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Fernwanderwege

Fernwanderweg_1

Fernwanderwege sind überregionale Weitwanderwege, die sich oft über mehrere hundert Kilometer durch die Natur schlängeln und die man als Wanderer in mehreren Tagesetappen entdecken kann.


Welcher begeisterte Wanderer träumt nicht davon, einfach seine Sachen zu packen und sich auf große Tour zu begeben. Träume sind dazu da, realisiert zu werden – also macht Euch auf und entdeckt Schritt für Schritt ein Lebensgefühl, das süchtig macht. Egal, ob Ihr eine eigene Route plant oder entlang der unzähligen Weit- und Fernwanderwege durch Deutschland, Europa oder Amerika marschiert, ob Ihr eine Woche oder mehrere Monate unterwegs sein wollt, ob Ihr über die Berge oder durchs flache Land wandert, das Erlebnis wird einmalig sein und bleibende Erinnerungen hinterlassen. Die eigenen Grenzen ausloten, die Kräfte der Natur spüren, neue Landschaften entdecken, fremden Menschen begegnen und dabei nur das Nötigste selbst auf dem Rücken tragen, das macht den besonderen Reiz des Fernwanderns aus.

Was sind Fernwanderwege?

Foto: Outdooractive Redaktion
Grundsätzlich sind alle ausgeschilderten Wanderwege als "Fernwanderwege" einzustufen, die 
  • überregional,
  • mindenstens 300 Kilometer lang, 
  • einheitlich markiert und
  • detailiert in Führern beschrieben

sind. Da es inzwischen eine große Anzahl an markierten Fernwanderwegen gibt, werden zunehmen besonders attraktive Wege mit Prädikaten und Siegeln ausgestattet: Hierzu werden unter anderem Kriterien zu Beschaffenheit, Streckenführung, Kennzeichnung, landschaftlicher und kultureller Sehenswürdigkeiten und Abwechslungsreichtum herangezogen. 

Ein bekanntes Gütesiegel in Deutschland ist unter anderem das "Deutsche Wandersiegel": Es wird vom Deutschen Wanderinstitut anhand 34 unterschiedlicher Kriterien verliehen und gilt jeweils drei Jahre. Der Deutsche Wanderverband verleiht zudem das Gütesiegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland", zu dem neun Basiskriterien und 23 Wahlkriterien untersucht werden. Auch dieses Siegel gilt für drei Jahre. Das österreichische Pendant ist das "Wandergütesiegel", in der Schweiz heißt die Auszeichnung "Prix Rando", wobei letztere vor allem originelle, innovative und qualitativ hochwertig erarbeitete Wanderwege kürt. 

Die Europäischen Fernwanderwege

Zu den berühmtesten und längsten Fernwanderwegen gehören die Europäischen Fernwanderwege. Die Europäische Wandervereinigung (EWV) wurde 1996 gegründet und hat seitdem elf verschiedene Strecken erarbeitet und markiert:
  • E1:  Nordsee – Bodensee – Gotthard – Mittelmeer
  • E2:  Nordsee – Genfer See – Mittelmeer
  • E3:  Atlantik – Ardennen – Erzgebirge – Karpaten – Schwarzes Meer
  • E4:  Gibraltar – Pyrenäen – Bodensee – Balaton – Rila – Kreta – Zypern
  • E5:  Atlantik – Bodensee – Alpen – Adria
  • E6:  Lappland – Ostsee – Wachau – Adria – Agäis
  • E7:  Atlantik – Mittelmeer – Gardasee – Südungarn
  • E8:  Irische See – Rhein – Main – Donau – Karpaten – Rhodopen
  • E9:  Internationaler Küstenweg Atlantik – Nordsee – Ostsee
  • E10:  Lappland – Ostsee – Böhmerwald – Alpen
  • E11:  Nordsee – Harz – Mark Brandenburg – Masuren

Unterwegs auf einem der bekanntesten Europäischen Fernwanderwege

Via Alpina und alpiner Höhenweg

Weitere bekannte Fernwanderwege tragen den Namen Via Alpina. Auf fünf unterschiedlich markierten Routen (rot, blau, grün, gelb, violett) führen diese Fernwanderwege längs durch die Alpen, wobei die rote Via Alpina die längste und alpinste Variante ist und von Monaco entlang des Alpen-Hauptkamms bis nach Triest führt. Die Vias Alpinas sind – wie der Name schon sagt – durch ihre alpine Umgebung charakterisiert und erfordern neben Ausdauer auch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Gewöhnlich werden sie zwischen Juli und September begangen. Außerhalb dieses Zeitraums muss mit Schnee gerechnet werden, da die Pfade bis auf über 2500 Höhenmeter reichen.
  • Rot: Auf 161 Etappen durch acht Länder (Monaco nach Triest)
  • Blau: Auf 61 Etappen durch die Schweiz, Italien, Frankreich (Riale (Wallis) – Monaco)
  • Grün: Auf 14 Etappen durch Liechtenstein und die Schweiz (Vaduz – Adelboden)
  • Gelb: Auf 40 Etappen durch Italien, Österreich und Deutschland (Triest – Oberstdorf)
  • Violett: Auf 66 Etappen durch Slowenien, Österreich und Deutschland (Triglav – Oberstdorf)

Eine ebenso alpine Angelegenheit sind die Höhenwege, die gewöhnlich zwischen drei und zehn Tagen dauern. Der Berliner Höhenweg (Zillertal), der Wiener Höhenweg (Hohe Tauern), der Schladminger-Tauern-Höhenweg (Schladming) oder der Ostallgäuer Höhenweg sind nur eine kleine Auswahl.

