Gestaltet wurde die Fasanerie zu Zeiten des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Joseph von Erthal, in dessen Regierungszeit bedeutende weitere Parkanlagen der Stadt wie Schönbusch oder der Schlossgarten angelegt wurden. Zuvor bietet sich ein Abstecher zum Aschaffenburger Schloss Johannisburg an.
Am Stadtrand von Aschaffenburg begegnet der Wanderer dem Leibhaftigen - das heißt, vielleicht nicht gerade dem Teufel selbst, aber zumindest kreuzt er dessen Weg. Teufelskanzel nennen die Aschaffenburger die Felsblöcke, die am Westhang des Godelsbergs eine bizarre Formation bilden.
Der Satan persönlich soll die Felsen hier vor Wut hingeworfen haben - vielleicht hat er sie aber auch nur im Flug verloren. Der Wanderer jedenfalls weiß die großartige Aussicht zu schätzen. Neben der Ruine Kippenburg, den fruchtbaren Streuobstwiesen und einem gigantischen Speierlingsbaum wartet der Godelsberg mit einer weiteren Besonderheit auf: einer Allee aus Esskastanienbäumen.
Nun wendet sich der Spessartweg 1 in Richtung Haibach. Neben dem Parkplatz des Waldfriedhofs steht das fünf m hohe Kreuz von 1844. Etwas weiter gelangt der Wanderer zur Ketzelburg, die von der Legende um den „Ritter von Heydebach“ und den Rivalinnen um seine Gunst erzählt und im Hochmittelalter auf einem Ringwall errichtet wurde. Erst in jüngster Zeit wurde das Fundament des Wohnturms freigelegt. Über die Burg erzählt man sich folgende Legende: Der edle Junker, der dort wohnte, habe ein Auge auf die Töchter von zwei seiner Hintersassen geworfen. Nachdem er bei der einen nicht schnell genug zum Ziel kam, wandte er sich der anderen zu. Es kam zu einer heftigen Eifersuchtsszene zwischen den beiden Mädchen. Man fand sie schließlich eng umschlungen und blutüberströmt. Ihre Hände umkrampften noch die Sicheln, mit denen sie sich gegenseitig getötet hatten. Dem Ritter konnten zwar keine Beweise für eine Mitschuld angelastet werden, dennoch setzten die moralische Schuld und die Ansetzung eines Gottesurteils so zu, dass er zur Buße nach Rom und nach Jerusalem pilgerte. Die Burg wurde abgebrochen, nachdem sie an das Stift St. Peter und Alexander gefallen war. Für die Mädchen wurden zwei Kreuze gesetzt. Nachdem einige Jahre vergangen waren, fand man eines Morgens einen Pilger mit schneeweißen Haaren zwischen den Kreuzen liegend. Es war der gealterte und gebrochene Junker, der an der Stätte des Unheils sein Leben aushauchte. Für ihn wurde ein drittes Kreuz errichtet.
Über die Namensgebung der Ketzelburg gibt es eine andere Legende. Am Fuß des Burghügels hüteten zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, das Vieh. Plötzlich teilte sich der Boden zwischen ihnen und es erschien ein eiserner Ring und daran ein großer Bogen wie von einem Kessel. Schließlich erschien ein Kessel, in dem es brodelte. Der Junge steckte nun seinen Hirtenstecken durch den eisernen Ring, das Mädchen packte die andere Seite, und beide versuchten nun, das Gefäß zu heben. Da dies gar so schwer fiel, sagte der Junge: "Annamiälche, heb', dass Du die Kränk kriegst, heb!" Auf diese Worte verschwand der Kessel und zurück blieb nur der eiserne Ring. Hätte der Junge geschwiegen, hätten beide den Schatz gehoben und wären reiche Leute geworden...
Am Wegesrand sind es oft die kleinen Dinge, die ein Wandererherz erfreuen, so zum Beispiel die Kapelle an der Bildbuche, die idyllisch am Waldrand auf dem Weg von Haibach zum Schmerlenbacher Jägerhaus liegt. Ein kurzer Abstecher, der sich lohnt.
