die Reise zum Nordpol wesentlich einfacher und komfortabler. Anbieter wie Arktis Reisen Schehle, Leguan Reisen, quark expeditions oder POLARADVENTURES laden zu einer polaren Kreuzfahrt auf den Atomeisbrechern „YAMAL“ und „50 years of victory“ ein. Dabei wird neben dem leiblichen Wohl der Urlauber auch für ihre Freizeitgestaltung gesorgt: mit Vorträgen, einer Bibliothek, einem Gymnastikraum und Schwimmbad sowie Ausflügen im Schlauchboot oder dem Helikopter. Am Nordpol, dessen Erreichen übrigens bei keinem seriösen Anbieter garantiert wird, findet ein Picknick oder Barbecue statt und besonders Mutige dürfen sogar ein kurzes Bad im Polarmeer wagen. Im Anschluss bekommt jeder erfolgreiche Nordpolreisende in einer feierlichen Zeremonie sein Nordpol-Diplom überreicht. Diesen Spaß muss er allerdings je nach Anbieter auch mit 15 000 – 23 000 Euro bezahlen.

Der günstigste Weg zum Nordpol - einmal mit dem Flugzeug darüber fliegen. Foto: Armin Wirth.

Nonstop zum Nordpol und zurück
Wesentlich günstiger ist das Angebot von Polarflug. Hier kann man schon ab 666 Euro den Nordpol mit dem Flugzeug überfliegen. Aber Vorsicht – die billigen Plätze liegen im Inneren des Flugzeugs, ohne direkten Blick auf den nördlichsten Punkt der Erde. Den teuersten Ausblick genießt man in der Polar Comfort Class für 2499 Euro. Immer dabei: ein Film- und Vortragsprogramm, ein arktisches Menü, die kürzest mögliche Weltumrundung und eine Champagnertaufe.

Abenteuer Nordpol
Wer anstatt modernem Komfort auf seiner Nordpolreise das wohldosierte Abenteuer sucht, wird vielleicht im Programm von VICAAR „Victory of arctic and antarctic research“ fündig. Von einer dreitägigen Reise mit Helikopterflug und Übernachtung im beheizten Zelt im Eiscamp Barneo für 9 900 Euro, über die siebentägige Hundeschlittentour mit drei Übernachtungen im Expeditionszelt in der Arktis für 18 900 Euro bis hin zur dreiwöchigen Ski-Expedition durch das Ewige Eis für 19 900 Euro – hier findet jeder sein Abenteuer. Im Preis inbegriffen ist sogar ein zweiminütiges Gespräch mit dem Satellitentelefon vom Nordpol, damit man seine Lieben zu Hause an der erfolgreichen Eroberung teilhaben lassen kann.

Nordpol für Jedermann?
Auch wenn sich zumindest einige der Reisen nach Erholungsurlaub anhören – unterschätzen sollte man eine Nordpolreise nie. Egal ob zu Fuß oder mit dem Eisbrecher, man befindet sich in einer lebensfeindlichen Zone und muss die passende Ausrüstung haben. Diese wird zu großen Teilen von den Veranstaltern gestellt und ist im Preis inbegriffen. Einiges muss man jedoch selbst noch besorgen – wie beispielsweise die Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 40 oder eine Sonnenbrille mit hundertprozentigem UV-Schutz. Jeder, der eine Polarexpedition wagen will, sollte sich vorher von seinem Arzt eine gute Gesundheit bestätigen lassen und eine Auslandsreiseversicherung abschließen, die ausdrücklich die Rückholung aus polaren Gebieten einschließt – auch wenn natürlich jeder hofft, darauf nie angewiesen zu sein.

Man muss also kein Nansen, Cook, Peary oder Herbert sein, um einmal auf dem nördlichsten Punkt der Erde zu stehen.

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