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Wildfräuleinstein

 
87541 Bad Hindelang

Wildfräuleinstein

Die Wilden Fräulein im Hintersteiner Tal

An den Bergabhängen östlich von Hinterstein, gegen den oberen Berg und den Bschießer zu, befindet sich in einer Felswand eine Grotte, die durch eine Art Querwand in zwei Abteilungen geschieden ist, jedoch so, daß beide durch eine Öffnung miteinander in Verbindung stehen. Das ist der Wildfräuleinstein und hat den Namen davon, daß hier vor uralten Zeiten wilde Fräulein hausten. Sie wohnten in den beiden Höhlungen, wovon sie die eine als Stube, die andere als Gade (Schlafstube) benutzten. Wie viel es solcher Fräulein waren weiß man nicht, aber das weiß man noch, daß einige folgende Namen hatten: Rezabell, Stutzamutz, Hurlahutsch, Ahudlamutz und Gertrudle. Von den Berghoibern und Hirten wurden sie oft gesehen, waren den Leuten gut gesinnt, taten niemand Schaden und kamen bis zu den Häusern in Hinterstein herab. Sie müssen sich wohl mit dem Spinnen und Weben beschäftigt haben, denn sie besaßen eine stattliche Tuchbleiche, wo sie oft ihr Tuch ausbreiteten. Merkwürdigerweise war diese Bleiche an einer Stelle, wo weit und breit kein Wasser zu finden ist. Zuweilen traten sie mit den Talbewohnern in Verbindung und so kam es sogar vor, daß sie mit ihnen Ehebündnisse eingingen. So heiratete einmal so ein wildes Fräulein einen Hindelanger, aber nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß niemand es beim Namen nennen dürfe, denn würde man bei der Namengebung zufällig seinen wirklichen, rechtmäßigen Namen treffen, so müßte es 

sogleich fort. Beide lebten in glücklicher Ehe. Auch die Nachbarn hatten die Frau sehr lieb und schätzten sie wegen ihres Fleißes hoch. Einmal war sie nun beschäftigt das Kraut im Garten abzuwurmen, als ein Weib des Weges kam und ihr zurief: ,,0 mei liebs Gertrüdle, wie freasset die Würmle ding Krütle zämet.“ Da wurde sie leichenblaß, fing an zu weinen und zu jammern und klagte gar bitter, daß sie nun nicht mehr bleiben dürfe. Da das Weib ihren Namen genannt hatte, verschwand sie und kam nie wieder. Zu einer anderen Zeit geschah es, daß sich der Hintersteiner Geißhirt beim Hüten viel in der Nähe des Wildfräuleinsteins aufhielt. Er saß täglich stundenlang auf einem Felsblock, von wo er das Tal und seine Geißen gut überblicken konnte. Zur Kurzweil befaßte er sich mit Holzschnitzen. Wenn er dann des anderen Tags wiederkam, fiel ihm auf, daß stets alle Holzabfälle und Späne von seinem steinernen Tisch sauber abgekehrt waren, wußte aber nicht wie das zuging. Wie er nun wieder einmal beim ,,Schnipfle“ auf dem Stein saß, bemerkte er überrascht eines der wilden Fräulein, das ihm schon lange verstohlen zugeschaut haben muß. Es zeigte sich freundlich gegen ihn und ließ sich ins Gespräch mit ihm ein. Da erfuhr er, daß sie es war, die ihm täglich den Tisch so sauber gemacht hatte. Er fand immer mehr Gefallen an ihr und es dauerte nicht lange, so war das wilde Fräulein des Geißers Weib. Beide zogen ins Lechtal und ließen sich dort nieder.

Quelle

Gästeinformation Bad Hindelang
www.bad-hindelang.de
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