Andere Fernwanderwege in Europa

Foto: Svenja Rödig, Outdooractive Redaktion
In Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Spanien gibt es zusätzlich zu den Europäischen Fernwanderwegen auch GR-Fernwanderwege (Grande Randonnée bzw. Grande Rota). Die Nummerierungen sind von Land zu Land unterschiedlich, weshalb eine gleiche Bezeichnung nicht zwangsläufig bedeutet, dass es sich um einen zusammenhängenden Fernwanderweg handelt.

In Schweden nimmt Fernwandern schon lange Zeit einen wichtigen Platz ein. Der berühmteste schwedische Fernwanderweg ist vermutlich der Kungsleden (Königsweg), der durch die Nationalparks der historischen Provinz Lappland im Norden des Landes führt. Aber auch in Südschweden kann man mehrere Tage zu Fuß unterwegs sein. Das weitläufige Wegenetz des Skåneleden bringt Familien und Genusswanderer an die schönsten Ecken Schonens – und das ohne allzugroße Anstrengungen, denn das Gelände ist dort weitestgehend flach. Großes Zuckerl obendrauf: In Schweden gilt das sogenannte "Allemannsrätten" (Jedermannsrecht). Das bedeutet unter anderem, dass man überall in der Natur sein Zelt aufstellen und dort nächtigen darf. Sogar Lagerfeuer sind erlaubt, solange sie die Natur nicht gefährden.

In Schottland lockt der West Highland Way, der von den Lowlands vorbei am Loch Lomond und dem Glen Coe zum Ben Nevis, Schottlands höchstem Berg, führt.

Wo übernachten?

Foto: Outdooractive Redaktion
Diese Frage stellen sich gewiss alle, die eine längere Tour auf einem Fernwanderweg planen.
  1. Die einfachste Möglichkeit, einen Übernachtungsplatz zu finden, ist, ihn mit sich zu tragen. Ein Zelt bietet größtmögliche Flexibilität was Ort und Zeitpunkt der Nachtruhe angeht. Es gilt da aber einiges zu beachten, denn nicht überall, wo gezeltet werden könnte, ist zelten auch erlaubt. Grundsätzlich verbieten die meisten Länder (Ausnahme: Schweden) das Wildcampen – also das Nächtigen im Zelt außerhalb ausgeschilderter Campingplätze.
    Dass es eigentlich nicht erlaubt ist, heißt jedoch nicht, dass es grundsätzlich nicht geduldet wird. Voraussetzung ist, dass man sein Zelt erst in der Abenddämmerung aufbaut und gleich morgens wieder einpackt, kein Feuer macht und keinen Müll zurücklässt. Sind Wohnhäuser oder Hütten in unmittelbarer Nähe des ausgesuchten Zeltplatzes, sollte man außerdem die Bewohner/Hüttenwarte um Erlaubnis bitten.
    Und natürlich muss man statt einer warmen Dusche nach dem anstrengenden Wandertag oft mit einem eisigen Gebirgsbach Vorlieb nehmen und wer schon einmal eine stürmische, regnerische oder sogar verschneite Nacht im Zelt zugebracht hat, wird an dieser Stelle bestimmt auch seine Einwände vorbringen. Trotzdem: es geht einfach nichts über das Gefühl, mit den ersten Sonnenstrahlen aufzuwachen, nur einen Reißverschluss öffnen zu müssen, und bereits die ganze, wunderschöne Natur vor Augen zu haben.

  2. Die wesentlich bequemere Alternative zum Zelt ist natürlich eine Hüttenübernachtung. Man hat schlummert in einem (mal mehr, mal weniger) weichen Bett und wird nachts nicht von wütenden Rangern oder wilden Tieren geweckt und vertrieben. Dafür muss man gerade auf großen und vielbesuchten Hütten das Schnarchen vom Nebenmann in Kauf nehmen und unter Umständen Wucherpreise für Übernachtung und Essen akzeptieren.

  3. Je nach Infrastruktur des gewählten Fernwanderwegs hat man natürlich auch die Möglichkeit, in kleinen Hotels und Pensionen oder Privatunterkünften zu nächtigen. Die Vorteile liegen ganz klar darin, dass man ausgeschlafen und erholt und gestärkt mit einem leckeren Frühstück in den neuen Wandertag starten kann. Aber natürlich ist das nicht gerade die geldbeutelschonendste Möglichkeit der Übernachtung und die Unterkünfte müssen alle im Vorhinein gebucht werden, was eine spontane Planänderung sehr erschwert.

