1 Der Reiz der hohen Gipfel
1.1 Abgrenzung
Hochtouren führen normalerweise durch die Nivalzone (ganzjährig schnee- oder eisbedeckt), das heißt, die Touren verlaufen meist über 3.000 Höhenmeter, sind häufig weglos und erfordern daher spezielle Ausrüstung wie Steigeisen, Pickel und Sicherungsmaterial (Karabiner, Klettergurt, Seil etc.). Ungesicherte Kletterpassagen in Fels und/oder Eis sind möglich. Aufgrund der Höhenlage und der Länge des Zustiegs dauern Hochtouren meistens länger als ein Tag, übernachtet wird normalerweise in Hütten. Zudem bestehen eine Vielzahl an alpinen Gefahren, weshalb diese Art des Bergsports nur erfahrenen Alpinisten vorbehalten ist. Es gibt jedoch leichtere Hochtouren, die in Begleitung eines Bergführers auch für weniger Erfahrene möglich sind.
1.2 Geschichte
Im Gegensatz zu alpinen Bergtouren, die eher Wanderungen auf Pfaden und Wegen im Gebirge ähneln und ohne jegliche Kletterausrüstung wie Seil und Sicherungsgerät durchgeführt werden, handelt es sich bei Hochtouren um das Bergsteigen in Höhenstufen mit ganzjähriger Eisbedeckung. Der Begriff selbst wurde im Alpenraum geprägt, wo viele Berge mit mehr als 3000 m Höhe vergletschert sind. Erste wichtige Besteigungen, die den Grundstein für das heutige Hochtouren-Gehen legten, waren 1762 die des Ankogels (3262 m), des Mont Blancs (4810 m) im Jahre 1786 oder des Ortlers (3905 m) 1804. Der Unterschied zu normalen Bergtouren besteht vor allem darin, dass Hochtouren aufgrund der oftmals großen technischen und körperlichen Schwierigkeiten bei der Gipfelbesteigung einen sehr hohen Material- und Ausrüstungsbedarf aufweisen, Bergtouren dagegen in der Regel ohne jegliche Hilfsmittel gemacht werden.
2 Worauf achten bei Hochtouren
In den großen Höhen der Gletscher klettert die Gefahr von Stürzen in Gletscherspalten immer mit. Deshalb zählen Sicherungsseile, Steigeisen, Klettergurt, Sicherungsgerät und Eispickel zu der Grundausrüstung eines jeden Hochtouren-Gehers. Seilschaften werden gebildet, um den Gefahren des Aufstiegs gemeinsam in der Gruppe zu begegnen. Zu den physischen Gefahren des Berges kommen noch weitere Risiken, denen sich Hochtouren-Gehern stellen müssen. Die dünne Luft in großen Höhen führt zu Sauerstoffmangel und kann schwere Höhenkrankheiten zur Folge haben, weshalb sich die Alpinisten im Vorfeld längeren Höhenakklimatisierungsphasen unterziehen müssen. Hochtouren sind kraftraubende, sportlich fordernde Unternehmungen, bei denen weniger die technisch anspruchsvolle Kletterei, wie beim Sportklettern, das größte Risiko darstellt, als die häufig schnell wechselnden Wetterbedingungen in der Kälte großer Höhen. Wissen und Erfahrung über Eis- und Schneeverhältnisse sowie Wetterbedingungen und die Berge sind genauso unerlässlich, wie Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Erfahrung im Klettern auf Fels und Eis.
3 Schwierigkeitsskala
Aufgrund der unterschiedlichen Einflüsse und der wechselhaften Bedingungen auf einer Hochtour ist die Festlegung fixer Schwierigkeitsskalen äußerst kompliziert. Es können mehrere Bewertungssysteme verwendet werden, wobei es sich bei der Bewertung von Hochtouren als wichtig herausgestellt hat, den Fokus auf die Ernsthaftigkeit der Tour (Tourenlänge, Kontinuität der Anforderungen, objektive Gefährdung, Ausgesetztheit, Absicherungsqualität, Brüchigkeit, etc.) zu legen, und weniger auf die technischen Schwierigkeiten der Kletterpassagen. Die Touren bei outdooractive können daher anhand der UIAA-Skala sowie der Westalpenskala ( SAC-Berg- und -Hochtourenskala ) bewertet werden.