Der heiligen Jungfrau Maria ist das Kloster Schmerlenbach geweiht, das vor allem wegen seiner „Muttergottes von Schmerlenbach“ sprichwörtliche Berühmtheit erlangt hat. Dieses Gnadenbild in der Wallfahrtskirche wurde 1380 geschaffen und ist Ziel zahlreicher Pilger. Das Kloster selbst wurde 1218 gegründet und 1803 im Zuge der Säkularisierung aufgelöst. 1812 schließlich wurde Schmerlenbach eine eigene Pfarrei mit Korrektionshaus für Geistliche.
Bevor der Wanderer Unterbessenbach erreicht, genießt er den Rundblick auf dem Judenberg. Nach dem Abstieg kommt er zur Schlosskapelle, die 1752 erbaut wurde.
Vorbei an den „Sieben Seen“, von denen noch drei erhalten sind, gesellt sich ab dem Örtchen Steiger der Kurfürstenweg zum Spessartweg 1. Vor dem nächsten Ort, Waldaschaff, kreuzen sich die beiden Spessartwege und führen gemeinsam auf die Höhe über dem „Kreuzgrund“. Hallenwälder, die Kreuzung mit dem Eselsweg, alte Baumveteranen und ein Rundblick über Rothenbuch belohnen den Wanderer für seine Mühe.
Sanfte Wiesenmatten geleiten in das Spessartörtchen Rothenbuch. Unweit des Weges in Rothenbuch erreicht man die Quelle der Hafenlohr und das Schloss. Dessen Ursprung geht auf das Jahr 1567 zurück. Ende des 17. Jahrhunderts wurde es zu einem Wasserschloss mit vier Flügeln erweitert. Zu dem malerischen Ensemble zählt auch die Schlosskapelle von 1575, die 1861 in ein Wohnhaus umgebaut wurde.
Nun leiten die Markierungen des Spessartwegs über das drei m hohe Niklaskreuz aus rotem Buntsandstein zur etwa 500 m hoch gelegenen Weikertswiese bei Rechtenbach, der größten unbebauten Rodungsinsel im Spessart mit rund 86 Hektar. Die frühere Fohlenweide ist heute ein ökologisch wertvolles Schutzgebiet.
Über die „Klapper“, einem historischen Hohlweg, geht es nach Lohr am Main. Sehenswert sind das Kurmainzer Schloss und das Alte Rathaus. Für einen Rundgang durch die fränkische Altstadt mit ihren Fachwerkbauten und das Fischerviertel sollte man etwas Zeit einplanen. Übrigens soll Schneewittchen im Lohrer Schloss zu Hause gewesen sein. Wer’s nicht glaubt, kann den reich verzierten Schneewittchenspiegel im Spessartmuseum im Schloss besichtigen.
Nach dem Fischerviertel geht es über die alte Mainbrücke mit den Buntsandsteinbögen in den Ortsteil Sendelbach. Nun folgt der Naturlehrpfad am Romberg. Dieser Umlaufberg ist ein Naturschutzgebiet und eine geologische Besonderheit - hier änderte sich vor 200 000 Jahren der Lauf des Mains.
Anschließend geht es in Richtung eines einsamen Spessarttals, in dem vor 600 Jahren ein einfacher Hirte eine kleine Marienfigur in eine Buche gestellt hat. Er hätte sich sicher nicht träumen lassen, dass dereinst an gleicher Stelle ein Wallfahrtsort sein wird: Mariabuchen. Heute fügen sich hier eine Kirche und ein Kloster harmonisch in die bewaldete Landschaft ein.
Kurz vor Gemünden hoch über dem Main steht die Ruine Schönrain, die einst als Frauenkloster gegründet wurde. Vorbei an Massenbuch mit seiner Aussicht bis zu den höchsten Bergen der Rhön geht es nun steil bergab.
Mit einer Burgruine wartet auch Gemünden auf: Über der Drei-Flüsse-Stadt erhebt sich die Ruine Scherenburg, die im Sommer einen romantischen Schauplatz für Freilichtspiele bietet. Hier endet unser Spessartweg 1. Und bei einem guten Frankenwein in einem der Altstadt-Lokale kann man die Wanderung noch einmal trefflich Revue passieren lassen.
Quelle:
Tourismusverband Spessart-Mainland