Was nimmt man mit?

Foto: Outdooractive Redaktion
Natürlich bestimmt die Art der Übernachtung das Gepäck grundlegend. Wer sich für Hütte oder sogar Hotel entscheidet, kann auf einiges an Ballast im Rucksack verzichten. Wer zelten möchte, schleppt schnell doppelt so viel mit. Und gerade deswegen ist es unerlässlich, genau zu überlegen, was man denn eigentlich wirklich braucht. Für Touren von Hütte zu Hütte sind bis zu acht Kilogramm Rucksackgewicht normal, bei autarken Touren werden es inklusive Zelt, Kocher und Verpflegung schon mal 20. Grundsätzlich gilt, dass der Körper ein Viertel seines Gewichts ohne größere Probleme über weite Strecken tragen kann – und hier sollte man wirklich auch die Obergrenze setzen. 
  • Kleidung
    • 2 T-Shirts (eines zum Laufen, eines für die Hütte. Diese Reihenfolge natürlich einhalten, also nicht am nächsten Tag das Hüttenhemd zum Laufen anziehen, sonst wird’s abends eklig)
    • 1 Longsleeve/Midlayer/Fleece
    • 2 Hosen: eine lange, eine kurze (oder eine Zipperhose)
    • 2 Paar Socken (auch hier: ein Paar Laufsocken, eines für abends)
    • Mütze und dünne Handschuhe (gehört standardmäßig in jeden Rucksack!)
    • Regenjacke und -hose
    • Geeignetes Schuhwerk
  • Hardware
    • Trinkflasche
    • kleines Taschenmesser und Feuerzeug
    • Sonnenbrille und Sonnencreme
    • DAV-Ausweis (wichtig für Hüttenübernachtungen und ggf. Bergrettung per Helikopter)
    • Wanderkarten (mindestens im Maßstab 1:50.000, noch besser 1:25.000)
    • Erste Hilfe-Set
    • Handy (vorher Notfallnummern notieren und ggf. einspeichern)
    • Stirnlampe
    • Hygieneartikel (kleines Handtuch, z.B. aus Mikrofaser, Zahnputzzeug, Seife)
  • Fürs Zelten
    • Zelt
    • Isomatten und Schlafsack
    • je nach Jahreszeit einen warmen Schlafanzug
    • Campingkocher und Brennstoff
    • Topf und Campinggeschirr
    • evtl. Teebeutel, Kakao, Gewürze
    • Biologisch abbaubare Seife
    • Toilettenpapier
  • Verpflegung
    • beim Hüttentrekking braucht man, wenn überhaupt, nur einen kleinen Lunch, am besten aus gut haltbaren Produkten wie Salami, Hartkäse, Pumpernickel, Schokolade oder Müsliriegel
    • wer zeltet, muss natürlich auch die Verpflegung selbst einpacken. Hier bieten sich Couscous, Nudeln, rote Linsen oder Kartoffelpüree an, die man relativ schnell und ohne großen Energieverlust kochen kann; zum Frühstück eignet sich Müsli oder Porridge, Milchpulver

Was gilt es sonst zu beachten?

  • Anfänger sollten ihre eigenen Kräfte nicht überschätzen. Besser, man fängt mit einer leichten Hüttentrekkingtour an, denn so kann man erstmal austesten, ob der Körper die Belastung der täglichen Wanderungen mit Gepäck gewachsen ist und hat jederzeit die Möglichkeit, auszusteigen.
  • Wer sich unsicher ist, kann auch an einer geführten Trekkingtour teilnehmen. Viele Bergschulen bieten in den Sommermonaten Touren an, ein fachkundiger Bergführer ist immer mit dabei und steht den Wanderern zur Seite.
  • Auf keinen Fall zu viel Gepäck mitnehmen! Aus Spaß kann gerade in alpinem Gelände sehr schnell Schinderei werden. Tipp: ein kleinerer Rucksack spart Gepäck!
  • Hunde sind die besten Freunde des Menschen. Trotzdem haben sie in vielen Hütten keinen Zutritt und die Herrchen schlafen dann unter Umständen aus Solidarität mit im Freien.
  • Gerade auf den Hund gekommen: man sollte auch die Kondition der Vierbeiner nicht überschätzen und regelmäßig an Trinkwasser und Pausen für sie denken.

Notrufnummern

  • Rettungsdienst in allen europäischen Ländern: 112
  • Österreich - Bergrettungsdienst: 140
  • Schweiz - Rettungsdienst: 144
  • Schweizer REGA (Schweizer Rettungsflugwacht): 1414, aus dem Ausland: (+41) 333 333 333
  • Frankreich - zentraler Notruf: 15
  • Italien, Südtirol - Rettungsdienst / Bergrettung: 118
  • Slowenien: 

Alpines Notsignal  

  • Hör- oder sichtbares Zeichen/Rufen, sechs Mal innerhalb einer Minute
  • Signal jeweils nach einer Minute Pause wiederholen
  • Antwortzeichen erfolgt drei Mal pro Minute

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