3.1 UIAA-Skala
I Grad:
Fels:
Geringe Schwierigkeiten. Einfachste Form der Felskletterei (doch kein leichtes Gehgelände!). Die Hände sind zur Unterstützung des Gleichgewichtes erforderlich. Anfänger müssen am Seil gesichert werden. Schwindelfreiheit ist bereits erforderlich.
Firn und Gletscher:
Einfache Firnhänge, kaum Spalten
II Grad:
Fels:
Mäßige Schwierigkeiten. Hier beginnt die Kletterei, welche die Drei-Punkt-Haltung erforderlich macht.
Firn und Gletscher:
In der Regel wenig steile Hänge, kurze steilere Passagen, wenig Spalten. Rückzug immer möglich.
III Grad:
Fels:
Mittlere Schwierigkeiten. Zwischensicherungen an exponierten Stellen empfehlenswert. Senkrechte Stellen verlangen bereits Kraftaufwand. Geübte und erfahrene Kletterer können Passagen dieser Schwierigkeit noch ohne Seilsicherung erklettern.
Firn und Gletscher:
Steilere Hänge, gelegentlich bereits Standplatzsicherung notwendig. Viele Spalten, kleiner Bergschrund. Rückzug unter Umständen bereits problematisch.
IV Grad:
Fels:
Große Schwierigkeiten. Hier beginnt die Kletterei schärferer Richtung. Erhebliche Klettererfahrung notwendig. Längere Kletterstellen bedürfen meist mehrerer Zwischensicherungen. Auch geübte und erfahrene Kletterer bewältigen Passagen dieser Schwierigkeit gewöhnlich nicht mehr ohne Seilsicherung.
Firn und Gletscher:
Sehr steile Hänge, meistens Standplatzsicherung erforderlich. Viele Spalten, grosser Bergschrund. Rückzug nur noch selten möglich.
V Grad:
Fels:
Sehr große Schwierigkeiten. Zunehmende Anzahl an Zwischensicherungen ist die Regel. Erhöhte Anforderungen an körperliche Voraussetzungen, Klettertechnik und Erfahrung. Lange hochalpine Routen im Schwierigkeitsgrad V zählen bereits zu den ganz großen Unternehmungen in den Alpen und außeralpinen Regionen.
Firn und Gletscher:
Anhaltendes Steilgelände, durchgehende Standplatzsicherung
VI Grad:
Fels:
Überaus große Schwierigkeiten. Die Kletterei erfordert weit überdurchschnittliches Können und hervorragenden Trainingsstand. Große Ausgesetztheit, oft verbunden mit kleinen Standplätzen. Passagen dieser Schwierigkeit können in der Regel nur bei guten Bedingungen bezwungen werden.
Firn und Gletscher:
Sehr steile und senkrechte Stellen erfordern Eiskletterei.
VII Grad:
Fels:
Außergewöhnliche Schwierigkeiten. Ein durch gesteigertes Training und verbesserte Ausrüstung erreichter Schwierigkeitsgrad. Auch die besten Kletterer benötigen ein an die Gesteinsart angepasstes Training, um Passagen dieser Schwierigkeit nahe der Sturzgrenze zu meistern. Neben akrobatischem Klettervermögen ist das Beherrschen ausgefeilter Sicherungstechnik unerlässlich.
Firn und Gletscher:
Extrem steil, überhängende Stellen mit Eiskletterei.
+/- :
Zwischenstufen geben an, ob die Wertung jeweils an der oberen (+), bzw. unteren (-) Grenze des genannten Schwierigkeitsgrads liegt.
3.2 Westalpenskala / SAC-Berg- und -Hochtourenskala
F = facile (L, leicht für Geübte)
Einfachste Route über Gletscher. Im Fels bewegt sich die technische Schwierigkeit um I: Die Hände werden nur zum Stützen des Gleichgewichts verwendet.
