Lutherkirche
Erst 1673 erlaubte die Landesherrin Christine Charlotte den Lutheranern im reformierten Leer, eine eigene Kirche zu bauen. 1675 entstand ein einräumiger Backsteinbau, für den die Fürstin die Steine des abgebrochenen Klosters Thedinga stiftete. Steine im sog. "Klosterformat" sind im unteren Teil des Turmes noch sichtbar. Bald wurde die Kirche für die schnell wachsende Gemeinde zu klein. Mehrere Anbauten (1706 und 1710 im Westen, 1738 ein kurzer Kreuzarm im Norden, 1793 im Chor, 1882 an der Südseite) ließen einen Raum mit dem Charakter eines Zentralbaues entstehen. 1766 bekam die Kirche ihren schon lange geplanten Glockenturm mit barocker Haube und Laterne. Das barocke Westportal stammt aus dem Jahre 1710.
Die ursprüngliche Ost-West-Ausrichtung der Kirche wird durch das hölzerne Tonnengewölbe (1910) betont. Zu den flach gedeckten Kreuzarmen hin öffnet sich das Kirchenschiff in breiten Arkaden. Die einheitliche, ornamentale Ausmalung im Stile des Neobarock (Beginn des 20. Jh.) zeigt Darstellungen von Christus und den Evangelisten sowie von Personen, die in Ostfriesland herrschten. Ältestes Inventar der Kirche ist der mit Wappen geschmückte, stark restaurierte Kanzelkorb aus der 1. Hälfte des 16. Jh.
Die dreimanualige Orgel mit 39 Registern, die ihren Platz auf einer Ostempore über dem Altar hat, wurde 2002 von der Werkstatt Jürgen Ahrend, Leer-Loga, geschaffen. Der Prospekt stammt von Hinrich Just Müller, Wittmund (1790-95).
Text: Monika van Lengen (Inseln der Ruhe. Kirchen in Ost-Friesland. Norden 1996)