PD = peu difficile (WS, wenig schwierig)
Die technische Schwierigkeit bewegt sich um II. Die Routenwahl ist leicht, und der erfahrene Amateur kann die Anforderungen an die Führungstechnik meistern. Bei einem Wettersturz ist der Rückzug rasch möglich.
AD = assez difficile (ZS, ziemlich schwierig)
Die technische Schwierigkeit bewegt sich um III. Die Routenwahl verlangt bereits ein geschultes Auge. Führungstechnisch wird gute Seilhandhabung und Sicherungstechnik vorausgesetzt. Bei einem Wettersturz können die Verhältnisse bereits sehr schwierig werden.
D = difficile (S, schwierig)
Die technische Schwierigkeit bewegt sich um IV. Die Touren sind lang und anforderungsreich. Die Routenwahl verlangt viel Erfahrung. Viele der großen alpinen Touren fallen in diesen Bereich. Die Führungstechnik muss effizient sein und erfordert vom Seilersten viel Routine und absolute Sicherheit.
TD = très difficile (SS, sehr schwierig)
Die technische Schwierigkeit bewegt sich um V. Die Routenwahl ist sehr schwierig und bei falscher Einschätzung kann ein Rückzug gefährlich oder fast unmöglich sein. Touren dieser Art gehören zu den ganz großen Unternehmungen der Alpen.
ED = extrêmement difficile (AS, äußerst schwierig)
Die technische Schwierigkeit bewegt sich um VI. Die Routen können sehr unübersichtlich sein und Sicherungspunkte weitgehend fehlen. Der Rückzug ist nur noch unter sehr großem Risiko möglich. Diese Touren sind wenigen Spezialisten, die in allen Bereichen große Erfahrung haben, vorbehalten.
EX/ABO = exceptionellement dfficile or abominable (EX, extrem schwierig)
Einige der modernsten Touren übersteigen den Schwierigkeitsgrad ED noch.
+/- :
Zwischenstufengeben an, ob die Wertung jeweils an der oberen (+), bzw. unteren (-) Grenze des genannten Schwierigkeitsgrads liegt.
3.3 Steilheit Eis
Für die Messung der Steilheit der Eisflächen auf Hochtouren wird bei outdooractive die WI-Skala (Water Ice – Skala) herangezogen:
Skala Steilheit
WI1: 40°- 60°
WI2: 60° - 70 °
WI3: 70° - 80°
WI4: 80°
WI5: 85° - 90°
WI6: 90°
WI7: 100° + / überhängend
4 Wie werden Hochtouren bei outdooractive.com bewertet?
Die vergebenen Punkte (1 bis 6) sind Richtwerte, die jeweils an die Region angepasst sind. So unterscheiden sich die Maßstäbe zum Beispiel in Landschaften in Küstenregionen deutlich von denen in einer Alpinlandschaft, bieten aber letztendlich einen guten Anhaltspunkt.
Kondition
Technik
Erlebniswert
Landschaft
Zusätzlich zu diesen vier Kriterien, deren Einstufung vom Autor selbst vorgenommen werden kann, gibt es zudem eine generelle Bewertung der Tour. Diese basiert auf Einschätzungen von Community-Mitgliedern, die diese Tour bereits gegangen sind. Häufig finden sich hier auch aktuelle Bedingungen und weitere Tipps.
5 Gefahrenpotenzial
Die arabischen Ziffern 1-6 benennen das Gefahrenpotenzial bei Hochtouren. Dieses wird aus Variablen wie Absicherungsqualität, Brüchigkeit, Hangneigung, Lawinengefahr, Wechten, Schlüsselstellen, Spaltengefah oder Länge der Tour bestimmt. Die Variable mit der größten Gefahreneinstufung bestimmt die Höhe des Gefahrenpotenzials. In der Windrose für die Exposition wird die überwiegende Ausrichtung der Hänge, auf denen man sich bewegt, angezeigt.
6 Notrufnummern